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Ein außergewöhnlicher Fund

Forschung Ein außergewöhnlicher Fund

Als Forscher vor drei­einhalb Jahren bei Aus­grabungen im Kieswerk auf die Reste einer Brücke stießen, sprachen sie gegenüber der OP bereits von einem Glücksfall - dies hat sich nun bestätigt.

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Rolf-Jürgen Braun vom Landesamt für Denkmalpflege hatte der OP einst die Reste der Brücke gezeigt.Archivfoto

Niederwald. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat für das Projekt „Die mittellatènezeitliche Holzbrücke mit Siedlung bei Niederwald und ihre Einbettung in die Siedlungslandschaft des Amöneburger Beckens (…)“ Mittel in Höhe von 333000 Euro bereitgestellt. „Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass sich hervorragende neue Ergebnisse und Aspekte zur Besiedlung und dem Verkehrswegenetz in der Hessischen Senke im dritten und zweiten Jahrhundert vor Christus, einer Zeit, über die wir (…) noch wenig wissen, ergeben werden (…)“, hebt der Hessische Landesarchäologe Prof. Dr. Egon Schallmayer hervor.

Das Amöneburger Becken soll zu allen prähistorischen Zeiten besiedelt gewesen sein. Wenig Funde gab es allerdings aus der mittleren Latènezeit, was zumeist mit den von antiken Autoren bezeugten keltischen Wanderungen und einem damit verbundenen Siedlungsrückgang erklärt wird. Die Entdeckungen bei Niederwald in Sichtweite der Amöneburg legen jedoch nahe, dass diese vermeintliche Besiedlungslücke auf einem bislang ungenügenden Forschungsstand beruht.

Seit 2009 legten Forscher in einer Kiesgrube eine mittel­latènezeitliche Brücke und die dazugehörige Siedlung frei.

Brücke war 26 Meter lang

Unter anderem gruben sie Überreste einer im rechtsrheinischen Raum bislang einzigartigen, mindestens 26 Meter langen hölzernen Jochpfahlbrücke aus - anhand des Eichenholzes ließ sich feststellen, dass die Brücke aus dem Jahr 211 vor Christus stammt und zwischen 194 und 192 vor Christus erneuert wurde. Als Teil eines vorgeschichtlichen Verkehrsweges führte sie wahrscheinlich über ein kleineres Gewässer - eventuell die Wohra - inmitten einer sumpfigen Talaue.

Ebenso außergewöhnlich wie die Brücke sind auch die während der Grabungen geborgenen Funde. Sie reichen von über 300 Kilo keramisches Material über Glasschmuck, hölzerne Objekte, Kultur- und Nutzpflanzenreste, Tierknochen bis hin zu Viehdungfladen. Es bietet sich nun im Amöneburger Becken die erstmalige Gelegenheit, bislang weitgehend unbekannte Siedlungsstrukturen, Umwelt- und Lebensbedingungen, (land-)wirtschaftliche Grundlagen sowie überregionale Kontakte in der Mittellatènezeit aufzuzeigen.

Die Leitung für das zwei­jährige Forschungsprojekt liegt in den Händen von Dr. Christa Meiborg, HessenArchäologie, Außenstelle Marburg, und Dr. Ines Balzer, Leiterin des Forschungszentrums der „Keltenwelt am Glauberg“.

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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