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Ein Wohrataler Landarzt auf hoher See

Traumschiff Ein Wohrataler Landarzt auf hoher See

Zwischen Seekrankheit, Herzinfarkt und Traumzielen: Als Schiffsarzt erlebt Dr. Thomas Cierpka Abenteuer an den schönsten Orten der Welt.

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Dr. Thomas Cierpka begleitet eine Frau mit Herz-Rhythmus-Störungen, die von der „MS Deutschland“ mit einem norwegischen Fischerboot evakuiert werden muss. Der aus Wohra stammende 37-Jährige arbeitet regelmäßig als Schiffsarzt – auch auf der „Seacloud“ (kleines Foto).Privatfotos

Quelle: Privatfoto

Wohra. „Das Traumschiff habe ich schon als Kind gern geschaut“, sagt er und lacht. Dass er aber wirklich einmal als Schiffsarzt auf dem Traumschiff arbeiten würde, hätte Dr. Thomas Cierpka damals als kleiner Wohrataler Junge wohl nicht geahnt.

Aber der 37-Jährige hat seinen Traum wahr gemacht. Nach seinem Abitur an der Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain studierte er Medizin in Marburg und machte seinen Facharzt in Allgemeinmedizin. Zwischendurch bewarb er sich bei Reedereien und wurde schließlich nach diversen Fortbildungen als Schiffsarzt anerkannt.

Rettungseinsätze mit Hubschrauber und Fischerboot

2012 zog es ihn zum ersten Mal aufs Meer. Er heuerte auf der „Mein Schiff II“ an - einem riesigen, schwimmenden Hotel, das 2000 Passagiere und 800 Crewmitglieder an Bord hat. Ganze drei Monate verbrachte er auf See, „ein beeindruckendes Erlebnis“, sagt der Arzt heute. Am meisten fasziniert hat ihn der Blick hinter die Kulissen des Kreuzfahrtschiffes. „Dort treffen Menschen aus 50 Nationen aufeinander. Über mehrere Monate zu erleben, wie diese Menschen gemeinsam arbeiten und leben, das ist unheimlich spannend“, betont Cierpka, der aktuell in einer Praxis für Allgemeinmedizin im westfälischen Warendorf arbeitet.

Seine Einsätze als Schiffsarzt empfindet Cierpka als willkommene Abwechslung zu seinem Leben als Landarzt. „Auf einem Schiff, das ist eine ganz andere Welt“, betont der 37-Jährige. Auch medizinisch gesehen. Zwischen Riga und Danzig musste eine Passagierin mit einem Hubschrauber evakuiert werden. Die junge Frau litt an einer Hirnhautentzündung. „Das war schon ein ungewöhnlicher und akuter Notfall“, erinnert sich der Mediziner.

Ein anderes Mal musste Cierpka eine Patientin mit Herz-Rhythmus-Störungen von Bord bringen. „Aufgrund des schlechten Wetters auf den Lofoten war es uns nur möglich, die Patientin mit einem norwegischen Fischerboot an Land überzusetzen“, erklärt er.

Doch nicht immer sind seine Einsätze so dramatisch. „Vorwiegend hat man es als Schiffsarzt mit Magen-Darm-Beschwerden, Seekrankheit oder Erkältung zu tun“, sagt er augenzwinkernd.

Viel Prominenz auf dem "Traumschiff"

Auf der sagenumwobenen „MS Deutschland“ - dem Fernsehtraumschiff - hatte Cierpka auch in nichtmedizinischer Hinsicht eine „spannende Zeit“. Zwar sei während seines Aufenthaltes leider gerade nicht gedreht worden, trotzdem habe er doch einiges über bekannte Schauspieler der beliebten ZDF-Fernsehserie und deren Dreharbeiten erfahren. Und trotz der Drehpause seien auch einige Prominente an Bord gewesen.

Weitere Details will Dr. Thomas Cierpka dann aber nicht mehr verraten, denn am Karfreitag wird er einen Vortrag in Wohra halten und dabei noch so einiges Spannendes von seinen Einsätzen als Schiffsarzt erzählen. Für einen guten Zweck. Denn Ende Mai organisiert der ortsansässige Stammtisch in Wohra ein Spendenfestival zugunsten der Krebshilfe mit einem international bekannten Schlagerstar. Diese Aktion will der Mediziner unterstützen.

„Der Eintritt zu meinem Vortrag ist frei, aber gesammelte Spenden sollen diesem wohltätigen Zweck zugute kommen“, betont der Arzt, der Wohra noch immer sehr verbunden ist. Auch wenn er sich im Münsterland wohl fühle, sei Wohra seine Heimat. Deshalb habe er dort auch noch seinen Zweitwohnsitz und sei sehr häufig „Zuhause“. „Wenn man ein bisschen was von der Welt gesehen hat, weiß man seine Heimat erst so richtig zu schätzen“, betont Cierpka lächelnd und schwärmt von der Schönheit des Burgwaldes, die auch seine Partnerin immer wieder beeindrucke.

Blick hinter die Kulissen

Ins Schwärmen wird er aber wohl auch am Karfreitag kommen. Rund 200 Fotos von den schönsten Zielen seiner Reisen wird er mit nach Wohra bringen. Unter anderem wird er Bilder präsentieren von Mittelamerika, dem Nordkap und atemberaubenden Fjordlandschaften.

Cierpka wird seine Zuhörer aber auch hinter die Kulissen der luxuriösen Kreuzfahrtriesen mitnehmen. „Das ist eine Welt, die man als normaler Passagier sonst nicht zu Gesicht bekommt“, sagt der 37-Jährige.

Für ihn persönlich ist aber nicht das „Traumschiff“ sein absolutes Traumschiff, sondern die „Seacloud“, auf der er 2013 anheuerte. Das luxuriöse Segelschiff ist viel kleiner als die Kreuzfahrtriesen, die eher schwimmenden Luxushotels gleichen. Lediglich 100 Passagiere haben Platz an Bord. „Das ist dann eben doch noch ein bisschen mehr Abenteuer“, findet Cierpka, der weiterhin regelmäßig sein Landarztoutfit gegen eine schmucke weiße Schiffsarztuniform tauschen will.

von Nadine Weigel

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