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"Ein Stück weit Friedenserziehung"

Partnerschaft "Ein Stück weit Friedenserziehung"

Die Chemie stimmt zwischen Matthias Bosse, Leiter der Alfred-Wegener-Schule, und John Hokenson, Leiter der Rosendale Intermediate School in Wisconsin (USA). Eine Schulpartnerschaft entsteht.

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John Hokenson, Leiter der Rosendale Intermediate School (links) und Matthias Bosse, Leiter der Alfred-Wegener-Schule, heben den Daumen für die neue Partnerschaft. Foto: Karin Waldhüter

Kirchhain. Bei einem Schulleiteraustausch des Landes Hessen mit dem Bundesstaat Wisconsin hatte der Schulleiter der Alfred-Wegener-Schule (AWS), Matthias Bosse, im Oktober vergangenen Jahres zwei Wochen in Wisconsin verbracht. Die Folge des ersten Besuches war der Beginn einer neuen Schulpartnerschaft mit einem eigenen Austauschprogramm. Nach nur drei Monaten Vorbereitungszeit ließ sich das Austauschprogramm, auch dank der großen Erfahrungen der AWS in diesem Bereich umsetzen.

Zwischen den beiden Schulleitern „passt es einfach“, und die Chemie stimmt, wie beim Gespräch mit der OP zu spüren ist. „Wir lieben beide Kinder, Hunde und Autos“, zählt Matthias Bosse die verbindenden Gemeinsamkeiten auf. Von seinem amerikanischen Schulleiterkollegen wird er freundschaftlich nur „Matt“ genannt.

An der Rosendale Intermediate School wird kein Deutsch unterrichtet. Es sei aussichtslos gewesen, genau eine solche Schule zu finden, berichtet Bosse. Doch die in Rosendale herrschende Freundlichkeit Deutschen gegenüber sei etwas, „das für meine Kinder gerade richtig war“, sagt Bosse. Geschichtlich gesehen gibt es enge Bezüge zwischen Deutschland und Wisconsin. Mitte des 18. Jahrhunderts zog es viele Deutsche nach Wisconsin, das etwa zweieinhalb Mal so groß ist wie Bayern. Siebzehn Prozent des Staatsgebietes sind mit Wasser bedeckt, und es gibt rund 15000 Seen und große Waldgebiete. „Sauerkraut und Bratwurst“ sind beliebte Speisen. Städtenamen wie New Berlin, Kiel und New Holstein deuteten auf die Herkunft der Ortsgründer hin. Geografisch ist die Schule fast so groß wie die AWS, hat aber nur halb so viele Schüler. „Es gibt keine Zäune und auch keinen Bahnhof“, beschreibt der Schulleiter die ländliche Gegend, aus der viele Kinder noch nie herausgekommen seien.

Schon die erste Runde des Schüleraustausches war ein voller Erfolg: Im Februar reisten 18 AWS-Schülerinnen und Schüler nach Wisconsin, und im April kamen 13 amerikanische Schüler nach Deutschland. „Das Interesse steigt, es wollen mehr Schüler kommen“, berichtet John Hokenson.

Für die deutschen Schüler stehen die Vertiefung der englischen Sprache und das Kennenlernen der amerikanischen Kultur im Vordergrund, aber auch viele neue Erfahrungen, wie zum Beispiel Snowmobil fahren und Eisfischen, denn die Schüler aus Kirchhain kommen während der kältesten Jahreszeit nach Wisconsin. Für die amerikanischen Schüler steht das Erleben der deutschen Kultur in den Familien und der Schule im Vordergrund. Derzeit läuft das neue Bewerbungsverfahren für die zweite Austauschrunde (Februar/April 2017), und John Hokenson tourte fleißig durch so viele siebte Klassen wie möglich, um sich vorzustellen und eine Menge Fragen zu beantworten.

Erstaunt haben ihn vor allem das politische Interesse der Schüler und die Fragen nach Donald Trump. In Amerika sei das politische Interesse junger Menschen gering, so Hokenson. Aber auch so viel Fußball wie in den beiden Wochen habe er in seinem ganzen Leben noch nicht geschaut. Die Meinung, dass der Schüleraustausch ein Stück weit auch Friedenserziehung ist, teilen beide Schulleiter.

Der Austausch helfe dabei, Menschen zu verstehen. „We had a great time – wir hatten eine tolle Zeit“, berichtet Hokenson.

Ein besonderer Wunsch seiner Frau sei es gewesen, so viele Schlösser wie möglich zu besuchen, erzählt er. „Nürburgring, Golfen, Bier in einer gemütlichen Gaststätte trinken“, zählt er lachend die Punkte seiner Reisecheckliste auf, die er alle abhaken konnte.

Einer der Höhepunkte war der Besuch des Kultusministers in Wiesbaden. Daneben besichtigte das Paar Schlösser in Heidelberg und das Schloss in Marburg. Den Besuch des Nürburgrings erfüllte dem Autoliebhaber, der daheim auch einen Cadillac sein Eigen nennt, dann der Kirchhainer Schulleiter.

von Karin Waldhüter

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