Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Ein Stück lebendige Geschichte

Lesung aus dem Kriegstagebuch Ein Stück lebendige Geschichte

Mit der Veröffentlichung seines Kriegstagebuches durch den Heimat- und Geschichtsverein hat Heinrich Grün, Bürgermeister der Stadt Kirchhain von 1911 bis 1929, sein Ziel spät erreicht.

Voriger Artikel
Riesling, Musik, Sport und gute Laune
Nächster Artikel
Spaß und ein gutes Essen

Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann (von links), stellte gemeinsam mit Altbürgermeister Klaus Hesse und Kerstin Ebert das Kriegstagebuch von Bürgermeister Heinrich Grün während einer Lesung vor. Altbürgermeister Heinrich Röder (Dritter von links) berichtete von persönlichen Erlebnissen, und Dieter Pelda (rechts) informierte über die Entstehung des Buches. Foto: K. Waldhüter

Kirchhain. Schon damals wollte er späteren Geschlechtern einen Einblick in das Leben einer hessischen Kleinstadt während des Ersten Weltkrieges 1914-18 geben.

„Möge uns ein gütiges Geschick davor bewahren, dass unser Volk und unsere Stadt Kirchhain derartige Zeiten zum zweiten Male erleben müssen!“ Mit diesem mahnenden Satz endet das bemerkenswerte Kriegstagebuch. Überaus lebendig und lesenswert beschreibt Heinrich Grün von Juli 1914 bis Dezember 1918, eingeteilt in monatlichen Abschnitten, die Kriegsereignisse und ihre Auswirkungen auf Stadt und Einwohner. Einfühlsam berichtet Grün vom Kippen der herrschenden Kriegsstimmung in Kirchhain. Die nationale Euphorie weicht nach und nach tiefer Trauer und Entsetzen.

Das Kriegstagebuch ist spannend und anschaulich geschrieben, ist ein Schatz voller Erinnerungen an das Leben in Kirchhain während des Ersten Weltkrieges. Eine besondere Dramatik erhält das Tagebuch, indem es Alltagsbegebenheiten, historische Hintergründe, außergewöhnliche Wetterereignisse und Erlebnisschilderungen mit noch heute bekannten Orten und Namen verknüpft.

Mit einer besonderen Lesung wurde das Buch am Donnerstagabend im Bürgersaal des Rathauses vor knapp 40 Besuchern der Öffentlichkeit vorgestellt. Das 168-seitige Buch hat eine Auflage von 500 Stück und kann bei Kleinheins Papier und Buch, Leni‘s Buchladen, im Modehaus Pausch und über den Verein zum Preis von 14,90 Euro erworben werden. Ergänzt werden Grüns Aufzeichnungen durch das von Harald Pausch aufgearbeitete Ehrenbuch der Kirchhainer Kriegsteilnehmer. Zwei Jahre lang hatte der Verein an dem Buch gearbeitet, berichtete Kerstin Ebert, Vorsitzende des 130 Mitglieder zählenden Kirchhainer Heimat- und Geschichtsvereins. Einen großen Anteil an der Veröffentlichung des Kriegstagebuches, das in Sütterlin-Handschrift verfasst worden war, lag in den Händen von Dieter Pelda, wie diese Zeitung ausführlich berichtete.

Der Diplom-Archivar zitierte Grüns Wahlspruch: „Das Gute erhalten, dabei bewährten Neuerungen nicht unzugänglich, das Wohl der Stadt und ihrer Einwohner nach Kräften zu fördern, sollte meine Aufgabe sein.“ Diesem Wahlspruch sei Grün sein Leben lang treu geblieben, berichtete Pelda. Abschließend bestätigte der Fachmann die Echtheit des Tagebuches, was den Ausschlag für die Veröffentlichung gegeben habe. Das gesamte Buch sei von einer Hand geschrieben. Beibehalten habe man die Ausdrucksweise und die Schreibweise der damaligen Zeit.

Als Zeitzeuge und damals junger Mitarbeiter bei der Stadt Kirchhain berichtete Altbürgermeister Heinrich Röder von seinen persönlichen Erlebnissen mit Heinrich Grün. Mit Grün habe er eine hervorragende Persönlichkeit kennengelernt, so der 89-Jährige. „Er war eine große Persönlichkeit, und ich bin dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte“, so Röder, der Grün als seinen ersten großen Lehrmeister in der Kommunalpolitik würdigte.

Der amtierende Bürgermeister Olaf Hausmann, Altbürgermeister Klaus Hesse und Kerstin Ebert stellten anschließend das Buch in einer rund einstündigen Lesung vor. Altbürgermeister Jochen Kirchner nahm nicht wie angekündigt an der Lesung teil. Er hatte kurzfristig abgesagt und ließ sich entschuldigen.

„Wenn man sich weiterentwickeln will, muss man in die Vergangenheit blicken“, erklärte Hausherr Olaf Hausmann am Ende der Lesung. Gerade hier im Rathaus sei der richtige Platz für eine solche Lesung, betonte Hausmann. „Ich denke, dass Grün einige Zeilen des Buches in diesen Räumen geschrieben hat“, sagte Hausmann und wertete das Buch als einen tollen Beitrag zum Erhalt der Kirchhainer Geschichte.

Heinrich Röder berichtete von der Kirchhainer Gras-Lose-Aktion, die alljährlich zu einem kleinen Fest führte, und Klaus Hesse verwies auf das Original-Kästchen mit 352 Gras-Losen, das sich noch heute im Besitz des Vereins befindet.

Mit einem Festakt feiert der Heimat- und Geschichtsverein am 10. September ab 19 Uhr mit einem Festakt in der Aula der Alfred-Wegener-Schule sein 25-jähriges Bestehen.

von Karin Waldhüter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr