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Ein Stück Pionierarbeit ist abgeschlossen

Ruhestand Ein Stück Pionierarbeit ist abgeschlossen

Heute verabschiedet sich Sigrid Waldheim von ihren Mitarbeitern und langjährigen Mitstreitern beim Eigenbetrieb Dienstleistungen und Immobilien, kurz „DuI“ genannt.

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Sigrid Waldheim sitzt im Wintergarten. Ihr Ruhestand beginnt endgültig am 1. April. Foto: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. „DuI“ ist eine Stadtallendorfer Besonderheit. In diesem städtischen Eigenbetrieb sind die Immobilien der Stadt wie auch die Arbeit des Bauhofes zusammengefasst. Als Sigrid Waldheim zum 1. Januar 2003 dessen erste Chefin wurde, betrat sie eigentlich absolutes Neuland. Eigentlich. Denn betriebswirtschaftliche Grundlagen hatte sie sich in einem Aufbaustudium fünf Jahre vorher erworben. „Es war trotzdem Pionierarbeit“, sagt sie. Diese Pionierarbeit leistete sie gemeinsam mit einem Team aus der Verwaltung, also Mitarbeitern, die zu „DuI“ versetzt wurden.

Was hat sie daran gereizt? „Das war eine Chance, mir war klar, was sich für Freiräume für mich boten“, antwortet sie ohne langes Überlegen. Wobei ihr klar war, dass auch das Risiko bestand, gerade am Anfang, Fehler zu begehen. Das erste Jahr als Betriebsleiterin bestand die zusätzliche Herausforderung auch in der im wahrsten Sinne doppelten Buchführung. DuI benutzte übergangsweise noch die klassische kamerale Verwaltungsmethode wie auch die seinerzeit neue doppische (kaufmännische) Buchführung.

Sigrid Waldheim ist „Kind“ der Stadtallendorfer Stadtverwaltung, hatte zuvor alle klassischen Abteilungen durchlaufen: Ordnungsbehörde, Finanzen, Stadtkasse, Hauptamt und vor ihrem Wechsel an die DuI-Spitze auch die Bauabteilung. Ansonsten war für sie Hineindenken gefragt, schließlich war sie keine Ingenieurin. Eine erste Herausforderung war für sie die Bärenbachhalle und deren Sanierung. Nach dem Einsturz der Sporthalle in Bad Reichenhall gab es eine Routineprüfung, bei der herauskam, dass die Dachlast der Bärenbachhalle erheblich zu hoch war. Überraschungen, meist der unangenehmen Art, wurden Teil ihres Jobs. Etwa, als sich herausstellte, dass die Kanalisation unter dem gerade sanierten Jugendzentrum im Röntgenweg komplett marode war. Oder als plötzlich Teile der gerade mit einem Stuhllager erweiterten Mehrzweckhalle abbrannten. Kurz vor dem Jubiläums-Hessentag. „Aber im Laufe der Zeit wird man einfach sicherer“, sagt sie. Immer wieder gebe es eine einfache Abwägung zu treffen. „Entweder es geht oder es geht nicht“, erläutert sie ihre einfache aber effektive Formel.

Größtes Projekt zum Ende

Ihr größtes Projekt stand am Ende ihrer Laufbahn, der Bau des Betriebshofes gemeinsam mit den Stadtwerken. Hinzu kamen die Neubauten der Kinderkrippen im Iglauer und im Kirchhainer Weg, die Sanierung des Kindergartens Schillerstraße oder die problematische Sanierung des Bürgerhauses Schweinsberg. Dort hatte sich eine einfache Sanierung zu einem komplexem Problem entwickelt.

63 Immobilien verwaltet DuI, von der Stadthalle bis zu den Feuerwehrgerätehäusern. Mitunter sind schnelle Entscheidungen nötig, immer auch nach betriebswirtschaftlichen Kriterien. Den Reiz hat die Arbeit als Betriebsleiterin für Sigrid Waldheim nie verloren, auch wenn es mitunter auch unangenehme Diskussionen gab, wenn sie beispielsweise der Politik die Sicht von DuI auf ein Projekt erläuterte oder es eben mal wieder eine dieser immer möglichen Überraschungen gab. Sigrid Waldheim geht mit 65 Jahren in den Ruhestand. Die neue freie Zeit will sie zunächst mal dafür verwenden, auszuspannen, Dinge zu erledigen, die liegengeblieben sind. Sie hat Wert auf eine Abschiedsfeier mit ihren Mitstreitern gelegt. Am Dienstag findet sie im Baubetriebshof statt. Ihr Nachfolger Peter Sauer übernimmt die Betriebsleitung zum 1. April.

So ganz außerhalb des Geschehens wird sie in den nächsten fünf Jahren aber auch nicht sein. Die Wähler kumulierten und panaschierten sie direkt ins Stadtparlament, womit sie eigentlich nicht gerechnet hat. Politik ist für sie kein Neuland, seit 20 Jahren arbeitet die Sozialdemokratin auf Kreisebene. „Ich freue mich jetzt auch auf die Arbeit im Stadtparlament“, sagt sie. Vermutlich wird sie dort neben ihrem Mann Bernd Platz nehmen.

von Michael Rinde

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