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Ein Schritt Richtung Selbstständigkeit

Initiative Ein Schritt Richtung Selbstständigkeit

Zwölf Jugendliche aus Neustadt genossen während der Osterferien eine ganz besondere, sechstägige Reise nach Dänemark: Drei Schülerinnen hatten die Fahrt fast im Alleingang geplant.

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Die Teilnehmer der von (rechtes Bild, von links) Tori Hermer, Carina Feil und Dana Wettlaufer über die Schulsozialarbeit organisierten Fahrt mussten unter anderem selber kochen.Privatfotos

Neustadt. „Die Fahrt war cool und sehr organisiert“, lobte Jugendpfleger Lars Kietz die drei 15 Jahre alten Schülerinnen Carina Feil, Tori Hermer und Dana Wettlaufer. Die Jugendlichen hatten während einer von der Schulsozialarbeit initiierten Arbeitsgemeinschaft eine Ferienfreizeit in Dänemark geplant, beworben und umgesetzt. „Alle reden von Beteiligung und Partizipation. Wir wollen das auch leben - und wie soll das besser gehen als mit einer Ferienfreizeit, bei der Ziel, Aktionen, Essen und alles weitere selbst festgelegt werden“, erklärt Kietz den Hintergrund der AG an der Martin-von-Tours-Schule.

Und die Mädchen genossen es, die Fäden in der Hand zu haben: „Ich finde es cool, selber die Entscheidungen treffen zu dürfen“, betont Feil, die sich mit ihren beiden Freundinnen zunächst auf ein Ziel und einen Reisezeitpunkt festlegten: „Wir überlegten, wohin wir nicht mit unseren Familien fahren würden. Außerdem wollten wir unbedingt ans Meer.“ So sei die Wahl recht schnell auf Dänemark und die Osterferien gefallen. Danach legten die drei Mädchen die Teilnehmerzahl auf zwölf fest und machten sich auf die Suche nach einem Ferienhaus: „Wir wollten unbedingt ein Haus, weil man dort miteinander lebt und alles persönlicher ist“, erläutert Hermer.

Nach ausführlicher Recherche im Internet stand fest: Es soll nach Ejsingholm gehen - schließlich hatten sie dort eine passende Unterkunft gefunden, die nur 200 Meter vom Meer entfernt und nicht völlig vom Schuss ist. Danach machten sich die Schülerinnen ans Programm: Sie beschlossen, dass es unbedingt Zeit zur freien Nutzung geben solle, organisierten aber auch Fahrten in die Städte Skive und Holstebro sowie eine Tandemtour und einen Bowlingtag. „Das Schwierigste war, die Aktionen telefonisch mit den Dänen abzuklären“, berichtet Wettlaufer. Doch auch diese Hürde nahmen die 15-Jährigen mit Bravour.

Nächste Fahrt führt in den Heide-Park Soltau

Letztendlich stand fest: Wenn der Verein bsj, der sich um die Jugendpflege und die Schulsozialarbeit in Neustadt kümmert, wie gehabt Fahrzeuge zur Verfügung stellt, werde die Reise pro Teilnehmer rund 100 Euro kosten. So bewarben die Mädchen ihre Ferienfreizeit dann mit selbstgestalteten Aushängen und fanden schnell neun Interessierte - darunter sogar zwei Schüler vom Schwalmgymnasium - die mitfahren wollten. Sogar die Anmeldeformulare passten sie für ihre Reise an, um sich danach auch noch an den Essensplan zu machen und einige Lebensmittel im Vorfeld zu kaufen. Dann ging es an den schönsten Teil: die Umsetzung.

Mit drei Betreuern ging‘s nach Dänemark, wo die Jugendlichen aber nicht nur die Reise genießen konnten, sondern auch ­kochen und putzen mussten. „Wir setzen eben auf Selbstständigkeit“, wirft Kietz ein.

Inzwischen steht fest: Die Reise war ein Erfolg - und das auch, obwohl es am Strand windig und kalt gewesen sei. Und auch der Jugendpfleger ist rundum zufrieden: „In der AG ging es um mehr als das Organisieren einer Reise. Die Gruppe musste sich auf gemeinsame Ziele festlegen - es waren also Aushandlungsprozesse notwendig. Zudem galt es unter anderem, strukturiert vorzugehen, Probleme zu lösen und zu kommunizieren - das sind alles Punkte, die sich auf das spätere Arbeitsleben übertragen lassen“, freut sich Kietz und betont: „Das ist lebenswelt-bezogene Schulsozialarbeit.“

Und damit ist noch lange nicht Schluss. Die drei Schülerinnen planen bereits jetzt eine Fahrt für die Sommerferien: Dann soll es drei Tage lang in den Heide-Park Soltau gehen.

Die Arbeitsgemeinschaft Ferienspiele trifft sich dienstags ab 13.30 Uhr im Computerraum der Martin-von-Tours-Schule.

von Florian Lerchbacher

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