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Ein Schatz wird erstmals gezeigt

Alte Messgewänder und Paramente Ein Schatz wird erstmals gezeigt

Bis 1803 wirkten neun Stiftsherren in und um Amöneburg herum. Sie haben der Stiftskirche St. Johannes der Täufereinen Schatz hinterlassen: 250 bis 260 Jahre alte Messgewänder und prächtige Paramente.

Amöneburg. „Die Stiftsherren haben dafür gesorgt, dass es in der Kirche für je drei Geistliche komplette Ornate in allen Farben des Kirchenjahres gab“, erklärt Dr. Paul Lang beim OP-Besuch in der Sakristei. Und viele von diesen kostbaren Kunstwerken haben die Jahrhunderte überdauert. Dr. Paul Lang muss sich richtig anstrengen, um eines dieser Messgewänder aus den Tiefen eine mächtigen Wandschranks in der Sakristei ans Tageslicht zu befördern.

„Die sind richtig schwer. Wer so ein Gewand trägt, geht ganz anders. Sie dürfen auf keinen Fall ins Wanken geraten - Sturzgefahr“, berichtet der Diakon und Gymnasiallehrer über seine eigenen Erfahrungen mit der kostbaren und prachtvollen Last.

Antike Gewänder werden selten getragen

Diese antiken Gewänder werden deshalb nur noch selten an hohen Festtagen in Gottesdiensten getragen, sagt Antonie Köhl, während sie ein reich besticktes Kelchvelum begutachtet. Umso mehr freut sich die Vorsitzende des Fördervereins der Stiftskirche darüber, dass am Sonntag, 13. September, einige der schönsten historischen Messgewänder und Paramente erstmals in einer großen Ausstellung der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden können. Diese Ausstellung ist von 11.30 Uhr bis 18 Uhr im großen Saal des Rabanus-Hauses gegenüber der Kirche zu sehen.

Was die Besucher zu sehen bekommen, lässt sich mit dem Wort phantastisch nur unzureichend beschreiben. Die Messgewänder bestehen aus Samt, Seide und Brokat. Und sie tragen an feinste Malerei erinnernde biblische Motive - die alle aufwendig von Hand gestickt wurden. Auffällig: Die Rückenpartie ist die Schmuckseite der Gewänder.

Auch jüngere Stücke sind zu sehen

„Vor der Liturgie-Reform zelebrierten die Priester die heilige Messe am Hochaltar, wobei sie der Gemeinde über die längste Zeit den Rücken zukehrten“, erklärt Dr. Paul Lang die Sinnhaftigkeit dieser Gestaltungsform. Ein mit kunstvollen Stickereien an der Vorderseite verziertes weißes Messgewand verortet der Fachmann sogleich in die Zeit nah dem Zweiten Vatikanum, in dessen Folge die Zelebrationsaltäre in der römisch-katholischen Kirche eingeführt wurden. Seitdem zelebrieren die Priester die heilige Messe mit dem Gesicht zur Gemeinde.

Um die Entwicklung der Messgewänder aufzuzeigen, werden neben den ganzen alten Stücken auch Gewänder aus dem 19. und 20. Jahrhundert bis in die heutige Zeit ausgestellt. Dr. Paul Lang greift sich ein schlichtes grünes Messgewand von heute: Dünner Stoff, Maschinen-Nähte, Maschinen-Stickerei, Schließe aus dünnem Messingblech. „150 Euro. Aus Polen“, sagt er knapp.

von Matthias Mayer

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