Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Ein Rauchverbot zum Lärmschutz?

Protest Ein Rauchverbot zum Lärmschutz?

"Das ist keine Bitte, sondern eine klare Regelung: Ab sofort gilt das Rauchverbot auch im Außenbereich des Bürgerhauses", steht auf einem Plakat an der Tür des Erfurtshäuser Bürgerhauses

Voriger Artikel
Solidaritäts-Welle ebbt nicht ab
Nächster Artikel
Nach 17 Jahren kommt es zu Wechsel an der Spitze

Vier Meter von der Flüssiggasanlage befindet sich der Raucherbereich am Jugendraum. Ortsbeiratsmitglied André Steidl zeigt auf das Verbotsschild.Foto: Karin Waldhüter

Erfurtshausen. Das neue Rauchverbot erhitzt seit Anfang Februar die Gemüter in Erfurtshausen. Auch in der Ortsbeiratssitzung gab es am Donnerstag einige Diskussionen. „Der Magistrat der Stadt Amöneburg hat in Absprache mit der Aktiv-Gemeinschaft Erfurtshausen, die das Bürgerhaus betreibt, ein generelles Rauchverbot auf dem öffentlichen Außengelände des Bürgerhauses, des Feuerwehrgerätehauses sowie des Jugendraums erlassen“ heißt es auf dem Plakat, das beim Betreten sofort ins Auge sticht.

Die einzige Ausnahme gelte für den sogenannten Raucherbereich im Untergeschoss, im überdachten Bereich vor dem Jugendraum. „Mit einer solchen Entrüstungswelle, die diese Regelung in Erfurtshausen ausgelöst hat, hätte ich nicht gerechnet“, erklärte Ortsvorsteher Wolfgang Rhiel. Er sei öffentlich angegriffen worden, weil die Leute nicht einsehen wollten, dass vor dem Bürgerhaus und dem Feuerwehrgerätehaus nicht mehr geraucht werden dürfe. Es würde als Schikane angesehen. „Ich sehe nicht ein, dafür den Kopf hinzuhalten“, erklärte er und gab zu bedenken, dass vor dem Jugendraum, auch im Hinblick auf die dort befindliche Flüssiggasanlage, für eine Raucherecke auch nicht der beste Platz sei. Ortsbeiratsmitglied André Steidl verwies dann auf ein gemeinsames Gespräch zwischen Anliegern, Vertretern der Aktiv-Gemeinschaft, dem Ortsvorsteher, seiner Stellvertreterin und Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg, das am 6. Februar stattfand. Einen Tag später erfolgte der Aushang des Rauchverbotes. Nicht der Magistrat, sondern der Bürgermeister alleine habe gehandelt, wirft Steidl dem Stadtoberhaupt vor. „Was passiert mit den Mitgliedern der Einsatzabteilung, wenn sie vor dem Feuerwehrgerätehaus rauchen?“, fragt Steidl.

Wie könne ein Rollstuhlfahrer über die Treppe die ausgewiesene Raucherzone vor dem Jugendraum erreichen und was sei mit dem Gestank vor dem Jugendraum, fragt er.

„Letztendlich geht es nicht nur um das Rauchverbot, sondern um die Anwohner, die sich durch die Unterhaltungen belästigt fühlen“, sagt Steidl und gibt zu bedenken, dass sich eventuell auch angrenzende Bewohner des Jugendraums belästigt fühlen könnten. „Was wird als nächstes ausgesprochen, ein Verbot von tobenden Kindern bei Familienfeiern?“ fragt Steidl. Von den umliegenden Anwohnern des Bürgerhauses war niemand anwesend. „Das Rauchverbot ist weder ein Spaß, noch Schikane, sondern ein letztes Mittel, um weiterzukommen“, erklärt Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg. Seit zweieinhalb Jahren sei es permanent zu Beschwerden gekommen.

Vermietungsveranstaltungen, Feuerwerk, aufgestellte Zelte im Außenbereich und Feiern bis in die Morgenstunden seien das Problem. Man bekomme ein dickes Problem, wenn man auf die Anlieger nicht eingehe und diese sich einen Anwalt nähmen. „Dann läuft nach 22 Uhr nichts mehr“, betont Richter-Plettenberg. Es sei um die Frage gegangen, wie man die Raucher vom Eingangsbereich des Bürgerhauses wegbringe. Die AktivGemeinschaft sei mit in der Verpflichtung, das Rauchverbot mit zu überwachen. „Welche unzumutbare Belastung entsteht die Treppe hinunter zu gehen und dort zu rauchen?“ fragt Richter-Plettenberg. Karl-Heinz Lohmer vom Vorstand der Energiegenossenschaft machte den Vorschlag das Rauchverbot ab 22 Uhr einzugrenzen, den Richter-Plettenberg gut hieß. „Wir sind der Meinung, dass es nicht rechtens sein kann ein Rauchverbot zu verlangen, um einen Lärmschutz zu erreichen“, resümierte Ortsbeiratsmitglied Bertram Rhiel.

Der Ortsbeirat beschloss einstimmig zur Prüfung der Rechtmäßigkeit des Rauchverbotes die Kommunalaufsicht beim Landkreis Marburg-Biedenkopf einzuschalten. Hinsichtlich des ausgewiesenen Raucherbereichs erfolgt zudem ein Schreiben an den Fachbereich Gefahrenabwehr beim Landkreis Marburg-Biedenkopf.

von Karin Waldhüter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr