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Ein Quadratmeter Stoff für ein Lächeln

Nähaktion für Flüchtlingskinder Ein Quadratmeter Stoff für ein Lächeln

Hilfsangebote über Hilfsangebote laufen derzeit im Landkreis, um den hier untergebrachten Flüchtlingen das Leben ein wenig zu erleichtern. Auch eine Internet-Aktion hat es in die Region geschafft.

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„Sew a smile“ in Stadtallendorf: Fleißig wurden im Jugendzentrum Stadtallendorf sogenannte „Smile Bags“ für die Flüchtlingshilfe genäht. Diese typischen Turnbeutel sollen vor allem den Kindern im Stadtallendorfer Flüchtlingscamp ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Quelle: Katharina Kaufmann-Hirsch

Stadtallendorf. Die Nähmaschinen rattern, jede im eigenen Takt und doch für ein gemeinsames Ziel. Hin und wieder erklingt das rhythmische Ratschen einer Schere, die durch Stoff schneidet - ergänzt vom Klappern der Nadeln, die zurück in ihre Kästen geworfen werden. Was gespielt wird, ist kein Musikstück, sondern eine Sinfonie der Hilfe. Acht Frauen sitzen hier im Stadtallen­dorfer Jugendzentrum an einem großen Tisch und nähen. Stoffbeutel. Für Kinder. Vertrieben aus ihrer Heimat. Auf der Suche nach Zuflucht und einer neuen Heimat in Deutschland.

„Wir wollen ein paar Menschen und vor allem den Kindern wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sagt Ruth Kase, Initiatorin der Nähaktion im Jugendzentrum Stadtallendorf. Im Internet bei Facebook hat sie von der Aktion „Sew a smile“ (Näh ein Lächeln; siehe Kasten) erfahren. „Ich fand das gut und wollte mich beteiligen“, ergänzt die vierfache Mutter. Also sprach sie Freunde und Bekannte an, fragte im Jugendzentrum nach, ob man dort nähen könne. „Wir treffen uns mit ein paar Näh­verrückten ja einmal im Monat hier für unsere ,Rattern und Schnattern‘-Gruppe“, berichtet Kase weiter. Als am vergangenen Samstag dann bekannt wurde, dass auch in Stadtallendorf ein Zeltcamp entsteht, „da war der Bedarf dann plötzlich schneller da, als ich erwartet hatte.“ Und er stieg unerwartet schnell an. „Waren es am Dienstagabend noch 68 Kinder, die in der Zeltstadt angekommen waren, waren es gegen Mittwochmittag schon 186“, so Kase.

Es fehlt den Flüchtlingen an Taschen oder Rucksäcken

Genäht werden Stoffbeutel, vom Stil her typische Turnbeutel. Denn, das ist den Organisatoren der deutschlandweiten „Sew a smile“-Gruppe aufge­fallen, es fehlt fast überall an Taschen für die Flüchtlinge, in denen sie ihr spärliches Hab und Gut transportieren können. „Damit sie keine Plastik­tüten nehmen müssen, nähen wir ihnen Stoffbeutel, die sie wie einen Rucksack nutzen können“, schildert Kase die Idee. Und gerade Kinder könnten darin ihre Habseligkeiten - seien sie gespendet oder aus der alten Heimat mitgebracht - problemlos tragen. Kase hat zudem von der Drogeriekette dm die Zusage erhalten, dass das Unternehmen die genähten Beutel vor der Übergabe mit Kinderhygieneartikeln füllt.

Der Stoff und die Kordeln für die Aktion in Stadtallendorf stammen aus den privaten Beständen der Näherinnen und aus einer Spende des Ladens „Stoffbude ABC“ in Kirchhain. Pro Tasche werden knapp ein Quadratmeter Stoff und drei Meter Kordel gebraucht. Das Schnittmuster hat Nici Augustin den „Sew a smile“-Gruppen in ganz Deutschland zur Verfügung gestellt. „Es ist überhaupt nicht schwer oder kompliziert“, betont Roswitha Huhn. Sie hat extra ihre Overlock-Nähmaschine mitgebracht und näht damit die Stoffe an den geraden Kanten in wenigen Minuten und mit industrieller Präzision aneinander. „So hält der Beutel dann auch gut und lange“, erläutert sie. Neben ihr sitzt Sabrina Theissig. „Ich bin blutige Anfängerin, aber wenn wir fertig sind, dann kann ich super Tunnelzüge nähen“, sagt sie und lacht. Überhaupt geht es in der Runde eher locker zu. Es wird von Kindern, Enkelkinder und dem letzten Urlaub erzählt.

Treffen werden vorher im Internet bekanntgegeben

Damit keines der Flüchtlingskinder leer ausgeht, treffen sich die Frauen auch in dieser Woche wieder abends zum Nähen. Aktuelle Termine werden auf der Facebookseite der Gruppe „Sew a smile Gießen/Marburg und Umgebung“ bekannt gegeben. Weitere Näherinnen und auch Näher sind gerne willkommen. „Man braucht keine großartigen Kenntnisse vom Nähen zu haben. Eine Nähmaschine bedienen zu können, reicht völlig aus“, betont Teilnehmerin Melanie Mönnig. Und wer keine eigene hat, der wird zum Einfädeln der Kordeln oder Zuschneiden eingesetzt. „Wer helfen will, für den finden wir auch eine Tätigkeit. Je mehr wir sind, umso mehr können wir schaffen“, sagt die Rauschenbergerin, während sie eifrig Naht um Naht setzt. Ihre Maschinen rattert dabei weiter im eigenen Takt für das gemeinsame Ziel.

Die Aktion
„Sew a smile“ – zu deutsch „Näh ein Lächeln“ – möchte nicht nur ein genähtes Lächeln in die Welt der Flüchtlinge bringen, sondern vor allem konkret helfen. Spenden gibt es viele, von Kleidung und Spielsachen bis zu Hygieneartikeln. Doch wo sollen all diese Dinge verstaut werden? Hier setzt die Aktion an: Ein einfacher Beutel mit Kordelzug soll dort Abhilfe schaffen.

von Katharina Kaufmann-Hirsch

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