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Ein Platz auf dem Podium blieb leer

Informationsveranstaltung Ein Platz auf dem Podium blieb leer

Bei der Informationsveranstaltung der Stadt Stadtallendorf zur Unterbringung von Flüchtlingen in der Hessen-Kaserne blieben am Dienstagabend wichtige Fragen offen.

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Wenige Antworten, aber einige Fragen

Bürgermeister Christian Somogyi erläuterte die umstrittene Wegeführung. Heinz Frank (von links), Dr. Christoph Ullrich und Marian Zachow diskutierten mit den Besuchern.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Knapp 300 Bürger besuchten die von der Stadt organisierte Informationsveranstaltung über die Pläne, in Stadtallendorf langfristig eine Erstaufnahmeeinrichtung in Teilen der Hessen-Kaserne zu schaffen (die OP berichtete).

Wichtige Fragen zum Umbau und vor allem der vorgesehenen Wegeführung in die Stadt mussten aber unbeantwortet bleiben. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich erneuerte allerdings seine Aussage, dass die in Zelten lebenden Flüchtlinge zwischen 7. und 13. Dezember in umgebaute Kasernengebäude umziehen sollen. Offene Fragen will die Stadt bis dahin zu klären versuchen.

Kein Vertreter des Amtes für Baumanagement anwesend

Die Informationsveranstaltung begann zunächst mit fast einer Viertelstunde Verspätung. Der Grund war gravierend: Ein Vertreter des Hessischen Baumanagements (früher Staatsbauamt), der eigentlich zentrale Informationen zu den Umbauten in der Hessen-Kaserne und vor allem zur beabsichtigten Fußwegeführung von der Hessen-Kaserne über einen Waldweg bis in die Rohrborn-Siedlung geben sollte, erschien nicht.

Erst nach einem Telefonat von Bürgermeister Christian Somogyi war klar, dass der Eingeladene seit Montag erkrankt ist und auch kein Vertreter erscheinen würde.

26.692 Flüchtlinge in Hessens Erstaufnahmeeinrichtungen 

So saßen auf dem Podium neben Somogyi der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow und Heinz Frank, Leiter der Polizeistation Stadtallendorf.

Somogyi gab den etwa 300 Besuchern einen kurzen Überblick über den Wissensstand der Stadt und die Chronologie der Ereignisse. Regierungspräsident Ullrich übernahm es, die Besucher mit den aktuellen Flüchtlingszahlen vertraut zu machen.

26.692 Flüchtlinge, Stand gestern Morgen, leben in Erstaufnahmeeinrichtungen in Hessen derzeit, rund 600 davon in den Zelten neben dem Bundeswehr-Hallenbad. Sie sollen, so der Stand der Planungen, bis etwa Mitte Dezember in feste Unterkünfte in einen Teil der Hessen-Kaserne umziehen.

Über strittige Fußwege-Verbindung wird noch verhandelt

Unter den Besuchern waren gestern erwartungsgemäß sehr viele Anwohner aus der Rohrborn-Siedlung. Bürgermeister Somogyi wie auch Ullrich mussten sich viele Nachfragen nach den Plänen für die Fußwege-Verbindung anhören.

Antworten konnten sie keine geben. Somogyi betonte allerdings fast gebetsmühlenartig immer wieder, dass es Gespräche mit dem Land über diese Planungen gebe. „Ich will eine Lösung möglichst bevor die ersten Menschen aus den Zelten umziehen“, sagte er.

Der Gießener Regierungspräsident formulierte zu diesem Thema diplomatisch: „Die rasante Entwicklung führt dazu, dass wir an der ein oder anderen Stelle noch nicht die Lösung gefunden haben, die wir uns wünschen“.

Ullrich wie auch Somogyi machten aus ihrem Ärger über das Fehlen eines Vertreters der Baubehörde keinen Hehl, was den Fragestellern allerdings nichts nutzte.

Heinz Frank: 95 Prozent der Flüchtlinge sind rechtstreu

Dass das Thema Fußwegeführung eine besondere Rolle bei der Informationsveranstaltung spielen wird, hatte sich spätestens am Montagabend abgezeichnet. Unter dem Namen „Bürger für Stadtallendorf“ will sich eine Bürgerinitiative aus der Rohrborn-Siedlung gegen die Planungen wehren.

Etwa 60 Bürger waren zur Gründungsversammlung gekommen. Dabei ging es auch um das Sicherheitsgefühl älterer Menschen in der Siedlung. An der Veranstaltung hatte ebenfalls Heinz Frank als Leiter der Polizeistation Stadtallendorf teilgenommen, um sich als Ansprechpartner bereitzustellen.

Er hatte schon am Montag klargemacht, dass die Polizei Sorgen ernstnehmen werde. Gestern Abend äußerte sich Frank vor größerem Plenum zum Aspekt Sicherheit und Kriminalität im Zusammenhang mit Flüchtlingen; ein Aspekt, der ebenfalls Zuhörerfragen auslöste. „95 Prozent der Flüchtlinge sind absolut rechtstreu, die anderen 5 Prozent beschäftigen uns“, machte Frank am Anfang seines Vortrages klar.

Kriminalität bei den Flüchtlingen untereinander, also in der Erstaufnahmeeinrichtung Neustadt, beschäftige die Polizei am meisten. Ausdrücklich animierte Frank dazu, insbesondere über die Sozialen Medien verbreiteten Gerüchten zu Übergriffen von Flüchtlingen sehr skeptisch gegenüberzustehen.

„Wir haben weder eine Kalaschnikow gefunden, noch gab es in der Einrichtung Neustadt eine Massenvergewaltigung“, nannte er ein Beispiel für verbreitete Unwahrheiten. Ein weiterer Bericht folgt.

von Michael Rinde

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