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Ein Kampf um die Chancengleichheit

Engagierte Jugendliche Ein Kampf um die Chancengleichheit

Sieben Jugendliche aus dem Ostkreis und Marburg engagieren sich weiter für Kinderrechte. Aktuell läuft eine Petition, mit der sie die Abschaffung von Kindergartengebühren durchsetzen wollen.

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Diese Jugendlichen gehören zur „Fight for Rights“. Auf dem Tabletcomputer ist die Online-Petition zu sehen.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Sie forderten­ die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz, sie packten im vergangenen Jahr mehr als 200 persönliche Weihnachtspäckchen für geflüchtete Kinder in Stadtallendorfs damaliger Erstaufnahmeeinrichtung. Oder sie trafen auf Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), um mit ihr über Kinderrechte zu sprechen (die OP berichtete).

Ganz aktuell läuft eine Online-Petition der Gruppe „Fight for Rights“. Sie widmet sich ­einer Forderung, die besonders bei ­Eltern aus Stadtallendorf wie Marburg auf besonderes Interesse stoßen dürfte: der gänzlichen Abschaffung von Kindergartengebühren und Übernahme dieser Kosten durch das Land Hessen. Die Petition ist adressiert an Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) und die Bundesfamilienministerin gleichermaßen.

Jugendliche beschäftigen sich intensiv mit Politik

Was bringt 17- und 18-jährige Jugendliche und junge Erwachsene dazu, sich für Kindern und Eltern derart einzusetzen? „Uns geht es um Chancengleichheit für alle Kinder. Es geht um Familien, bei denen das Einkommen kurz über dem Satz für eine Beitragsbefreiung liegt“, sagt Mubarik Sabir. Er ist Sprecher der aktiven Gruppe, die seit einiger Zeit auch einen eigenen Raum im Stadtallendorfer ­Jugendzentrum hat. Die Gruppe hat sich intensiv mit der politischen Situation wie auch der Aktualität dieses Themas auseinandergesetzt. Sabir erinnert stellvertretend für alle seine Mitstreiter an die Tatsache, dass die hessische CDU die Abschaffung von Kindergartengebühren zu einem zentralen Wahlkampfthema für sich gemacht hatte. „Und ab 2020, wenn es zur ­Änderung des Länderfinanzausgleichs kommt, stünden Hessen rund 500 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung“, sagt Sabir. Das sollte ausreichen, meinen die „Fight-for-Rights“-Mitglieder.

Sie haben natürlich auch schon Widerspruch geerntet, etwa mit Vorhaltungen von Erwachsenen, die sich dagegen wehren, die Kinderbetreuungskosten allen Steuerzahlern aufzubürden. „Die Kinder, um deren Wohl es uns geht, werden mal die Rente aller jetzigen Erwachsenen zahlen, auch derjenigen, die aus welchen Gründen auch immer keine Kinder haben“, hält Sabir solchen Aussagen entgegen. Stand Freitagnachmittag gab es für die Online-Petition 842 Unterschriften. Hinzu kämen weitere schon vorhandene Unterschriften auf einer Liste, die seit einigen Tagen im Café Babylon im Jugendzentrum in Stadtallendorf ausliege. Weitere Listen könnten auf der Internetseite der Gruppe heruntergeladen werden, sagt Sabir.

Kooperation mit "Keep the world" geplant

Ganz ausdrücklich betont „Fight for Rights“, dass sich ihr Engagement nicht gegen Städte wie Stadtallendorf oder Marburg richte. „Die Städte folgen einem finanziellen Zwang, wenn sie Gebühren erhöhen müssen“, sagt etwa Svenja­ Zimmer. Gleichwohl haben die ­Jugendlichen aus Gesprächen, auch mit Mitgliedern der Elterninitiative gegen höhere Kindergartengebühren in Stadtallendorf, Rückmeldungen bekommen, wie sehr die Belastungen für hiesige Familien seit 1. August gewachsen seien.

Ein Verein will „Fight for Rights“ nicht werden. Zum Jahreswechsel soll es aber eine engere Kooperation mit der Stiftung „Keep the world“, die kleinere Initiativen wie diese Gruppe unterstützt, geben. Ein Projekt hat die Gruppe Jugendlicher mit der Stiftung bereits gemeinsam realisiert. Sie sammelten Geld mit einem Waffelverkauf, um so die Augenoperation der 18 Monate alten Fatima zu bezahlen. Fatima wurde nach einem Angriff auf das syrische Aleppo am Auge so schwer verletzt, dass sie im Libanon operiert werden musste. Diese Operation ist mittlerweile finanziert und erfolgt, knapp 4000 Euro waren nötig. Rund 500 Euro davon haben die Jugendlichen von „Fight for Rights“ beigesteuert.

von Michael Rinde

Hintergrund

Zu der Gruppe gehören derzeit Alina Morneweg, Gökce Cokmak, Svenja Zimmer, Deniz Yüzgülen, Mubarik Sabir, Nazek Othman und Naghman Ahmed.

Die Online-Petition ist hier zu finden, die Internetseite der Gruppe hier.

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