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Ein Haus verkaufen, eins sanieren

Pläne Ein Haus verkaufen, eins sanieren

Von den ursprünglichen Plänen zum Umbau des Schwesternhauses ist eigentlich nur der Grundansatz geblieben: Im Obergeschoss sollen seniorengerechte, barrierefreie Wohnungen entstehen.

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Pfarrer Marcus Vogler nahm von Landrätin Kirsten Fründt den Preis für die Pläne rund ums Schwesternhaus entgegen.

Quelle: Landkreis

Mardorf. Das Schwesternhaus ist dank des Engagements des Bürgervereins „Leben und Altwerden in Mardorf und Umgebung“ ein zentraler Ort des dörflichen Lebens. Die Kirchengemeinde möchte dies weiter vorantreiben und hat große Pläne - die mit einigen Veränderungen verbunden sind.

Vor fast anderthalb Jahren kam bei den Mitgliedern des Bürgervereins die Idee auf, die ungenutzten Obergeschosse des wiederbelebten Schwesternhauses umzugestalten und seniorengerechte Wohnungen dort einzurichten. Ein Investor bekundete Interesse, und die Kirchengemeinde zeigte sich offen für das Projekt. Inzwischen haben sich die Zeiten und die Pläne allerdings geändert.

Ein möglicher Investor, der sieben Wohnungen schaffen und verkaufen wollte, ist aus dem Spiel. „Das hätte sich nicht rentiert“, kommentiert Marcus Vogler, der als Pfarrer der Seelsorgeeinheit Amöneburg kraft seines Amtes Mitglied des Verwaltungsrates der Kirchengemeinde ist.

Mardorfer Katholiken wollen Eigentümer bleiben

Stattdessen planen die Mardorfer Katholiken nun, Eigentümer zu bleiben, den Umbau selbst zu finanzieren und die nunmehr nur noch vier vorgesehenen, seniorengerechten und barrierefreien Wohnungen später zu vermieten. Die Wohnungen sollen zwischen 40 und 54 Quadratmeter groß sein und mit barrierefreien Bädern und Kochnischen ausgestattet werden. Ziel ist es, dass die Bewohner selbständig dort leben, aber gleichzeitig auch an den gemeinschaftlichen Aktivitäten im Erdgeschoss teilhaben und gegebenenfalls auch auf Angebote wie die Bürgerhilfe zurückgreifen können.

Das Geld für die Renovierung soll aus dem Verkauf des Pfarrhauses kommen. Das Gebäude, zu dem ein rund 1200 Quadratmeter großes Grundstück gehört, steht seit dem Abschied von Pfarrer Günter Wondrak aus Mardorf und der Umstrukturierungen zur Seelsorgeeinheit Amöneburg leer.

Pfarrhaus wird nicht mehr als Wohnung benötigt

„Nach heutigem Kenntnisstand ist davon auszugehen, dass das Pfarrhaus als Wohnung für einen eigenen Pfarrer der Pfarrgemeinde nicht mehr benötigt wird“, heißt es in einem Pfarrbrief. „Die Tendenz des Bistums ist es, sich langfristig von ungenutzten Immobilien zu trennen“, erklärt Vogler und verweist auf die strukturellen Veränderungen mit beispielsweise der Zusammenlegung von Kirchengemeinden.

Er sei sich durchaus bewusst, dass der Verkauf eines Pfarrhauses immer eine sehr emotionale Angelegenheit sei - vor allem vor dem Hintergrund, dass Mardorfer einst Land zur Verfügung gestellt und am Bau des Hauses mitgewirkt hatten. „Wir haben hier aber eine Sondersituation: Wir möchten das eine Gebäude zugunsten des anderen aufgeben“, ergänzt er und betont, dass sich so wenigstens eines der Häuser erhalten und weiter betreiben lasse.

Wie hoch der Verkaufserlös sein wird, darüber will der Pfarrer natürlich nicht spekulieren. Gleichzeitig geht er davon aus, dass die einst auf zwei Millionen Euro kalkulierten Kosten für die Renovierung des Schwesternhauses nicht so hoch ausfallen. Die Mieteinnahmen will die Kirchengemeinde später nutzen, um die laufenden Kosten zu decken.

Räume für Ortsvorsteher und Versammlungen

Der Bürgerverein bekommt für das Erdgeschoss und die Außenanlagen ein Nutzungsrecht -wahrscheinlich auf 25 Jahre - vertraglich zugesichert. Vom Tisch ist dabei der Plan, dass der Verein im Untergeschoss einen Multifunktionsraum einrichtet. Die Kirchengemeinde will das Pfarrbüro dort ansiedeln: „Die meisten Menschen, die potenzielle Besucher des Pfarrbüros sind, halten sich ohnehin immer mal wieder im Schwesternhaus auf. Da bietet sich der Umzug an“, erläutert Vogler und berichtet, das auch ein Raum für das Büro des Ortsvorstehers und ein Raum für Versammlungen angedacht sei.

Der Bürgerverein soll den von ihm für die zahlreichen Aktivitäten genutzten Bereich renovieren, den Rest die Kirchengemeinde - die auch vorsieht, einen Aufzug einzubauen, damit alle Stockwerke für alle Besucher problemlos erreichbar sind. „Das ist ein richtiger Schritt für die Zukunft. Wir reagieren auf die aktuelle und die zukünftige Situation.

Landrätin lobt "hervorragendes Projekt"

Direkt im Ortskern entsteht ein Zentrum, von dem alle profitieren“, freut sich Vogler. Geplant ist, in den kommenden Monaten den Verkauf des Pfarrhauses über die Bühne zu bringen, um möglichst früh im kommenden Jahr mit dem Umbau des Schwesternhauses zu beginnen.

Beim Landkreis Marburg-Biedenkopf haben die Mardorfer schon einmal den ersten, mit 30000 Euro dotierten Platz beim Wettbewerb „Wohnen im Alter - neue Wohnformen“ belegt. Landrätin Kirsten Fründt sprach von einem „hervorragenden Projekt“. Ziel des Kreises sei es, mit dem Wettbewerb Projekte zu würdigen, die Wohnen im Alter mit der Belebung von Ortskernen verbinden und zur Nachahmung anregen. Die Landrätin lobte das Bauvorhaben als eine Antwort auf Herausforderungen des demographischen Wandels und der Entwicklungen der Individualisierung.^

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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