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Ein Hauch von Anarchie auf der Straße

Umleitungen in Kirchhain Ein Hauch von Anarchie auf der Straße

Seit Freitag werden zwei Straßenbauprojekte in Kirchhain und zwischen Kirchhain und Rauschenberg realisiert. Die Autofahrer haben sich mit den Umleitungen noch nicht angefreundet.

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Die Arbeiten am Kreisverkehrsplatz Frankfurter Straße/Kasseler Straße kommen gut voran. Die drei großen Verkehrsinseln, die dem Kreisel weichen müssen, sind bereits zurückgebaut.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhainer. Fachbereichsleiter­ Gordon Schneider, der unter anderem auch Kirchhains Ordnungsamtsleiter ist, berichtete gegenüber dieser Zeitung von regelrechten Auswüchsen in den ersten Stunden nach den Vollsperrungen. Diese gelten der vielbefahrenen Landesstraße 3073 zwischen Kirchhain und Rauschenberg, die von Hessen Mobil saniert wird und der Kreuzung Frankfurter Straße/Kasseler Straße. Auf diesem zentralen Verkehrsknotenpunkt entsteht zunächst ein provisorischer Kreisverkehrsplatz. Dieser soll vor allen den Rückstau auf der Kasseler Straße auflösen, der sich allmorgendlich stadteinwärts auf der Linksabbiege­spur gebildet hat.

Autofahrer begeben sich in Lebensgefahr

Was sich mit den Vollsperrungen auf der Straße ereignete, hatte schon einen Hauch von Anarchie. Die gewichtigsten Vorfälle:

  • Auf der gesperrten Landesstraße räumen Pkw- und Lkw-Fahrer in trauter Eintracht die gerade aufgestellten Absperrbaken beiseite und fahren mitten in die Baustelle herein. Dabei nehmen sie die Gefährdung der Bauarbeiter in Kauf. Auf die entsprechenden Hinweise der Bauleute antworten sie mit völliger Ignoranz.
  • Hessen Forst nutzt die Straßensperrung für Baumfällarbeiten in einem steil zur Straße hin abfallenden Waldstück. Mit über die Straße gespannten Drahtseilen gewährleisten die Forstarbeiter, das die Bäume talwärts stürzen. Während sich im Hang die Motorsägen in die Baumstämme fressen, fahren auf der Straße Automobilisten ungerührt unter den gespannten Stahltrossen durch - und begeben sich damit in absolute Lebensgefahr.

Für die Landesstraße zwischen Kirchhain und Rauschenberg gibt es eine Umleitung, die über Stausebach und Himmelsberg nach Rauschenberg führt und umgekehrt. Der überörtliche Verkehr Richtung Kassel wird von Kirchhain aus über die B62 und ab dem Chausseehaus über die B3 umgeleitet.

Nach den Beobachtungen von Gordon Schneider und seinen Mitarbeitern haben die Sperrung der Kreuzung und der Landesstraße den Pfadfinder-Geist der Ortskundigen geweckt. Und zwar sowohl für die kurvige und bergige Strecke über Stausebach und Himmelsberg als auch für die Umgehung der Kreuzung Frankfurter Straße/Kasseler Straße. Um die Kreuzung zu umgehen, fahren nach Gordon Schneiders Wahrnehmung Autofahrer vom Amöneburger Tor aus über den Damm ins Ohmtal auf den Radweg R2, um am Reiterhof Hanke auf die Frankfurter Straße zu stoßen. Unweit der Jet-Tankstelle führt auf der anderen Straßenseite ein Weg ins Wohratal. Dabei durchqueren sie ­eines der beliebtesten Naherholungsgebiete Kirchhains.

Ordnungsamt will Verstöße ahnden

Zwischen Rauschenberg und Kirchhain muss nach Feststellungen des Kirchhainer Ordnungsamtes der Wohratal-Radweg als Autostraße herhalten. Gordon Schneider hält dies für brandgefährlich und verweist auf die dunkle Waldpassage und die hohe Frequenz von Radfahrern und Inline-Skatern auf diesem Weg. „Wir werden das sanktionieren und alle Verkehrsverstöße konsequent ahnden“, kündigte Gordon Schneider an. Da der zu überwachende Raum sehr umfangreich ist, könnten die Kirchhainer Ordnungspolizisten das nicht alleine leisten. Deshalb habe Schneider die Stadtallendorfer Ordnungspolizei und die Landespolizei im Sinne der Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit um Amtshilfe gebeten.

Wie notwendig dieser Schritt ist, zeigte sich am Montag beim Ortstermin der OP. Den Radfernweg R2 passierten tatsächlich Autofahrer fast im Minutentakt. Deutlich lebhafter war der motorisierte Verkehr auf dem Wohratal-Radweg. Auf diesen bog der Fahrer eines Kleinwagens von der gesperrten Landesstraße nach links in Richtung Sandfang ab. Dort wurde er offenbar von der Ordnungspolizei angehalten, denn kurze Zeit später tauchte er wieder auf der Landesstraße auf, um trotz Absperrung weiter Richtung Rauschenberg zu fahren. Auch dieses Manöver ist nicht zielführend. Wenige Minuten später sauste er mit hoher Geschwindigkeit zurück nach Kirchhain.

Denn ab dem Abzweig zum Wasserwerk ist endgültig Schluss. Die Absperrgitter gehen hier über die ganze Straßenbreite. Mittendrin prangt ein Durchfahrtverbotsschild. Zudem, Schaden macht klug, verhindern zwei Baustellen-Fahrzeuge jedes Durchkommen. Dahinter nehmen Mitarbeiter von Hessen Mobil kleinere Ausbesserungsarbeiten vor, die nichts direkt mit der Straßensanierung zu tun haben. Noch gehöre die Straße dem Forst, der weiter Bäume fälle, ohne Rücksicht auf etwaige Straßenschäden nehmen zu müssen. Erst nach Abschluss der Forstarbeiten werde die hinfällige Fahrbahn erneuert, sagt ein Mitarbeiter.

Wo geht‘s nach Kassel?

Schild wird versetzt An die ständigen „Besucher“ an seinem Arbeitsplatz hat er sich längst gewöhnt. Als „ignorant“ bezeichnet er die Reaktion der meisten ungeduldigen Autofahrer. Aber es gibt auch Ausnahmen. Ein freundlicher Kurierfahrer, der in Wohra etwas abzugeben hat, bekommt eine genaue Wegbeschreibung. Offenbar ist die Umleitungs-Beschilderung in Kirchhain für den überörtlichen Verkehr nicht optimal. Zwei von ihren Navis auf die Landesstraße gelotste und gestrandete Motorradfahrer aus dem Emsland gaben im Gespräch mit dieser Zeitung an, in der Stadt zwar mehrere durchgestrichene Wegweiser, aber keinen Vorwegweiser mit der Umleitung Richtung Kassel gesehen zu haben. Hessen Mobil war gestern am Vormittag damit beschäftigt, ein solches Schild an einen besseren Standort zu versetzen.

von Matthias Mayer

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