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Ein Gedenkstein gegen das Vergessen

Jüdische Gemeinde von Niederklein Ein Gedenkstein gegen das Vergessen

Bis zu 64 Mitglieder zählte einst die jüdische Gemeinde von Niederklein vor dem Holocaust. An diese erinnert jetzt ein Gedenkstein.

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Ortsvorsteher Hartmuth Koch eröffnete im vollbesetzten Zelt die Vorträge über das Schicksal der Juden in Deutschland, Europa und Niederklein. Anschließend enthüllte er mit Tobias Koch (links) und Harald Dörr den Gedenkstein im Pfarrgarten.

Quelle: Privatfoto

Niederklein. Ortsvorsteher Hartmuth Koch freute sich über ein mit Besuchern aus Niederklein und Umgebung voll besetztes Zelt im Pfarrgarten. Diese waren nicht allein zur Enthüllung des Gedenksteins gekommen, sondern auch, um etwas über das jüdische Leben in Niederklein vor den Pogromen zu erfahren.

„Dieser Tag hat eine lange Vorgeschichte - in jeder Beziehung…“, erklärte Hartmuth Koch eingangs. Er skizzierte das jüdische Leben und Leiden, das weit in die Geschichte Deutschlands und Europas zurückgehe und in der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer seinen Ausgangspunkt habe.

Mit dem Auftauchen der Juden in Europa seien diese Feindseligkeiten ausgesetzt gewesen, sagte der Ortsvorsteher, der exemplarisch einige Beispiele aus Deutschland anführte.

Vortrag über jüdisches Leben im Ort

Harald Dörr brachte den Besuchern das gewesene jüdische Leben in Niederklein nahe. Im 19. Jahrhundert habe die jüdische Gemeinde mit 64 Bürgern 6,4 Prozent der Niederkleiner Bevölkerung gestellt, sagte Dörr, der zwei Familien in das Zentrum seines Vortrags rückte. Die Familie Stern - Dorfname Eisicks (von Isaak) - sei eine besondere Familie. Dies nicht nur, weil Meier SternII Gemeindevorsteher und seine beiden Söhne für den SV Niederklein kickten. Zu Tom Stern, einem der Nachfahren von Meier Stern II, habe Niederklein einen besonderen Kontakt.

2014 besuchte Tom Stern Niederklein, wie die OP berichtete. Mittels einer ausgearbeiteten Karte, die sich auf die genauen Ausarbeitungen von Dr. Alfred Schneider („Juden aus dem Altkreis Kirchhain“) stützte, gewann der Besucher einen Eindruck vom Leben seiner Vorfahren und deren Nachbarn in Niederklein.

Die Familie Krämer - Dorfnamen Koppels (von Jakob) - nannte Dörr als Beispiel für das grauenhafte Schicksal, das jüdischen Familien widerfuhr. Reni Hirsch, geb. Krämer, musste unter furchtbaren Umständen 1941 Niederklein mit ihrer Familie verlassen. Die 91-Jährige lebt heute auf der New Yorker Insel Long Island. Dörr berichtete eindrucksvoll und vom schlimmen Schicksal der Seniorin und ihres Bruders Walter sowie auch von seinem Besuch in ihrem Haus im November 2014.

Stolpersteine für alle Opfer

Zum Schluss warb Dörr dafür, die Stolpersteine der von den Nazis verfolgten Niederkleiner Juden vor alle Häuser der Betroffenen zu setzen.

Kathrin Botthof begleitete die Gedenkfeier, ehe bei Kaffee und Kuchen die Möglichkeit bestand, sich über das Gesagte auszutauschen.

Anschließend enthüllten Tobias Koch, Harald Dörr sowie Hartmuth Koch den Gedenkstein. Der Ortsvorsteher unterstrich die Wichtigkeit einer eigenen lokalen Gedenkkultur und zeigte sich überzeugt, dass mit dem Gedenkstein-Projekt Entwicklungen in Gang gebracht worden seien, die das Miteinanderleben in einer dörflichen Gemeinschaft positiv veränderten.

Das Projekt hatten vor zwei Jahren Tobias Koch und Pfarrer Peter Bierschenk angestoßen und der Ortsbeirat die Initiative sofort aufgegriffen. Mit der Enthüllung des Gedenksteins erreiche das Vorhaben einen guten Abschluss, sagte Hartmuth Koch.

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