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Ein Baudenkmal wird gerettet

Investoren erhalten die Alte Mühle Ein Baudenkmal wird gerettet

Die Kirchhainer Ölmühle ist Geschichte. Das einsturzgefährdete Gebäude musste abgerissen werden. Im Garten der Alten Mühle erinnern nur noch ein paar Balken an dieses Stück KirchhainerGeschichte.

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Die Alte Mühle ist ein ganz altes Stück Kirchhain. In der Scheune (rechts) entstehen jetzt sieben Eigentumswohnungen. Im zweiten Bauabschnitt wird das mittelalterliche Mühlengebäude restauriert. Danach könnte auch das Elserhaus (links) und das dahinter liegende Melkerhaus zu Wohnzwecken hergerichtet werden. Fotos (6): Matthias Mayer

Kirchhain. Der Alten Mühle selbst bleibt dieses Schicksal glücklicherweise erspart. Für das einzige im ursprünglichen Zustand erhaltene Ensemble im ältesten Teil der Stadt gibt es eine Zukunft. Für diese steht das Unternehmen Frick & Lippmann GmbH, das die insgesamt vier Gebäude gekauft hat, restaurieren und einer neuen Nutzung zuführen will.

Und das ab sofort, wie Ralf Lippmann beim Ortstermin mit der OP berichtete. „Die Baugenehmigung liegt vor. Am Montag beginnen wir mit dem ersten Bauabschnitt“, sagt der Amöneburger. Mit „wir“ meint er seinen Partner Ulrich Frick und sich. „Der Ulrich ist der Bauleiter und ich bin der Rechenknecht“, beschreibt er die Aufgabenverteilung des Duos, das bereits mehrere Wohnungsbau-Projekte verwirklicht hat.

Und für die auf den ersten Blick als unüberschaubares Risiko wirkende Alte Mühle hat der Rechenknecht errechnet, dass es sich rechnet. „Es war keine emotionale, sondern eine kaufmännische Entscheidung“, stellt Ralf Lippmann fest und blickt auf die Scheune, die das Vorhaben rentierlich machen soll. Am Montag wird mit dem Aus- und Umbau des noch unwirtlich wirkenden Gemäuers begonnen, unter dessen Dach sieben Eigentumswohnungen entstehen sollen.

Mühle soll den Bürgernzugänglich gemacht werden

Dagegen wird das Mühlengebäude, das im zweiten Bauabschnitt restauriert werden soll, nur Geld verschlingen. Beim Rundgang durch das Gebäude stechen folgende Punkte ins Auge:

n Einige kreisrunde Löcher in den Wänden verraten, dass es in dem Haus einige wenige Öfen gab. n Die minimalistische Elektroanlage mit Drehschaltern stammt aus den Anfängen des Elektro-Zeitalters, als die Menschen Strom noch als „Licht“ bezeichneten. n Im ganzen Haus gibt es nur eine Wasserzapfstelle. Und die findet sich im Keller. n Dafür ist das Dach eine großflächige „Tropfholzhöhle“. Der Vorbesitzer hat unzählige Gefäße aller Art aufgestellt und Pampers-Windeln ausgelegt, um das Wasser aufzufangen. Dennoch bietet die stabile Balkenkonstruktion, die das Gebäude trägt, keinerlei Anlass zur Sorge. n Die über vier Stockwerke aufgebaute Mühlentechnik befindet sich in einem geradezu atemberaubend guten Zustand. Möglicherweise bedürfte es nur neuer Treibriemen, um die wieder in Gang zu setzen. Deshalb möchte Ralf Lippmann die eindrucksvolle Mühlen-Anlage für die Öffentlichkeit wieder zugänglich machen. Seine Idee: Nach der Restaurierung nutzen ein oder zwei Vereine die ehemaligen Wohnräume als Vereinsräume und gewährleisten im Gegenzug, dass sich interessierte Bürger die Mühle anschauen können. Turbine produziertreichlich Strom Die hat auch im Keller etwas zu bieten. Die Mühlen-Wohra rauscht durch das finstere Verlies und treibt mit ihrer Kraft die Turbine an, deren Herstellungsdatum Ralf Lippmann aus dem Kopf repetieren kann: 6. 6. 1964. Den beiden Partnern ist es ohne großen Aufwand gelungen, das stählerne Monstrum zu reaktivieren. Sie produzieren damit Strom. Sie dürfen dass, denn seit dem Mittelalter liegt das Wasserrecht bei den Eigentümern der Mühle. Die Leistung der Turbine übertrifft die der Brücker Mühle um das Sechsfache, konstatiert der Amöneburger. Besitzerstolz schlägt Lokalpatriotismus. Ralf Lippmann hofft, dass sich der Denkmalschutz an der Restaurierung des Mühlengebäudes mit einem Zuschuss beteiligen wird. Im dritten Bauabschnitt sollen Elserhaus und Melkerhaus saniert werden. Ein Bauwerk haben die beiden Bauherren bereits fertiggestellt und der Stadt Kirchhain übergeben: Eine neue Brücke über den Mühlengraben haben sie aus eigener Tasche finanziert. Die alte städtische Brücke war zusammengebrochen. Die Brücke gehört der Stadt, weil in Deutschland Wasserflächen und deren Überbauung kein Privateigentum sein dürfen. Bei der Einweihung der Brücke würdigte Bürgermeister Jochen Kirchner das Engagement der Investoren. „Was Herr Lippmann macht ist wunderbar. Er kümmert sich um alles, macht viel mehr, als ein Investor müsste. Und er bewahrt ein wichtiges Stück Kirchhainer Geschichte. Sie sind ein Glücksfall für die Stadt“, sagte Kirchner. Dem schloss sich Klaus Weber für den Förderverein Kirchhainer Kulturdenkmäler an. „Die Zusammenarbeit zwischen Herrn Lippmann und dem Verein ist sehr gut und von Vertrauen geprägt. Er unterstützt uns, wo er kann“, stellte der Vorsitzende fest.

von Matthias Mayer

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