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Ein Baudenkmal steht auf der Kippe

Der Rauschenberger Fensterstreit Ein Baudenkmal steht auf der Kippe

Helmut Nau und Markus Semmler haben für die wunderschöne Restau­rierung von Kattens Hof 2013 den Denkmalschutzpreis des Landkreises gewonnen. Ihr zweites Projekt bleibt möglicherweise unvollendet.

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Helmut Nau zeigt, wie das Debus’sche Haus einmal aussah, und wie es künftig wieder aussehen soll. Das kleine Foto zeigt den Ist-Zustand. Im Erdgeschoss sind schon alle Fenster ausgetauscht. Der hässliche Vorbau soll ebenso verschwinden wie die Fenster in den Obergeschossen – sofern sich dies die beiden Bauherren noch nervlich und finanziell zumuten wollen. Fotos: Matthias Mayer

Rauschenberg. Im Gespräch mit der OP sagte Helmut Nau gestern, dass er einen Abbruch der denkmalschutzgerechten Sanierung des Debus ’ schen Hauses in der Rauschenberger Marktstraße erwäge und daran denke, das Haus nur noch bezugsfertig zu machen. Das bedeutet: Die baulichen Vergehen an dem Baudenkmal aus dem Jahr 1818, unter dem sich ein von Helmut Nau freigelegter Tonnengewölbe-Keller aus dem 11. Jahrhundert befindet, bleiben erhalten - inklusive des hässlichen und zum Teil freischwebenden Vorbaus und der Kunststofffenster im Obergeschoss. Helmut Nau zeigt sich zermürbt von ständigen Konflikten mit dem Denkmalschutz. Schon beim Bau von Kattens Hof habe es Baustopps, nicht eingehaltene Zusagen und einen lautstarken Auftritt eines Wiesbadener Denkmalpflegers in seinem Haus gegeben. Gleichwohl habe er auch für das neue Projekt mit dem Denkmalschutz kooperiert, alle Vorgaben der Kreisbehörde umgesetzt, sagte Helmut Nau. Für seine Rechtstreue steht nicht zuletzt seine Architektin: Dr. Renate Buchenauer ist Vorsitzende des Denkmalschutzbeirates des Kreises.Die beiden Bauherren bringen viel Enthusiasmus, aber nur wenig Geld für die Erhaltung des 17 Jahre lang leerstehenden Debus ’ schen Hauses mit. Deshalb ist der wegen einer chronischen Erkrankung erwerbsunfähige Zimmermann und Dachdecker Helmut Nau darauf angewiesen, denkmalschutzgerechte Fenster deutschlandweit zu Schnäppchenpreisen zu suchen. Bislang bezog er diese aus dem Odenwald, Eltville und Leipzig. Eine prachtvolle Haustür fand er in Arnsberg - und investierte schon mehr als 200 Arbeitsstunden in diese. Von einem hinter Braunschweig gelegenen Zehnthof erwarb er eine Buntsandsteintreppe - mit schmiedeeisernem Fußabtreter. Und schließlich fand er im Internet acht Holzfenster mit dreigeteilten Scheiben, die von außen exakt so aussehen wie die verrotteten dreiflügeligen Fenster im ersten Obergeschoss, dafür aber von der Funktion her nur einflügelig sind.Das Debus ’ sche Haus soll als Hostel einmal Wanderer und Radler beherbergen. Denen wird es egal sein, ob die Fenster in den oberen Geschossen dreiflügelig sind oder nicht. Nicht aber dem Denkmalschutz des Kreises. Eine Sachbearbeiterin hat den Einbau der acht Fenster, die zusammen 2600 Euro kosten, nicht genehmigt. „Echte“ dreiflügelige Fenster kosten 12800 Euro. Die können die Bauherren nicht bezahlen. Setzten sie die preisgünstigen Fenster ein, droht ihnen laut Nau eine Geldstrafe zwischen 2000 und 5000 Euro. Helmut Nau fordert den Gleichbehandlungsgrundsatz ein. In seiner Nachbarschaft wurden jetzt drei einflügelige Kunststofffenster eingebaut - ohne Sanktionen. Vom Kreis gab es dazu gestern auf OP-Anfrage folgende Stellungnahme: „Zunächst sind wir verwundert, dass der Hausbesitzer in der fraglichen Angelegenheit nicht direkt das Gespräch mit der zuständigen Stelle unseres Hauses gesucht hat.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf wird jetzt aber mit dem Hausbesitzer Kontakt aufnehmen, um im gemeinsamen Dialog zu einer Lösung des geschilderten Problems zu kommen und um Fördermöglichkeiten für den Austausch der Fenster zu besprechen.

Aufgrund der geforderten Materialgerechtigkeit können keine Kunststofffenster in denkmalgeschützten Fachwerkgebäuden zugelassen werden. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass ein Fensteraustausch ohne Genehmigung erfolgt. Die jeweiligen Eigentümer verlieren dann allerdings auch die Möglichkeit, eine Förderung beantragen zu können.“

Eine Förderung haben Helmut Nau und Markus Semmler trotz anderslautender Zusagen für die Rettung von Kattens Hof nie bekommen. Für das Debus’sche Haus wurden ihnen vom Kreis 2500 Euro in Aussicht gestellt, verbunden mit der Auflage, das Haus als Baukunstdenkmal zu versichern. Das kostet aber mindestens 5000 Euro pro Jahr. Nau und Semmler haben auf diese Förderung gern verzichtet.

von Matthias Mayer

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