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Ein Auftrag: Fehlplanungen verhindern

Behindertenbeauftragter Ein Auftrag: Fehlplanungen verhindern

Stadtallendorf hat erstmals in seiner Geschichte einen Behindertenbeauftragten. Der Magistrat trug Willibald Fischer dieses Ehrenamt an, und der nahm an.

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Willibald Fischer vor seinem neuen ehrenamtlichen Arbeitsplatz. Hinten von links: sein Assistent Detlef-Joachim Billert, Bürgermeister Christian Somogyi, Fachbereichsleiter Hubertus Müller und Stadtjugendpfleger Walter Mengel.

Quelle: Matthias Mayer

Stadtallendorf. Die Wahl fiel auf einen ausgewiesenen Fachmann, denn Willibald Fischer, der seit 1978 für den fib tätig war, sind die Bedürfnisse und Anliegen von Menschen mit Beeinträchtigungen nur allzu gut vertraut - natürlich auch aus eigenem Erleben als Rollstuhlfahrer. „Nicht wir sind behindert, sondern wir werden behindert“, formulierte Willibald Fischer bei einem Pressegespräch im Stadtallendorfer Rathaus sein Credo.

Was damit gemeint ist, erfuhr Bürgermeister Christian Somogyi während einer Gesundheitsmesse am eigenen Leibe. Willibald Fischer setzte das Stadtoberhaupt mit dem Auftrag in einen Rollstuhl, eine nur drei Zentimeter hohe Kante zu überwinden. „Ich habe es trotz aller Anstrengungen nicht geschafft“, bekannte Christian Somogyi. „Stadtallendorf ist in Sachen Barrierefreiheit relativ gut unterwegs, aber manches muss noch nachgearbeitet werden“, erklärte der Bürgermeister.

Dass dieses Nacharbeiten auch an neuen und von Gesetzeswegen barrierefreien Bauwerken erforderlich ist, beschrieb Hubertus Müller am Beispiel des neuen Fußgänger-Überwegs über die Bundesstraße 454. Dort seien die Bordsteinkanten am Zebrastreifen nicht ausreichend abgesenkt worden.

Somogyi: „Nacharbeiten kostet richtig viel Geld“

Das Ergebnis: Rollstuhlfahrer konnten dieses Hindernis nur mit den großen Rädern voran - also rückwärts - nehmen. Für dieses Wendemanöver wiederum sei die Grünphase der Fußgänger-Ampel zu kurz gewesen, berichtete der für Ordnung, Sicherheit und Soziales zuständige Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung. Erst nach einem Ortstermin der Bauverwaltung mit Willibald Fischer seien die Bordsteinkanten ausreichend abgeflacht worden. „Jeder Ingenieur sollte sich in einen Rollstuhl setzen, bevor er anfängt zu planen“, schlussfolgerte Willibald Fischer.

Christian Somogyi machte aus dieser Erfahrung heraus deutlich, dass Willibald Fischer alles andere als ein Frühstücksdirektor werden solle. „Vor allen baulichen Veränderungen in der Stadt sollen sich die Planer mit Herrn Fischer absprechen, ihn in die Planungen einbinden“, kündigte der Bürgermeister an. Dies sagte er nicht nur aus seiner Verantwortung für behinderte Menschen heraus, sondern auch als Kämmerer: „Wenn mir nacharbeiten müssen, kostet es richtig viel Geld.“

Wie Christian Somogyi gegenüber dieser Zeitung sagte, bekommt der neue Behindertenbeauftragte einen festen Arbeitsplatz im Rathaus - mit allen modernen Arbeitsmitteln. Willibald Fischer werde nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern für alle Stadtallendorfer mit Beeinträchtigungen erster Ansprechpartner in der Stadtverwaltung sein. Er hoffe, dass die Stadt mithilfe von Willibald Fischer ihrem selbstgewählten Anspruch ein Stück näher kommen werde: „Stadtallendorf - eine Stadt für alle.“

Nicole Naumann von der Personalabteilung sagte, dass die Stadtverwaltung als Arbeitgeber ein großes Interesse am Thema Inklusion habe. Die Stadt biete Praktika und betriebsintegrierte Arbeitsplätze in den Kinderkrippen an. Das entwickele sich sehr positiv.

  • Menschen mit Beeinträchtigungen, die im Zusammenhang mit ihrem Handicap ein Anliegen an die Stadt Stadtallendorf haben, können Willibald Fischer über die Vermittlung der Stadtverwaltung erreichen. Telefon: 06428/7070.

von Matthias Mayer

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