Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Anschlag und die Liebe zu Momberg

Narren feiern Kolping-Karneval Ein Anschlag und die Liebe zu Momberg

Rund fünf Stunden lang verbreitete die Kolpingfamilie Neustadt bei ihrer 65. Sitzung am Samstagabend Spaß und ausgelassene Stimmung im natürlich ausverkauften Haus des Karnevals.

Voriger Artikel
Kirchner erwartet positive Strombilanz
Nächster Artikel
Alice im Wunderland und 1001 Nacht

Lächeln beim Leistungssport Gardetanz: Die Kolping-Garde Neustadt. Großartige Kostüme, großartige Performance: Die Neistärrer Gassejonge (Foto links). Sandy (Axel Stein) will den unwilligen Willi (Ralf Gies) verschönern (Foto rechts).Fotos (4) Matthias Ma

Neustadt. Was zeichnet den Neustädter Kolping-Karneval so besonders aus? Es ist hausgemachter Karneval von Neustädtern für Neustädter, der am Samstagabend - mit Ausnahme einer Nummer - ohne geklaute Gags und alte Witze auskam. Stattdessen durfte über reichlich Lokalkolorit gelacht werden. Dazu gab es tolle Lieder- und Tanzvorträge. Und dann war da noch Andreas Gnau. Der geborene Sitzungspräsident. Seinen großartigen Moderationen merkte man von der ersten bis zur letzten Silbe an, dass sie nicht einfach hingeschrieben waren. Hier war ein mit Sprachgefühl und Mutterwitz gesegneter Wort-Drechsler am Werk, der es über fünf Stunden verstand, selbst die Pausen zwischen den Programmpunkten unterhaltsam zu gestalten. Sitzungspräsident: Helau! Andreas Gnau: Helau!

Neben Gnaus Moderationen zog sich die unerschütterliche Liebe der Neustadt zum Stadtteil Momberg wie ein roter Faden durch den Abend. Ein schwarzes Dorf wählte Rot. Seit Pfarrer Gerlach den Mombergern fortgelaufen sei, wüssten die nicht mehr, „wo oben und unten ist“ mokierte sich Andreas Gnau. Die spät berufenen Sternsinger Klaus Groll, Stefan Metz, Thorsten Trieschmann und Michel Gnau waren bei ihrem Bühnen-Debüt angetreten, eine Schmach zu tilgen, waren doch wahrhaftig mangels Neustädter Masse Momberger Sternsinger durch die Stadt gezogen. Etappenweise marschierte das Quartett durch die Stadt, reportierten unter anderem aus Onkel Ludwigs Worscht-Küche, in der Michel ein paar Würste „fischerte“.

Sebastian Henkel und Frank „Larry“ Bielert, die sich bei ihrer 11. Late-Night-Show von Minute zu Minute steigerten, beklagte verkehrte Welten: „Ein schwarzes Dorf wählt Rot, ein rotes Dorf Schwarz und der Bürgermeister macht auf Grün“. Sie prophezeiten den Mombergern sechs schwere Jahre. Die arbeitsscheuen Lukas und Andreas forderten, Momberg einzuebnen und als A-49-Rastplatz zu nutzen. Noch einen Schritt weiter gingen die Neistärrer Gassejonge, deren großartiges Singspiel nahezu Nockerberg-Qualität erreichte. Sie forderten, Momberg zu fluten und in einen Offshore-Windpark zu verwandeln.

Dagegen ließen Protokoller Andreas Schratz („Wer sponsert eigentlich Wulffs Scheidung?“) und die Suppentanten die Mombis aus. Letztere traten als Mönchinnen („jede mit eigener Regel“) auf, offerierten ihre Bierspezialitäten für alle Lebenslagen, kündigten die Installation eines 24-Stunden-Notdurst-Schalters an und warben für ihre Seminar-Angebote („Überleben im Haushalt ohne Frau“).

Natürlich wurde auf der Bühne auch närrisch getanzt. Und wie! Die Kolping-Garde (einmal klassisch, einmal modern) und die Kolpingsternchen gaben alles - allein schon um Trainerinnen würdig zu verabschieden. Nach neun Jahren wurden die Garde-Trainerinnen Carmen Haberzettel und Andreas Martin unter Tränen von ihren Mädels verabschiedet. Die Kolpingsternchen verabschiedeten eine ihrer Trainerinnen in den Ruhestand: Juliane Weidemann. Es gab noch zwei Tanzgruppen: Die Paradiesvögel von Hipp de Bibbs schwebten über die Bühne, die das Elefantenballett des Elferrats trampelnd, aber nicht minder erfolgreich mit einer Cheerleader-Performance enterten.

Und dann ist noch von Andreas Gnaus Anschlag auf die Geruchsorgane der Besucher zu berichten. An allzu vorwitzige Redner ließ er Schnaps mit einem Knoblauchanteil von 98 Prozent ausschenken. Die Knobi-Wolke waberte unbarmherzig in den Saal. Das war’s. Tusch und Auszugsmarsch. Das närrische Neustadt freut sich bereits auf den Kolping-Karneval 2014.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr