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Eidechsen-Suche verzögert den Start

Altlasten Eidechsen-Suche verzögert den Start

Eigentlich hätten die Sanierungsarbeiten rund um die "Füllstelle I" des früheren Wasag-Werkes in diesem Monat beginnen sollen. Doch das Projekt verzögert sich um einige Monate.

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Zur Füllstelle I der Wasag gehörte auch dieses „Laboriergebäude“, in denen fertige Sprengstoff-Mischungen bearbeitet wurden. Das kleine Foto zeigt einen bei Erkundungsarbeiten freigelegten Gießkanal. Archivfotos

Stadtallendorf. Im Februar wurden die Bäume auf einem Gebiet von 400 mal 400 Metern rund um die frühere Abfüllstelle I des Werks Herrenwald bereits gerodet (die OP berichtete). Die eigentliche Sanierung der Rüstungsaltlasten auf den Flächen der Bundeswehr hätten ursprünglich in diesen Wochen starten sollen.

Doch auf dem Weg zur Genehmigung der Sanierung durch das Regierungspräsidium Gießen sind zusätzliche Fragen aufgetreten, die geklärt werden müssen. So muss das hessische Baumanagement, dass die Sanierung für den Bund plant und überwacht, zunächst bis Ende September formal prüfen, ob die Arbeiten Tieren ins Gehege kommen. Konkret geht es um möglicherweise auf dem Füllstellen-Gelände lebende Zauneidechsen.

Volker Gebhardt, Projektleiter beim hessischen Bauma-nagement, erwartet, dass die Arbeiten nunmehr wohl im Oktober oder November beginnen können. Größere Schwierigkeiten durch die jetzt noch laufende Populations-Untersuchung erwartet er nicht. Der Entwurf des Sanierungsplanes durchläuft gerade die verschiedenen Behörden, bevor beim Regierungspräsidium in Gießen dann letztlich die Entscheidung fällt.

Mit der Sanierung der früheren Füllstelle I, die im April 1940 in Betrieb ging, packt der Bund eine Pflichtaufgabe an. Im Jahr 1959 hatte die Bundesrepublik rund 300 Hektar des einst zirka 420 Hektar großen Werksgeländes für die Bundeswehr gekauft.

Das Land hatte die direkt an das Bundeswehrgelände angrenzenden zivilen Flächen bereits vor acht Jahren saniert. Im April wurden Anlieger erstmals ausführlich über die anstehenden Sanierungen informiert.

Die Arbeiten rund um die verschiedenen Gebäude der Abfüllstelle für Munition ähneln vom Ablauf dem Vorgehen bei der Grundstückssanierung 2004.

Anders als im DAG-Gebiet soll auf Zeltüberdachungen verzichtet werden. Denn aufgrund der Erkundungen rechnen hessisches Baumanagement und beauftragte Ingenieurbüros nicht mit Schadstoffen, die bei ihrer Freilegung in die Luft entweichen. In den Füllstellen wurden vor Jahrzehnten auch keine Sprengstoffe hergestellt, sondern lediglich abgefüllt.

Dennoch ist erheblicher Aufwand nötig, um das Gebiet so zu sanieren, dass es wieder als Waldfläche bewertet werden darf. So werden rund 13000 Tonnen Erdmaterial bewegt, wie viel davon letztlich belastet sein wird, werden die Analysen zeigen. Stellenweise wird der Boden bis zu einer Tiefe von etwa drei Metern ausgehoben und ausgetauscht werden müssen. Teile der verfallenden früheren Produktionsstätten werden im Zuge der Arbeiten endgültig geschleift.

Auch die Erkundung des ehemaligen Kanalnetzes des Werkes Herrenwald ist Teil der Sanierung. In diesen weitgehend stillgelegten Kanälen sind Schadstoffe wie auch Sprengstoffreste zu vermuten, die beseitigt werden.

Die Arbeiten an der Füllstelle I sind Teil eines Gesamtkonzeptes für die Beseitigungen von Rüstungsaltlasten innerhalb des seit Jahrzehnten von der Bundeswehr genutzten Wasag-Geländes. Dieses Konzept wird im Oktober vorgestellt.

Rund vier Millionen Euro kosten die Arbeiten rund um die Füllstelle I den Bund aller Voraussicht nach. Insgesamt erwartet der Bund Sanierungskosten von etwa 20 Millionen Euro. Diese Zahlen hatte das hessische Baumanagement im April anlässlich eines Ortstermins genannt.

von Michael Rinde

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