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Eichen-Kahlschlag regt Anlieger auf

Stadtallendorf Eichen-Kahlschlag regt Anlieger auf

Auf der Baustelle des neuen Gesundheitszentrums in der Niederkleiner Straße wurde ein alter Baumbestand gefällt. Das hat Aufregung bis in den Magistrat der Stadt hinein ausgelöst.

Stadtallendorf. Rechtzeitig vor dem ab 1. März gültigen Rodungsverbot haben Motorsägen auf der Baustelle der Herrenwald Wohnbau GmbH ganze Arbeit geleistet. Wo bisher alte Eichenbestände in direkter Nachbarschaft zu Wohnhäusern und Geschäftsgebäuden stande, sind nur noch Astwerk und Stümpfe zu sehen. Die Eichen sollen zumindest teilweise ein Alter zwischen 150 und 200 Jahren gehabt haben.

Die Herrenwald Wohnbau Immobilien GmbH errichtet an der oberen Niederkleiner Straße ein Ärztezentrum (die OP berichtete). Dort, wo die Eichen standen, ist unter anderem ein Entwässerungssystem für die Freiflächen vorgesehen. Für das medizinische Versorgungszentrum, so frühere Aussagen der Herrenwald Wohnbau, sind allein rund 200 Parkplätze vorgesehen.

Die gefällten Bäume haben einige Aufregung ausgelöst, besonders in der Herrenwald-Siedlung, wie Reaktionen gegenüber der OP in den vergangenen Tagen zeigen. Für Elke Mottner, die in der Gerhart-Hauptmann-Straße wohnt, war das Fällen der Bäume „der Schock schlechthin“. Sie kann überhaupt nicht verstehen, warum Bauherr und Planer keine andere Lösung als die Fällung des gesamten Baumbestandes gefunden hätten - und warum dieses Vorgehen am Ende auch genehmigt wurde.

Nachbarin fürchtet um den Charakter der Siedlung

Als geborene „Herrenwälderin“ wisse sie noch sehr genau, wie bewaldet die gesamte Siedlung einst gewesen sei, sagt sie verärgert beim Gespräch mit der OP. „Ich beobachte generell einen Trend in Stadtallendorf und bei uns in der Herrenwaldsiedung, Bäume im Zweifel zu fällen. Damit geht uns ein Stück eigener Geschichte verloren“, meint Mottner. Doch warum mussten die alten Eichen am Ende nun fallen? In der Vergangenheit hatte die Herrenwald Wohnbau angekündigt, so viel alte Bausubstanz wie nur möglich erhalten zu wollen?

Konrad Busch, einer der Geschäftsführer der Herrenwald Wohnbau Immobilien GmbH, betont, dass es keine Alternative zur Fällung gegeben habe. Zum einen hat sich laut Busch herausgestellt, dass sämtliche Bäume erkrankt waren. Zum anderen hätte das Laub der Bäume das Entwässerungssystem mit offenen Mulden und Ablaufklappen lahmgelegt. „Die Planer haben uns klargemacht, dass es nicht anders funktioniert. Das Laub hätte die Ablaufklappen ständig zugesetzt“, sagt Busch. So habe er „schweren Herzens“ der Fällung zugestimmt.

Natürlich habe er Verständnis für die aufgeregten Reaktionen aus der Bevölkerung, die er auch schon selbst zu hören bekommen hat. Als Bauherr ist der Herrenwald Wohnbau vorgeschrieben worden, eine Ersatzfläche wieder aufzuforsten. Die Ersatzfläche liegt im Stadtteil Schweinsberg, rund 25000 Euro werden dafür fällig werden.

Somogyi wirbt um Verständnis

Die Aufregung über die gefällten Bäume hat auch den Magistrat erreicht. Dort war die Rodung am Montagabend ebenfalls Thema. Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) betont auf Nachfrage der OP, dass eine ordnungsgemäße Genehmigung für die Baumfällung vorgelegen hat und nennt als Begründung ebenfalls das geplante offene Entwässerungssystem. „Wir mussten uns zwangsläufig über den Waldbestand unterhalten“, sagt Somogyi. Er versteht die Unruhe in der Bürgerschaft, die darauf zurückgehe, dass sich derzeit in der oberen Niederkleiner Straße über Jahrzehnte gewachsene Strukturen veränderten. „Wir stehen zum Gesundheitszentrum und damit auch zu den zwangsläufig nötigen Konsequenzen daraus“, betont Somogyi.

Auch aus Sicht der Kreisverwaltung, wo die untere Naturschutzbehörde und die Baugenehmigungsbehörde ansässig ist, gab es keinerlei Einwände gegen das Baumfällen für den Neubau des Ärztehauses. „Wir sehen nichts, was dort nicht korrekt abgelaufen wäre“, erklärte Sprecher Stephan Schienbein gegenüber der OP.

von Michael Rinde

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