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Ehrenamt ist gut für die Gesundheit

Bürgerhilfe Ehrenamt ist gut für die Gesundheit

Ohne ehrenamtliches Engagement gäbe es Projekte wie die Mardorfer Bürgerhilfe nicht. Die Freiwilligen setzen sich für ihre Mitmenschen ein - was aber auch ihnen selber zugute kommt.

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Das Schwesternhaus in Mardorf ist der Sitz der Bürgerhilfe
Mardorf. Marilena von Köppen hat sich in einer Studie mit den positiven Auswirkungen des Ehrenamts auf die freiwilligen Helfer beschäftigt. Fotos: Florian Lerchbacher, privat

Mardorf. Nein, die Aufwandsentschädigung, die sie erhalten, ist es nicht, was die Bürgerhelfer antreibt. Vornehmlich ist es das Zwischenmenschliche, was den Reiz ausmacht. „Ich bin glücklich, wenn ich etwas geben kann“, ist eine immer wieder gemachte Aussage der Ehrenamtler. Ähnliches gilt für: „Es tut mir gut, anderen etwas zu geben.“ Daraus resultiert oftmals ein Gefühl der Zufriedenheit, wichtig ist aber auch die Dankbarkeit, die sie von ihrem Gegenüber erfahren. „Ich bekomme etwas zurück“, ist eine Aussage, die noch untermalt wird durch das Zitat einer Bürgerhelferin, die sagte: „Ich bekomme das Gefühl, gebraucht zu werden.“ Manch ein Ehrenamtler freut sich aber auch, dass sein Engagement dem Leben einen Sinn gibt. Es geht aber noch weiter: Freiwilliger Einsatz hat auch gesundheitliche Vorteile.

Das gesundheitsfördernde Potenzial liegt aller Wahrscheinlichkeit nach in der Partizipation - also dem Teilnehmen und Teilhaben. Die Ehrenamtler beteiligen sich nicht nur am täglichen Leben, sie gestalten den Alltag und die Zukunft, halten ihr Gehirn auf Trab und machen sich zudem ein Stück weit unabhängig vom Einfluss der Politik. „Solange ich aktiv bin, bleibe ich länger gesund“, betont Marilena von Köppen, Mitarbeiterin von Professorin Margret Müller, die von Frankfurt aus das Projekt Bürgerhilfe wissenschaftlich begleitet. „Es gibt verschiedene Ansätze, warum das so ist“, sagt sie. Einer lautet zum Beispiel, dass Gemeinschaft das Wohlbefinden fördere.

Von Köppen wollte diesen Ansatz noch vertiefen und beschäftigte sich in einer Studie mit der Frage, ob eine unterschiedlich starke Entscheidungsteilhabe der Ehrenamtlichen zu unterschiedlich starken gesundheitlichen Benefits führt. Eine eindeutige Antwort darauf kann sie nicht geben: Die von ihr untersuchten Studien enthielten schlicht nicht genug Details, um Aussagen über den Partizipationsgrad treffen zu können.

Allerdings lasse sich sagen, dass Partizipation eine wesentliche Vorbedingung für die gesundheitlichen Benefits bildet. Durch die Erfahrung, an wichtigen Entscheidungsprozessen beteiligt zu sein, wachse das Gefühl, dass die Herausforderungen bedeutsam und sinnvoll sind, zitiert sie. Und auch aus den Rückmeldungen der Menschen ziehen die Ehrenamtler Kraft für die eigene Psyche, da sie merken, dass ihr Handeln einen Unterschied macht: Er gewinnt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen, schreibt von Köppen in einem weiteren Zitat.

Rückzug des Sozialstaates ist Kehrseite der Medaille

Insgesamt sei also von einer Win-win-Situation zu sprechen, fasst von Köppen zusammen: Die Vorteile für die Nutznießer der Hilfe stehen ganz vorne, hinzu kommen die gesundheitlichen Benefits der Helfer - aber auch die Kommunen können sich über Entlastung freuen. Es gebe aber besonders an dieser Stelle auch eine Kehrseite der Medaille, hebt sie hervor und nennt als Schlagwort den Rückzug des Sozialstaates.

Wie dem auch sei: Fakt ist, dass ein Projekt wie die Bürgerhilfe es Senioren ermöglicht, länger in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben, weil sie Hilfsangebote annehmen können, die von professioneller Seite nicht offeriert werden - oder schlicht in keinem Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen. Entsprechend leistet die Bürgerhilfe einen wichtigen Beitrag dazu, das Leben auf dem Land beziehungsweise in kleineren, gut überschaubaren sozialen Strukturen attraktiv zu halten. Dass die Helfer einen gesundheitlichen Vorteil davon haben, ist dabei ein wunderbarer Nebenaspekt.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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