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Ehemalige Außen- sind bald Innenwände

Sanierung Ehemalige Außen- sind bald Innenwände

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf saniert Neustadts integrierte Gesamtschule und richtet gleichzeitig eine "offene Lernlandschaft" ein, um ihr pädagogisches Konzept zu unterstützen.

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Während Hartmut Boß (rechts) und Klaus Herrmann im Büro des Schulleiters sind, steht Dr. Karsten McGovern zwischen alter und neuer Außenwand – also in einem temporären Gang, der auch bald zum Raum gehört.Fotos: Florian Lerchbacher

Neustadt. Während Hartmut Boß im Büro des Schulleiters an seinem Schreibtisch sitzt, befindet er sich gleichzeitig auf einer Baustelle - und ist zufrieden. Im laufenden Schulbetrieb saniert der Landkreis Marburg-Biedenkopf die Martin-von-Tours-Schule, doch scheinbar stören die Bauarbeiten kaum. „Wir bekommen schöne neue Räume“, freut sich Boß und zählt weitere positive Aspekte des rund 3,8 Millionen Euro teuren Umbaus auf: Bald ist zum Beispiel überall schnelles W-Lan verfügbar.

Seit Februar 2013 laufen die Bauarbeiten, die wahrscheinlich noch bis Ende des Jahres andauern, wie Klaus Herrmann, der Fachbereichsleiter „Schule und Gebäudemanagement“ beim Landkreis, erklärt. Im Mittelpunkt steht ein Projekt, das sich, grob zusammengefasst, wie folgt beschreiben lässt: Aus außen wird innen.

Zwei Drittel weniger Energie

Die Schule bekommt sozusagen eine neue Fassade, in die zahlreiche ursprünglich außenstehende Elemente wie die für den Skelettbau typischen Betonpfeiler integriert werden. Das heißt, der Kreis lässt rund um das Gebäude neue Außenwände bauen, verbessert die energetischen Werte um ein Vielfaches und vergrößert auch noch die Räume. Etwa zwei Drittel weniger Energie würden verbraucht, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, freut sich Herrmann und ergänzt, dass sich durch die Art der Umsetzung bei dem aus den 1970er Jahren stammenden Gebäude die hohen Standards der Passivbauweise erreichen ließen. „Das ist etwas Besonderes. Hier ist etwas Großes im Gange“, betont Dr. Karsten McGovern, der Schuldezernent des Kreises.

Ein Vorteil des Gebäudes war, dass es einen Kriechkeller hat, der nun eine Spritzdämmung bekommen hat, so dass auch von unten keine Kälte mehr einziehen kann. „Das war der erste Winter, in dem ich nicht an den Füßen gefroren habe“, freut sich Boß, der seit 1993 die Schule leitet. Der Wohlfühlfaktor an der Martin-von-Tours-Schule sei um ein Vielfaches gestiegen. Es gebe nun rundum eine energetisch ertüchtigte Hülle, ergänzt McGovern.

Schüler lernen Entscheidungen zu treffen

Noch dazu lässt der Kreis die vorhandene Lüftungsanlage überarbeiten und versieht Klassenräume mit Außenkontakt mit einem dezentralen Lüftungsgerät, das den CO2-Gehalt im Raum misst und entsprechend den Luftaustausch reguliert. Des Weiteren wird der ehemalige Film- in einen Computerraum umfunktioniert.

Besonders freuen sich die Neustädter Lehrer allerdings über die Einrichtung einer offenen Lernlandschaft. Dies habe zwar mit energetischer Ertüchtigung nichts zu tun, da der Kreis als Schulträger aber auch das Lernumfeld verbessern und die Schule auch in ihrem Konzept des selbständigen Lernens und Arbeitens unterstützen wolle, sei die Entscheidung für die Investition in Höhe von 50000 Euro leichtgefallen, sagt McGovern.

Momentan öffnet die Schule schlicht die Türen, wenn Schüler aus drei Klassen das „Freie Lernen“ auf dem Stundenplan stehen haben. In dem Förder- und Forderkonzept haben Schüler, kurz gesagt, die Möglichkeit, in den Bereichen zu arbeiten, in denen sie sich verbessern wollen. Der Austausch mit anderen Schülern steht dabei im Vordergrund - Lehrer stehen als sogenannte Lerncoaches in dieser Zeit als Berater zur Verfügung. „So doziert man nicht, sondern fungiert als Ansprechpartner“, erläutert Volker Schmidt, der stellvertretende Schulleiter. Dies fördere zum Beispiel die Teamarbeit, wirke sich positiv auf das soziale Miteinander aus und unterstütze die Schüler dabei, selbständig Entscheidungen zu treffen.

Lernunfeld soll konstant verbessert werden

Momentan ist dieser Austausch untereinander zwar durch die geöffneten Türen möglich, die offene Lernlandschaft sei jedoch ein großer Schritt, sagt Boß: „Ein bisschen muss man sich dies in Richtung Großraumbüro vorstellen, in dem es verschiedene Bereiche gibt, zum Beispiel für individuelles Arbeiten, aber auch dafür, gemeinsam einer Präsentation zu folgen.“ Einige Herausforderungen gebe es aber natürlich noch, wirft Schmidt ein: „Wir denken zum Beispiel über flexible Wände nach.“ Die Arbeiten sind also im Gange, aber ebenso wie die konstant fortgeführten Bemühungen, das Lernumfeld zu verbessern, noch lange nicht abgeschlossen.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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