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Düstere Seite von Burgholz kommt zum Vorschein

Dorfmystery Düstere Seite von Burgholz kommt zum Vorschein

Kaum etwas ist gruseliger, als unerklärbare Geschichten, die sich in unmittelbarer Nähe abgespielt haben. Fans des eiskalten, den Rücken runterlaufenden Schauers können sich freuen: Die "Dorfmystery" kehrt zurück.

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Der Burgholzer Aussichtsturm wird im neuen Film von Manuel Weitzel (links) und Felix Müller – die hier in Begleitung von Emil Weitzel sind – natürlich auch eine Rolle spielen. Foto: Lerchbacher

Burgholz. Wer einst in den Wald bei Burgholz ging und heil wieder herauskam, der konnte froh sein. Froh, einem schrecklichen Schicksal entgangen zu sein. Froh, sein Leben nicht gelassen zu haben. Denn im Wald muss viel Schreckliches geschehen sein. Drei Frauen sollen dort gelebt haben. Drei Frauen, die es zu fürchten galt. Denn wer ihnen die Hand gab, verbrannte bei lebendigem Leib.

Nur ein einziger Mensch überlebte den Händedruck des Todes. Doch das Wie und Warum bleibt vorerst im Dunklen. Das geben Manuel Weitzel (39) und Felix Müller (46) nicht preis. Noch nicht - denn die Sage um die drei Frauen wird ein zentraler Teil der zweiten Auflage ihrer „Dorfmystery“ - eines Films, der diesmal in Burgholz spielt.

„Dorfmystery bedeutet, Sagen und Geschichten aus den Orten in neuer Form zu präsentieren“, erklärt Weitzel, während Müller sich und seinen Mitstreiter als „Brüder Grimm 2.0“ bezeichnet: „Früher wurden sich die Geschichten in den Dörfern weitererzählt. Die Brüder Grimm griffen dies auf und erzählten ihre Version - nur eben in Buchform. Und nichts anderes machen wir mit unserem Film auch.“

Mit „Langenstein“ ist ihnen dies bereits gelungen - zwar nicht im Ausmaß der Grimmschen Erfolgsgeschichte, auf lokaler Ebene aber mit sehr gutem Erfolg: „Ich hätte niemals gedacht, dass unsere Arbeit so positiv bewertet wird“, gibt Weitzel zu. Viele Hundert Menschen schauten das Erstlingswerk der beiden: in großer Runde während Kinovorführungen im Dorfgemeinschaftshaus Langenstein und im Marburger Cineplex oder auf DVD in privater Runde im heimischen Wohnzimmer.

Müller bezeichnet die „Dorfmystery“ als „eine Art Kunstprojekt“ - es sei ihm ein Anliegen, etwas aus der Heimat für die Heimat zu schaffen und dieses nicht nur anders zu präsentieren, sondern auch Geschichten zu konservieren. In neuer Form und zudem so, dass auch die Jugend angesprochen wird. „Mysteriös heißt, dass etwas nicht erklärbar ist - und immer wieder zu denken gibt“, ergänzt Weitzel: „Und da wir beide hier leben, ist es natürlich auch für uns unglaublich spannend.“

Der Langensteiner Weitzel, seines Zeichens selbstständiger Kaufmann, und der Kirchhainer Müller, der eine Werbeagentur betreibt, hatten verschiedene Orte zur Wahl: Wolferode und Hatzbach hätten sich angeboten - und sind natürlich auch noch im Rennen für eventuelle weitere Auflagen der „Dorfmystery“. Dass ihre Wahl letztendlich auf Burgholz fiel, liegt an der Nähe zu Langenstein. Den Kontakt hatte Dietmar Estor hergestellt, der schon bei „Langenstein“ eine Nebenrolle innehatte. Und Ortsvorsteher Björn Debus habe dann fast schon für den Rest gesorgt, berichtet Weitzel: „Ich kenne ihn noch aus meiner Kindheit. Schon damals machte mir seine tiefe Stimme immer etwas Angst.“

Hinzu kommen die Reste einer Karolingerburg aus dem 8. Jahrhundert, deren Steine die Burgholzer später nutzten, um ihre Häuser zu bauen. „Das zeigt, dass der Ort Geschichte hat - und dass es Geschichten über den Ort zu erzählen gibt“, freut sich Weitzel.

Zunächst hieß es für die beiden, die Chronik des Dorfes zu wälzen. Später trafen sie sich mit Bürgern, die ihnen aus der und über die Heimat berichteten. „Es gab in der Geschichte nicht wenige Menschen, die rund um Burgholz ihr Leben lassen mussten - auf teils unerklärliche Art und Weise“, betont er, schwärmt von unterirdischen Gängen, die wie in Langenstein für Schmuggel oder als Fluchtmöglichkeiten gedient haben könnten, und kehrt letztendlich zu den drei Frauen im Wald zurück, deren Geschichte tiefen Eindruck hinterlassen hat. Bei Langenstein sei der Tod ein unterschwelliges Thema gewesen: „Weil es dort so viele Energiepunkte gibt, lief es einfach darauf hinaus“, sagt Müller und verspricht, dass die beiden Filmemacher auch bei ihrem zweiten Werk „etwas Tiefgründiges“ hineinbringen wollen: „Eben so, wie Burgholz ist.“

Mit den Filmarbeiten begonnen haben sie noch nicht. Das Drehbuch steht jedoch, und auch das Ziel ist klar: Ein Spielfilm soll es werden - mit Ansätzen einer Dokumentation. Als Erscheinungstermin ist Ende des Jahres vorgesehen. Wichtig sei, dass die Menschen authentisch rüberkommen, hebt Müller hervor. Aus diesem Grund werde keinem Darsteller vorgegeben, was er sagen soll: „Wir wollen sie erst einmal erzählen lassen. So fließen die Informationen in Teilen ein, und eine Geschichte mischt sich mit der anderen.“ Und am Ende kommt eine „Dorfmystery“ heraus, die an manchen Stellen Licht ins Dunkle bringt. Vielleicht.

Die „Dorfmystery“ ist auch im Internet auf diversen Plattformen vertreten: mit einer eigenen Website www.dorfmystery.de, bei Twitter (@dorfmystery), und auch bei Youtube (https://www.youtube.com/user/Dorfmystery).

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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