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Drogenhandel-Vorwurf fällt unter den Tisch

Amtsgericht Drogenhandel-Vorwurf fällt unter den Tisch

"Seit 1990 sind fast 50 Verfahren gegen Sie gelaufen. Zur Verurteilung kamen aber nur sechs", sagte der Oberamtsanwalt vor dem Kirchhainer Amtsgericht mit Blick auf die Akte eines Angeklagten.

Kirchhain. Hatte bis dato keiner der Vorwürfe etwas mit Betäubungsmitteln zu tun, so änderte sich dies nun: Sechsmal soll der 42-Jährige laut Anklageschrift Amphetamine an eine Stadtallendorferin verkauft haben. Zudem wurde dem Stadtallendorfer vorgeworfen, elf Cannabispflanzen angebaut und rund zwölf Gramm Cannabis besessen zu haben.

Den Anbau der Pflanzen räumte der Angeklagte ein, gegen den Vorwurf des Drogenhandels wehrte er sich jedoch - mit einer mehr als undurchsichtigen Geschichte. Der Angeklagte behauptete, er habe LED-Lampen besessen und diese bei der Zeugin gegen Werkzeug eingetauscht. Er wisse nichts davon, dass sich in den Verpackungen Drogen befunden hätten, gab er an.

Die Stadtallendorferin gab an, der Angeklagte sei nur „Mittel zum Zweck“ gewesen und habe nichts davon gewusst, dass er als Mittelsmann fungierte. Eine „dritte Person“ habe die Drogen bei dem 42-Jährigen hinterlegt. „Das macht doch keinen Sinn“, kommentierte Richter Joachim Filmer und stellte Nachfragen. Die Antworten brachten aber kein Licht ins Dunkle, sondern waren eher undurchsichtig. „Sie wollen mir also weismachen, dass weder der Kunde noch der Mittelsmann wusste, wo sich die Drogen befinden?“ fasste Filmer die Aussagen zusammen und ergänzte: „Sie nahmen also irgendwelche Lampenpackungen entgegen und - oh Wunder, oh Wunder - es fand sich Amphetamin darin? Das passt doch hinten und vorne nicht und ist Unfug.“

„Nebulöse Geschichte“

Doch auch weitere Nachfragen und die Androhung eines Ermittlungsverfahrens wegen uneidlicher Falschaussage brachten die Verhandlung nicht weiter. Filmer schlug letztendlich vor, das Verfahren einzustellen. „Wir wissen nicht, ob Sie Händler waren oder nicht. Für einen Freispruch ist mir das zu wackelig, daher stellen wir die Fälle ein“, schloss sich der Oberamtsanwalt an und betonte: „Das ist eine nebulöse Geschichte, die nicht sicher aufklärbar ist.“

Letztendlich verurteilte Filmer den Angeklagten wegen des unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln in Tateinheit mit dem Besitz zu 90 Tagessätzen à 30 Euro. „Die Strafe wäre nicht so hoch anzusiedeln, wenn sie nicht schon einige Vorbelastungen hätten“, sagte der Richter und betonte: „Sie haben ein neues Feld eröffnet, das nun in ihrem Register steht.“

von Florian Lerchbacher

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