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Drei neue Windräder bei Burgholz

Erneuerbare Energien Drei neue Windräder bei Burgholz

Das Kirchhainer „Nordic-Walking-Paradies“ liegt derzeit unter einer einzigen Staubfahne, die die Benutzung des Weges von der Kreisstraße Kirchhain – Emsdorf in Richtung Burgholz zu einem zweifelhaften Vergnügen macht.

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Im Burgholzer Forst sind die Gründungsarbeiten für zwei der Windräder in vollem Gange. Der innere Kreis entspricht der Grundfläche des gut 200 Meter hohen Windrads vom Typ Nordex 117.

Quelle: Matthias Mayer

Burgholz. Grund für die Staubwolke ist die für einen Waldweg völlig ungewöhnliche Lkw-Dichte, die derzeit im Burgholzer Forst herrscht. Die Brummis schleichen im Abstand von wenigen Minuten über die Schotterpiste. Sie versorgen drei Baustellen mitten im Wald. Dort baut das Wiesbadener Unternehmen AboWind drei weitere Windräder, ohne dass davon die Öffentlichkeit bislang erfuhr.

Diesen Umstand beklagte der Emsdorfer Ortsvorsteher Winfried Fritsch gegenüber dieser Zeitung. Gleichwohl geht im Burgholzer Forst alles mit rechten Dingen zu. Schließlich liegt der Wald im von der Kirchhainer Stadtverordnetenversammlung beschlossenen und vom Regierungspräsidium genehmigten Kirchhainer Vorranggebiet für Windkraft. Das umfasst den Burgholzer Forst, den Langensteiner Interessentenwald und das Emsdorfer Feld und bietet Platz für bis zu 15 Windräder. Gebaut wurden allerdings durch den Projektierer AboWind erst deren fünf: zwei im Burgholzer Forst und drei im Emsdorfer Feld.

Wie Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) auf OP-Anfrage berichtete, ist die Stadt mit dem zweiten Bauabschnitt im Burgholzer Forst nur am Rande befasst, denn der Baugrund gehört Hessen Forst und damit dem Land. Der Magistrat sei über das Bauvorhaben informiert worden und habe einmütig sein Einvernehmen erklärt, sagte Jochen Kirchner. Der Bürgermeister verwies darauf, dass es im Vorfeld der Flächennutzungsplan-Änderung für die Ausweisung des Vorranggebiets Bürgerversammlungen und Besprechungen mit den Ortsbeiräten der betroffenen Stadtteile gegeben habe. Dabei seien alle Pläne mit den möglichen Windrad-Standorten vorgestellt worden, sagte der Bürgermeister.

Die Wertschöpfung aus den drei neuen Windrädern bleibt nur zu einem geringen Teil in der Region. „Wir bekommen 70 Prozent der Gewerbesteuer und eine Gebühr für die Nutzung der Wege für den Bau der Stromtrasse“, berichtete der Kämmerer, der für vier der fünf bestehenden Windräder Pachteinnahmen für den städtischen Haushalt verbuchen kann.

Keine bürgerschaftliche Beteiligung vorgesehen

Im Gegensatz zum Rauschenberger Stadtwald, wo die Breidenbacher Krug-Gruppe fünf Windräder baut und davon zwei der Kommune beziehungsweise den Bürgern zur Verfügung stellt, wird es im Kirchhainer Vorrangebiet wohl keine bürgerschaftliche Beteiligung an Windrädern geben. Die Stadt habe die Verfolgung dieses ursprünglichen Ziels an die kreiseigene Energiegenossenschaft abgeben. Dort sei das Vorhaben wegen gesetzgeberischer Vorgaben auf der Strecke geblieben, sagte Jochen Kirchner.

AboWind möchte die drei neuen Windräder im Burgholzer Forst an einen Investor verkaufen. Das teilte Pressesprecherin Jutta Koch auf OP-Anfrage mit. Entsprechende Gespräche liefen bereits. Das Unternehmen baut laut Jutta Koch wieder Anlagen vom Typ Nordex 117, wie sie bereits im Burgholzer Forst und im Emsdorfer Feld stehen. Diese Maschinen sind speziell für windschwache Binnenstandorte ausgelegt und haben bei einer Nabenhöhe von 140,5 Meter einen riesigen Rotor mit einem Durchmesser von 117 Metern. Dieser erlaubt trotz der Verluste durch die geräuschintensive Getriebetechnik eine Leistung von 2,4 Megawatt. Die Gesamthöhe der Bauwerke liegt über 200 Meter. Äußerlicher Unterschied zu den bestehenden Nordex-Maschinen: Die Transformatoren stehen nicht neben dem Turm, sondern sind in diesen integriert.

Mindestabstände jenseits der 1000-Meter-Marke

Ganz wichtig für die Bewohner der angrenzenden Ortschaften sind die Mindestabstände der drei neuen Windräder zu den Bebauungsgrenzen. Die liegen nach Auskunft von Jutta Koch jeweils deutlich jenseits der kritischen 1 000-Meter-Marke: Zu Burgholz: 1 570 Meter; zu Emsdorf: 1 750 Meter; zu Kirchhain: mehr als 2 000 Meter; zu Langenstein: mehr als 2 000 Meter.

Wie die Pressesprecherin berichtete, hat AboWind im Februar die Baugenehmigung für die drei neuen Anlagen bekommen und mit den Rodungsarbeiten an den drei Standorten begonnen. Für Spaziergänger sind die Bauaktivitäten inzwischen unübersehbar. Am neben dem Parkplatz gelegenen Windrad lagern die Betonelemente für zwei Türme. Die unteren beiden Drittel der Hybridtürme bestehen aus Beton und werden nach dem Lego-Prinzip von großen Kränen auf den Fundamenten zusammengesetzt. Zwei der Fundamente sind bereits im Bau. Jutta Koch schätzt, dass die Stahlrohr-Elemente, die Gondel und die Rotoren im September geliefert und montiert werden. Die Inbetriebnahme ist für November vorgesehen.

Und wie geht es bei Emsdorf und Langenstein weiter: „Zurzeit gibt es von unserer Seite keine Planungen für weitere Anlagen in diesem Vorranggebiet“, sagt die Sprecherin.

von Matthias Mayer

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