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Drei Hausbewohner nach Brand in Lebensgefahr

Gefährliche Rauchgase Drei Hausbewohner nach Brand in Lebensgefahr

Bei einem Wohnhausbrand in Stadtallendorf erlitten drei Hausbewohner lebensbedrohliche Verletzungen. Bei einem Schwerstverletzten war der Zustand gestern besonders kritisch. Drei weitere Bewohner des Gebäudes mussten ebenfalls mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Brand war gegen 5.45 Uhr im Kellergeschoss des Hauses ausgebrochen.

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Die Feuerwehr rettete die Hausbewohner.

Quelle: Florian Gaertner

Stadtallendorf. Im Haus  In der Spaltanlage 1a spielten sich gestern am frühen Morgen bei Eintreffen der Feuerwehr dramatische Szenen ab. Aus dem Gebäude quoll schwarzer Rauch. In dem Gebäude sind 37 Bewohner gemeldet. Die Feuerwehr musste mehrere Hausbewohner über Leitern aus den oberen Stockwerken retten. In dem gesamten Haus war es zu einer extremen Rauchentwicklung gekommen. Für Feuerwehr und Rettungsdienst stellte der Brand eine große Herausforderung dar. 16 weitere Hausbewohner mussten ambulant untersucht und teilweise behandelt werden. Die Brandursache ist noch unklar, bisher gibt es keinen Hinweis auf eine vorsätzliche Brandstiftung.

Einige Bewohner hatten damit begonnen, über eine eigene Leiter auf ein Zwischendach hinabzuklettern. Zwei Eingesperrte wagten Sprünge – und zogen sich dabei schwere Brüche und nach Angaben von Polizei und Feuerwehr gegenüber der OP lebensgefährliche Verletzungen zu.

 

 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
   
 
 

 

"Aus jeder Ecke quoll Rauch"

Einen dritten Bewohner mussten Notärzte und Rettungssanitäter über einen längeren Zeitraum wiederbeleben. Er hatte vor allem Rauchgas eingeatmet. Bei Redaktionsschluss dieser Seite war sein Zustand weiterhin kritisch.
„Das war dramatisch“, schilderte Stadtbrandinspektor Uli Weber seine ersten Eindrücke, nachdem er am Brandort eingetroffen war.  Zuerst war Dirk Mann, einer der Pressesprecher der Stadtallendorfer Feuerwehren vor Ort. „Aus jeder Ecke quoll der Rauch“, berichtete Mann.

Über Leitern holte die Feuerwehr weitere Bewohner aus dem Haus. Alle Feuerwehren der Stadt Stadtallendorf waren im Einsatz, zeitweise mit bis zu 75 Einsatzkräften. Bei diesem Brand hätte sich wieder einmal die Bedeutung der Stadtteil-Feuerwehren gezeigt, betont Einsatzleiter Uli Weber. So hätten bis zu 40 ausgebildete Atemschutzgeräteträger bereitgestanden. Nur mit Atemschutz war es möglich, das Brandhaus zu betreten.

Für den Rettungsdienst war das Feuer In der Spaltanlage eine ganz besondere Situation, wie die Zahlen zeigen: 37 Menschen verschiedener Nationalitäten sind in dem Haus gemeldet. Neben den insgesamt sechs Verletzten mussten weitere 16 Bewohner ärztlich untersucht und betreut werden. Außerdem verletzten sich bei dem Einsatz drei Feuerwehrleute leicht. 12 Rettungswagen waren vor Ort oder standen in der Umgebung in Bereitschaft. Unweit des Hauses wurde ein Behandlungsplatz eingerichtet, vor allem, um die schwerer Verletzten versorgen zu können. Ein Rettungshubschrauber brachte aus Gießen einen weiteren Notarzt an die Einsatzstelle. Für den Verletztentransport wurde der Hubschrauber dann allerdings nicht mehr benötigt.

Bei einem Feuer am frühen Dienstagmorgen in der Straße Spaltanlage meldeten die Einsatzkräfte drei Schwerverletzte und 20 weitere Hausbewohner mit leichten Rauchvergiftungen.

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Gerettete im Südstadt-Kiosk betreut

Das Team des Führungsdienstes des Landkreises rund um Kreisbrandinspektor Lars Schäfer war ebenso vor Ort wie der organisatorische Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis. Die „Schnelle Einsatzgruppe Ostkreis“ des Roten Kreuzes übernahm die Versorgung von Bewohnern wie auch Einsatzkräfte an einem Platz auf einem Nachbargrundstück des Hauses. „Beim Rettungsdienst mussten wir an unsere Kapazitätsgrenze gehen“, sagte Schäfer.  Vom Rettungsdienst waren rund 50 haupt- und ehrenamtliche Helfer, Sanitäter und Notärzte vor Ort – zumal lange Zeit unklar war, wie viele Verletzte es tatsächlich gab. Jeder Gerettete wurde vorsorglich auf Rauchgasvergiftungen untersucht. Tückisch und besonders gefährlich ist bei Rauchvergiftungen das möglicherweise eingeatmete Kohlenmonoxid (siehe Infokasten).

Die geretteten Hausbewohner wurden zeitweise im Südstadt-Kiosk der Stadt betreut, sie standen unter dem Eindruck ihrer  teils schlimmen Erlebnisse, wie Rettungskräfte berichteten.
Was zu dem Brand geführt hat, war gestern unklar. Brandermittler konnten die Brandstelle gestern nicht betreten. Eine Decke drohte zunächst einzustürzen, außerdem waren umfangreiche Schadstoffmessungen nötig, bevor das Haus gefahrlos betreten werden konnte. Die eigentliche Brandstelle befand sich im Bereich zwischen einer Wohnung und dem Heizungsraum im Untergeschoss. Die Wohnung wurde bei dem Brand offenbar komplett zerstört, wie sich bei einem Blick durch ihre Fenster zeigte.

Erste Ermittlungen vor Ort, etwa durch Befragung von Bewohnern und der Inaugenscheinnahme von außen hätten bisher keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung ergeben, erklärte Polizeisprecher Martin Ahlich gegenüber der OP. Zur Schadenshöhe waren gestern ebenfalls noch keine Aussagen möglich.Fast alle Bewohner des Hauses fanden Übergangsquartiere bei Familienangehörigen und Freunden. Vier weitere brachte die Stadt Stadtallendorf übergangsweise in Pensionen unter, wie Uli Weber berichtete. Bei dem Haus, in dem der Brand ausgebrochen war, handelt es sich um ein Gebäude aus Zeiten der Sprengstoff-Herstellung der DAG, das entsprechend umgebaut wurde. „Das Gebäudeinnere ist sehr verwinkelt, was die Suche nach Bewohnern bei dem starken Qualm erschwerte“, sagt Stadtbrandinspektor Uli Weber.  Bei der Durchsuchung des Gebäudes stießen Feuerwehrleute auch noch auf eine Wohnung, in der deren Bewohner eine Würgeschlange und mehrere Vogelspinnen in einem Terrarium hält. Nach Rücksprache mit Fachleuten entschieden sich die Einsatzkräfte, die Tiere in den Terrarien zu belassen. Ein Transport hätte größeren Stress für die Tiere bedeutet. Sie seien ausreichend versorgt.

von Michael Rinde

Gefährliches Rauchgas
Bei Bränden entsteht der überwiegende Teil von lebensbedrohlichen Verletzungen bei Opfern durch die Rauchgasvergiftungen. Rauchgase enthalten durch das Verbrennen von Kunststoffen mehrere gefährliche Giftstoffe. Wie Stadtallendorfs Stadtbrandinspektor Uli Weber erläutert, kann sich beim Verbrennen von Schaumstoffen Salzsäure entwickeln. Besonders kritisch ist das sich entwickelnde Kohlenmonoxid. Es bindet die Sauerstoff transportierenden roten Blutkörperchen, was die Atmung behindert oder auch ganz zum Erliegen bringen kann. Das Kohlenmonoxid zirkuliere dabei über einen langen Zeitraum im menschlichen Körper, was die Sauerstoffaufnahme behindere, sagt Weber.
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Bewohner springen aus Gebäude

Eine große Rauchwolke stand heute Morgen gegen 5.45 Uhr über einem Wohnhaus in der Straße Spaltanlage. Großeinsatz für Stadtallendorfs Feuerwehren und den Rettungsdienst.

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Nach der Brandkatastrophe
Nach dem verheerenden Hausbrand „In der Spaltanlage“, bei dem zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort waren, ist die Hilfsbereitschaft in Stadtallendorf riesig.

Ein Todesopfer, fünf verletzte Bewohner und eine verletzte Feuerwehrfrau, 30 Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Das ist die bisherige Bilanz der Feuerkatastrophe „In der Spaltanlage“.

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