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Drei Feuerfunken machen’s spontan

Der neue Junker Hans und seine Burgfräulein wissen wie es ist, im Rampenlicht zu stehen Drei Feuerfunken machen’s spontan

Beinahe hätte Neustadt ohne Junker Hans dagestanden, doch dann kamen Marcel Schlitt, Selina Müller und Michelle Heide und bewahrten die Stadt vor einer Blamage.

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Selina Müller (von links), Marcel Schlitt und Michelle Heide geben ein Jahr lang den Junker Hans und seine Burgfräulein. Foto: Florian Lerchbacher

Neustadt. Die drei jungen Neustädter waren fast schon zu spät, um als Retter in letzter Sekunde daherzukommen. Der vorgesehene Inthronisierungstermin war verstrichen, und die 510. Kirmes hatte längst begonnen, als Marcel Schlitt, Selina Müller und Michelle Heide sich einen Ruck gaben und spontan bereiterklärten, die Ämter des Junker Hans und seiner Burgfräulein zu übernehmen.

Brigadegeneral a. D. Klaus Wittmann hatte während der Serenade am Kirmessamstag noch einmal einen Appell an die Bürger gerichtet. Die Worte des ehemaligen Kommandeurs der Panzerbrigade 14 und Ehrenkommandanten der Bürgerwehr machten letztendlich den Unterschied.

Vielleicht lag es an der militärischen Autorität Wittmanns, vielleicht aber auch an der feierlichen Stimmung, dass Schlitt, Müller und Heide dann doch die Kostüme überstreiften - die drei hatten jedenfalls in der Vergangenheit schon darüber nachgedacht, als Repräsentanten der Stadt Neustadt zu fungieren. Nach dem Karneval, während dem sie mit den Feuerfunken die Bühnen unsicher machten, entschieden sie sich jedoch dagegen. „Ich wollte nicht. Wir hatten so viele Auftritte, dass ich es mir nicht vorstellen konnte, noch ein Amt zu übernehmen“, gibt Heide zu.

Ihre Stadt hängenlassen, wollten sie dann aber auch nicht, ­also revidierten sie ihre Entscheidung, traten bereits beim Festzug in Erscheinung - und bereiten sich nun auf ein abwechslungsreiches Jahr vor.

Erfahrung sammeln, Neues erleben und das Neustadt-Treffen besuchen. Dies sind die drei Punkte, auf die sich die drei am meisten freuen. „Es ist eine Ehre, seine Stadt zu repräsentieren“, sagt Schlitt und ergänzt: „Eigentlich konnten wir es uns auch nicht vorstellen, dass sich niemand findet, der das Amt übernimmt. Das Problem ist, glaube ich, dass die Leute denken, sie müssten alles selber zahlen - dem ist aber nicht so.“

Nein, die Stadt zahlt das Kostüm, übernimmt die Kosten für die Teilnahme des Dreigestirns am Neustadt-Treffen und behandelt die Drei auch ansonsten ihres Amtes angemessen.

Das Rampenlicht sind sie jedenfalls durch ihr Engagement für die Feuerfunken gewöhnt: „Wir können das also locker sehen“, glaubt der gelernte Straßenbauer Schlitt (22), der zudem leidenschaftlicher Fußballer ist. Zwar spielte er ein Jahr lang in Wabern, zur kommenden Saison möchte der linke Mittelfeldspieler jedoch zum VfL Neustadt zurückkehren. Der Fan von Borussia Mönchengladbach war auch Mitglied der „Rauten Sumpfis“ und spielte früher Tenorhorn und Trompete im Jugendblasorchester. Aus dieser Zeit fließt auch noch ein wenig blaues Blut durch seine Adern, denn damals trat er als Kinderprinz in Erscheinung.

Solch royale Vorkenntnisse können seine Burgfräulein nicht aufweisen, dennoch sind auch sie alles andere als unbeschriebene Blätter: Michelle Heides Vater gehört der Bauspezis, ihren Großeltern der Richard-Balzer-Baustoffhandel. Abgesehen davon ist die 21-jährige zahnmedizinische Fachangestellte Spitze - und zwar spätestens dann, wenn die Feuerfunken ihre berühmt-berüchtigten Pyramiden bauen, bei denen sie ganz oben steht.

Mit 18 Jahren ist Selina Müller die Jüngste im Bunde. Sie kam über ihren Bruder zu den Feuerfunken. Ausschlaggebend waren die Hebefiguren, die sie begeisterten. Nach ihrem Fachabitur an der Käthe-Kollwitz-Schule in Marburg macht sie ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kindergarten Anzefahr. Danach soll die Entscheidung fallen, ob eine Ausbildung oder ein Studium folgt. Fest steht, dass sie etwas mit Kindern machen will - und sicher ist, dass die sie mit leuchtenden Augen ansehen werden. Zumindest immer, wenn sie das Kostüm des Burgfräuleins trägt.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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