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Dr. Faussone stellte einst die Weichen

Ehrung Dr. Faussone stellte einst die Weichen

Mittlerweile ist Dr. Giuseppe Faussone 89 Jahre alt, ein Alter, das man ihm beim Zuhören nicht anmerkt. Ohne Faussone, so die Überzeugung vieler, gäbe es das Stadtallendorfer Ferrero-Werk nicht.

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Bürgermeister Christian Somogyi (links) und Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Georg Lang ehrten Dr. Giuseppe Faussone. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Immer wieder hob Giuseppe Faussone ein wenig abwehrend die Hände, als ihn die Besucher der Feierstunde mit stehenden Ovationen würdigten. Er zeigte die von ihm gewohnte Bescheidenheit.

Anlass der Feierstunde war eine seltene Ehrung der Stadt Stadtallendorf: Faussone erhielt die Ehrennadel der Stadt. Die Ehrennadel war vorher erst einmal an einen Vertreter der Wirtschaft verliehen worden, im Jahr 2002 erhielt sie der mittlerweile verstorbene Friedrich Hoppe.

Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) brachte die Leistungen Faussones für die Stadt in seiner Begrüßung auf den Punkt: „Ohne Sie säßen wir so sicherlich heute nicht hier.“ Es war Dr. Giuseppe Faussone, der 1956 in das damalige Allendorf kam und dort das Assia-Werk im Auftrag der Familie Ferrero gründete.

Alles begann damals auf den Fundamenten eines alten Kohledepots mit wenigen Mitstreitern. Eine Erfolgsgeschichte begann, die Faussone entscheidend mitgestaltete, sogar über seine Pensionierung im Jahr 1992 hinaus. Bis zum Jahr 1999 blieb Faussone dem Unternehmen als Berater erhalten. Er und seine Frau Marisa sind Stadtallendorfer geblieben, auch wenn es sie immer wieder nach Italien zieht. Ihre Kinder sind ebenfalls in Deutschland groß- und sesshaft geworden.

Welche Bedeutung das Unternehmen für die Stadt Stadtallendorf hat, ist unumstritten. Auch wenn dies kein Vertreter der Stadt je offiziell wegen des Steuergeheimnisses erklären wird, so ist Ferrero Stadtallendorfs größter Gewerbesteuer-Zahler, ein Umstand, von dem mittelbar der gesamte Kreis wirtschaftlich wie auch finanziell profitiert, und das seit Jahrzehnten. Kein Geringerer als der Ferrero-Deutschland-Chef Stephan Nießner übernahm am Dienstagabend im Foyer der Stadthalle die Laudatio auf den 89-Jährigen. Der erste Anstoß dazu, Faussone durch die Stadt zu ehren, waren von Betriebsdirektion und Betriebsrat des Unternehmens ausgegangen. Nießner bescheinigte ihm Kreativität, Mut und Improvisationsgeschick. „Sie haben auch immer ein großes Sozialverständnis gehabt“, unterstrich Nießner ebenfalls in Richtung Faussones.

Nießner erinnerte an die Pionierleistung des damals jungen Ingenieurs, der im Auftrag der Familie Ferrero nach Deutschland gekommen war, um einen Standort für ein weiteres Werk zu finden. Damals war es das erste außerhalb Italiens. „Er war damals der Motor des Erfolges“, sagte Nießner über Giuseppe Faussone. Mit an seiner Seite waren fünf Mitarbeiter und seine Frau, die damals in Allendorf in einer Feldküche die Pasta-Verpflegung der ersten Assia-Mitarbeiter übernahm. Schon bald nach der Assia-Gründung waren es 150 Mitarbeiter, aktuell beziffert Ferrero seine Stadtallendorfer Stammbelegschaft mit rund 3600 Mitarbeitern. Hinzu kommen Saisonkräfte. Das Werk hat heute eine Ausdehnung von 500000 Quadratmetern, begonnen hatte alles mit einer 2500 Quadratmeter großen Halle. Bürgermeister Christian Somogyi bescheinigte dem 89-Jährigen, „auch ein Stück Stadtgeschichte geschrieben zu haben“. Später sei auch immer wieder vom Wunder von Allendorf gesprochen worden.

Faussone selbst bezeichnete in seiner kurzen Dankesrede die damalige Entscheidung Ferreros, nach Allendorf zu gehen, als „ideale Lösung“. „Das passierte in Zeiten, in denen noch keiner von der EWG sprach“, betonte er. Die Abkürzung EWG steht für Europäische Wirtschaftsgemeinschaft.

Die Auszeichnung sei für ihn eine sehr, sehr große Ehre. Die Verleihung der Ehrennadel übernahmen der Bürgermeister und der Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Georg Lang (CDU).

Bezirkskantor Peter Groß begleitete die Feierstunde gewohnt souverän.

von Michael Rinde

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