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Dorf muss 25000 Euro aufbringen

Backhaus Dorf muss 25000 Euro aufbringen

Das Backhaus sanieren, einen Vorbereitungsraum anbauen, ein Gästezimmer gestalten und Stauraum schaffen. Erfurtshausen hat Großes vor, ist aber nun auf Hilfe ­angewiesen.

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Steffen Fuhrmann (von rechts), Gaby Linne, Wolfgang Rhiel, Dr. Annette Schick und Arnold Mengel hoffen für das Großprojekt „Backhaus 2.0“ der Dorferneuerung auf möglichst viel finanzielle Unterstützung.Foto: Florian Lerchbacher

Erfurtshausen. Aus einem baufälligen Denkmal soll das Backhaus 2.0 werden - mit dem Ziel, beide Funktionen des alten Gebäudes zu erhalten: Also den Bürgern das Backen zu ermöglichen und Gästen eine Unterkunft zu bieten. Grundvoraussetzung Nummer eins, um das ehrgeizige Projekte umzusetzen, ist geschaffen: Da die Erfurtshäuser das Gebäude um einen Anbau erweitern wollen, benötigen sie mehr Platz. Das Schicksal meinte es gut mit ihnen, denn die Mieter des Nachbarhauses verließen das Dorf, freut sich Dr. Annette Schick, die Vorsitzende des Arbeitskreises Dorferneuerung. Und der Eigentümer jenes Nachbargebäudes ist auch noch bereit, das Haus zu verkaufen. Doch dafür benötigen die Erfurtshäuser Geld, denn über die Dorferneuerung wird der Kauf von Gebäuden nicht gefördert. Der Haupt- und Finanzausschuss habe den Plänen für das Backhaus 2.0 zugestimmt, berichtet Schick - allerdings unter der Voraussetzung, dass das Dorf 25000 Euro in das Projekt mit einbringt. Diese Lücke könne die Stadt nämlich nicht schließen.

Die Summe hat der Arbeitskreis inzwischen zusammen, sie besteht allerdings vornehmlich aus Krediten von anderen Vereinen aus dem Amöneburger Stadtteil (und einigen Spenden). Entsprechend gilt es, diese früher oder später zurückzuzahlen.

„Es ist zunächst einmal wichtig, dass der Rückhalt im Dorf da ist und die Menschen unser Projekt unterstützen“, freut sich Arnold Mengel, der Vorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins, der später die Trägerschaft über das Backhaus mit integriertem „Erfurtshäuser Gästezimmer“ übernehmen soll. Doch die Erfurtshäuser brauchen diesmal auch finanzielle Unterstützung. „So kamen wir auf die Idee des Crowdfundings“, sagt Schick. Daher meldete der Arbeitskreis einen Teil seines Vorhabens bei der VR-Bank-Aktion „Viele schaffen mehr“ an.

Arbeitskreis tritt auf Festen auf und hilft beim Spenden

5000 Euro an Spenden müssen für das Projekt dort eingehen. Das Kreditinstitut gibt den gleichen Betrag noch einmal dazu. Genauer gesagt: Die Bank verdoppelt Spenden bis zu einer Höhe von 50 Euro. Höhere Beiträge belohnte sie ebenfalls mit maximal 50 Euro. „Unser Problem ist, dass das Ganze nicht so einfach ist und die Menschen sich registrieren müssen“, wirft Steffen Fuhrmann ein.

Aus diesem Grund möchte der Arbeitskreis bei möglichst vielen Festen im Dorf vertreten sein, das Projekt vorstellen, am Stand einen Computer bereitstellen und die Menschen beim Spenden unterstützen. Erstmals ist dies am kommenden Donnerstag (Christi Himmelfahrt) der Fall, wenn die Freiwillige Feuerwehr Erfurtshausen ans Bürgerhaus zum Dämmerschoppen mit Feier des 65-jährigen Bestehens einlädt. „Wir nehmen natürlich auch so gerne Spenden entgegen“, betont Schick, appelliert jedoch an die Menschen, über die VR-Bank sich zu beteiligen, da das Unternehmen dann schließlich Boni oben draufsetzt.

Die Aktion läuft noch bis Ende Juli und bringt maximal 10000 Euro. Doch die Erfurtshäuser wollen sich noch weitere Ansätze einfallen lassen, um die 25000 Euro zusammenzubekommen - so will der Arbeitskreis Dorferneuerung künftig die Kirmes ausrichten.

Rund 250000 Euro kostet das Projekt Backhaus 2.0 insgesamt. Vorgesehen ist, zunächst das Gebäude an sich zu sanieren und im Erdgeschoss einen Backraum mit neuem Holzbackofen einzurichten. Im Obergeschoss soll das „Erfurtshäuser Gästezimmer“ mit kleinem Bad und Teeküche entstehen. „Früher gab es dort eine Unterkunft für Handwerksburschen. Diese Tradition wollen wir wieder aufleben lassen“, erläutert Schick und ergänzt: „Das bot sich an, denn da täglich in dem Gebäude gebacken wurde, war es entsprechend auch schön warm darin.“

Heimatverein will die Trägerschaft übernehmen

Beim Backhaus 2.0 wollen die Erfurtshäuser jedoch auf eine zusätzliche Heizung setzen, da sie zwar hoffen, dass wieder mehr Menschen dort backen, der geplante Ofen im Vergleich zum Vorgängermodell nicht nur effektiver und leichter zu bedienen, sondern vor allem auch besser isoliert ist. „Er ist schneller anzuheizen, die Temperatur ist überall gleich und es geht schneller. Man kann dort also viel einfacher backen als früher“, meint Fuhrmann und hebt gleich noch den Wahlspruch für das Projekt aus der Taufe: „Dem guten Alten die Treue halten, am schönen Neuen sich erfreuen.“

Passenderweise steht dieser über der Tür des Hauses der einzigen Erfurtshäuser Familie, die derzeit das Backhaus noch nutzt.

Doch trotz der derzeit geringen Nachfrage sind sich die Mitglieder des Arbeitskreises Dorferneuerung sicher, dass das Backhaus künftig mehr genutzt wird: Als bekannt wurde, dass der bis dato beinahe ausgestorbene Heimat- und Verschönerungsverein künftig die Trägerschaft übernehmen will, fanden sich im Nu 90 neue Mitglieder.

Und dass Erfurtshausen ein Backhaus braucht, liegt für Schick auf der Hand: „Das Backhaus ist fester Bestandteil von Festen. Wenn wir nach Mardorf zum Backen fahren müssten, dann müssten wir auch unser Fest dorthin verlegen.“

Zum Backhaus 2.0 sollen übrigens noch ein Backvorbereitungsraum im Anbau gehören, wo auch noch Stauraum für Geräte, Wagen und Zelte entstehen soll. In die Umsetzung des Projektes, zu dem die Stadt rund 50000 Euro beisteuert, wollen die Bürger sich zudem mit Eigenleistung einbringen.

von Florian Lerchbacher

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