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Dorf feiert den Beginn einer neuen Zeit

Energiewende Dorf feiert den Beginn einer neuen Zeit

Die Stimmung war hervorragend, die Atmosphäre gelöst, während die Schwabendorfer die Einweihung ihres Nah-wärmenetzes feierten.

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Karsten Müller (links) beantwortete seinen Gästen zahlreiche Fragen zur Biogasanlage.Fotos: Heinz-Dieter Henkel

Schwabendorf. Obwohl viele Einwohner die Bauarbeiten der vergangenen Monate genauestens beobachtet und begleitet hatten, pilgerten rund 60 Bürger mit Ortsvorsteher Günther Aillaud zur Biogasanlage, um nach Abschluss sämtlicher Bauarbeiten alles nochmals genauestens in Augenschein zu nehmen.

Karsten Müller, Junglandwirt und einer der Betreiber der Anlage, war vor Ort und gab bereitwillig Auskunft und beantwortete die zahlreichen Fragen, die zum Betrieb und zur Unterhaltung gestellt wurden. Unter anderem erinnerte er an die Überlegungen die zum Bau der Biogasanlage führten: Durch die Viehhaltung ist Gülle in ausreichender Menge verfügbar, noch dazu kann Mais ortsnah angebaut werden - und so zählten die Schwabendorfer eins und eins zusammen.

„So gesehen haben wir mit der Biogasanlage für Schwabendorf eine Win-win-Situation geschaffen“, sagte Müller und ergänzte: „Durch den Bau des Nahwärmenetzes ist auch die Dorfgemeinschaft enger zusammengewachsen.“

Nächstes Projekt in Planung

Aktuell arbeitet ein Mitarbeiter etwa drei Stunden täglich auf der Anlage, um diese zu „füttern“ und penibel Buch zu führen. „Sonst müssen wir wieder Geld zurückzahlen“, kommentierte Müller mit einem gequälten Lächeln den Verwaltungsaufwand. Während nach dem Öffnen der Türe im Maschinenhaus zwei Zündstrahlmotoren mit einer Dauerleistung von jeweils 280 Kilowatt für ohrenbetäubenden Lärm sorgen, ist im Regiehäuschen am Wärmepufferspeicher nebenan bestenfalls ein leises Surren zu hören. Dort wird die Abwärme in heißes Wasser umgewandelt. Von den ursprünglich veranschlagten 75 Haushalten sind 74 inzwischen an das Nahwärmenetz angeschlossen. Bei weiteren vier liegen die Anschlüsse - die Bewohner brauchen jedoch erst ihre Restbestände an Heizöl auf, bis auch sie umstellen.

In und am Dorfgemeinschaftshaus waren die Schwabendorfer derweil kräftig am Feiern. Mit dabei war neben einigen Firmenvertretern auch Landrat Robert Fischbach. Er freute sich, dass mit der sechsten Nahwärmeanlage im Kreis ein weiterer kleiner Schritt hin zur energetischen Selbstversorgung des Landkreises bis ins Jahr 2040 geschaffen sei.

Eher mahnend waren die Worte von Gunter Brandt, Physiker und Planer des Nahwärmenetzes. Bei aller Freude über das gelungene Projekt wies er darauf hin, dass der Stromanteil am gesamten Energieverbrauch nur rund 20 Prozent betrage. Er bezeichnete Schwabendorf als ein „Leuchtturmprojekt“ bei dem man mit Blick auf die Energiewende jedoch nicht stehenbleiben dürfe.

Bürgermeister Michael Emmerich, selbst an der Nahwärmeversorgung im Stadtteil Josbach maßgeblich beteiligt, freute sich, dass dank des Baus des Nahwärmenetzes und der Verlegung eines Glasfaserkabels ein weiterer Stadtteil „zukunftsfähiger“ gemacht worden sei.

Sichtlich erleichtert plauderte die Genossenschaftsvorsitzende Eva Hawig über die Anstrengungen und Mühen der vergangenen Monate. „Es war nicht immer leicht, die verschiedenen Vorgaben und Interessen zusammenzuführen und eine Lösung zu finden“, sagte sie. Alle Beteiligten seien jedoch immer kompromissbereit gewesen, lobte sie Planer, Baufirmen wie auch die Bürger.

Nicht ohne Stolz wies sie darauf hin, dass die Schwabendorfer mit 3500 Euro Anschlusskosten pro Haushalt ausgekommen seien. „Wir haben mit der aktuellen Niedrigzinsphase aber auch viel Glück gehabt“, ergänzte sie.

Und während es sich die Gäste zu den Klängen des Posaunenchors kulinarisch gut gehen ließen, saßen Bürgermeister Michael Emmerich, Planer Gunter Brandt und Familie Stracke an einem separaten Tisch, um das nächste Nahwärmeprojekt „Fiddemühle“ in Angriff zu nehmen.

von Heinz-Dieter Henkel

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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