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Dörfer brauchen jetzt vor allem "offene Ohren"

Diskussion Dörfer brauchen jetzt vor allem "offene Ohren"

Der ländliche Raum steht vor einigen Herausforderungen. In Kleinseelheim diskutierten darüber Kommunalpolitiker. Ein Fachmann stellte mögliche Hilfen vor.

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Die Politiker Helga Sitt (von links), Olaf Hausmann, Moderatorin Andrea Soboth, Uwe Pöppler und Regionalmanager Stefan Schulte diskutierten die Zukunft kleiner Dörfer.

Quelle: Yanik Schick

Kleinseelheim. Es sind die immer wieder kehrenden Schreckgespenste, die in der Diskussion um die Zukunft kleinerer Dörfer auftauchen: der demografische Wandel, hohe Leerstände und auch das Thema Landflucht zählen dazu. Angesichts solcher Entwicklungen stehe der ländliche Raum vor großen Herausforderungen, glaubt Rainer Waldhardt.

Als Ortsvorsteher von Kleinseelheim spricht er aus eigener Erfahrung. „Dörfer, die sich in den kommenden Jahren nicht weiterentwickeln, werden einen Rückschritt erleben“, lautet seine Überzeugung. Doch wie soll dieser von ihm geforderte Fortschritt konkret aussehen? „In unserem Fall gilt es zu betonen, dass man hier in Kleinseelheim sehr gut wohnen kann.“

Dazu müsse beispielsweise alte Bausubstanz erhalten werden, es brauche gute Voraussetzungen für die Arbeit der örtlichen Vereine - aber gleichzeitig auch neue, innovative Projekte wie die Installation von schnellen Internetleitungen. Für all dies aber, das weiß auch Waldhardt, muss zunächst einmal das nötige Kleingeld bereitstehen. Und das zu bekommen, ist gerade innerhalb der Schutzschirm-Kommune Kirchhain kein leichtes Unterfangen.

Gemeinden und nicht nur einzelne Dörfer sollen von den Fördermitteln profitieren

Gerade deshalb war Stefan Schulte, erfahrener Regionalmanager der Leader-Region Burgwald-Ederbergland, in das Dorfgemeinschaftshaus eingeladen.

Vor rund 30 Zuhörern stellte er zwei Möglichkeiten vor, wie Ideen und Projekte aus Dörfern finanziell gefördert werden können. Zunächst beleuchtete Schulte das „integrierte kommunale Förderungskonzept“, kurz Ikek genannt. Es ersetzt seit 2012 das Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen und stellt finanzielle Unterstützung unter anderem für die Entwicklung von Infrastruktur, bürgerlichem Engagement sowie Verkehr oder Bildung in Aussicht.

Seit der Umstrukturierung des Programms vor drei Jahren sollen ganze Gemeinden von den Fördermitteln profitieren - und nicht nur einzelne Dörfer, wie es zuvor der Fall war.

Das birgt aber auch die Herausforderung, dass alle Ortsteile bei der Aufstellung des gesamtkommunalen Konzepts auf einen Nenner kommen müssen, bevor die Bewerbung an den Landkreis abgeschickt werden kann. In Kirchhain scheint dies nahezu unmöglich, haben die zwölf Stadtteile doch mitunter ganz verschiedene Bedürfnisse und Interessen.

2,1 Millionen Euro stehen stehen für Handlungsfelder zur Verfügung

Schulte selbst warnte daher vor dieser Methode und gab ferner einen Einblick in die Arbeit der Leader-Region Burgwald-Ederbergland. Dort haben sich 15 Städte und Gemeinden aus den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg zusammengeschlossen, die Stadt Kirchhain zählt auch dazu.

Im Vordergrund des Vereins stehen die drei Handlungsfelder Klimaschutz und Natur, Leben und Arbeit sowie Tourismus und Regionalkultur. Zur Umsetzung diverser Vorhaben hat die Region Burgwald-Ederbergland aus dem EU-Förderprogramm Leader bis 2020 einen Betrag von 2,1 Millionen Euro zur Verfügung.

In der Vergangenheit war beispielsweise das Projekt Naturerlebnis Erlensee seitens Leader mit fast 70000 Euro subventioniert worden. Ob ein Projekt Fördermittel der Leader-Region erhält, entscheidet immer deren Vorstand jeweils nach einem strikten 30-Punkte-Plan.

Ideen sammeln, Motivation fördern

Wie können sich Dörfer nun attraktiv halten und in der Praxis von den genannten Programmen profitieren? Darüber diskutierten Kirchhains Kommunalpolitiker Uwe Pöppler (CDU), Olaf Hausmann (SPD) und Helga Sitt (Bündnis 90/Die Grünen) im Anschluss.

Reinhard Heck (Linke) und Angelika Aschenbrenner (FDP) ließen sich entschuldigen. „Veränderungsprozesse gehen nicht von heute auf morgen“, sagte Uwe Pöppler, „wir müssen Ideen in den Ortsteilen sammeln, dann werden wir auch Lösungen finden.“

Olaf Hausmann betonte: „Es ist ein wichtiger Punkt, die Motivation in den Dörfern anzuschieben.“ Und Helga Sitt war davon überzeugt: „Wir müssen in den Dörfern genau hinhören, und wenn jemand eine Idee hat, müssen wir sie aufgreifen.“

von Yanik Schick

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