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Distanz zu einigen "faulen Äpfeln"

Stadtallendorfer Muslime Distanz zu einigen "faulen Äpfeln"

Ein großer Teil der in Stadtallendorf aufgenommenen Flüchtlinge ist muslimischen Glaubens. Darum ist für viele von ihnen die Fatih-Moschee ein wichtiger Anlaufpunkt in der Stadt.

In den jüngsten Freitagsgebeten hat der Vorbeter wiederholt zur Ächtung von Terror und Gewalt aufgerufen. 

Quelle: Archivfoto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Etwa 20 bis 30 Muslime aus dem Zeltcamp besuchen täglich die Fatih-Moschee im Wupperweg, so schätzt der Vorstand der muslimischen Gemeinde. „Es schwankt sehr im Moment wegen des Wetters“, sagt Erkan Erdogan vom Vorstand im Gespräch mit der OP.

Viele von ihnen bieten der Gemeinde ehrenamtliche Hilfe an, was dort natürlich positiv registriert wird. Ihrerseits wollen die heimischen Muslime ebenfalls helfen. „Wir bieten das an, was uns möglich ist“, fasst es Mahmut Sanal zusammen. Er ist der Vorbeter (Hodscha) oder Religionsbeauftragter in der Fatih-Moschee.

Gemeindemitglieder verteilten Fahrräder

Hilfe und auch materielle Unterstützung für Bedürftige ist für Muslime Teil ihrer religiösen Pflichten. 30 bis 40 Fahrräder haben Gemeindemitglieder inzwischen an Flüchtlinge verteilt. Für Kinder wurden kleine Geschenke beim Opferfest organisiert. „Manche Familie haben einzelne Flüchtlinge an die Hand genommen, um mit ihnen einkaufen zu gehen“, nennt Erdogan ein weiteres Beispiel.

Rund 3000 Euro Barspenden hat der Gemeindevorstand gesammelt und weitergegeben. Kinder haben davon unter anderem ein kleines Taschengeld erhalten, keine großen Beträge, wie der Moscheevorstand gleich betont. Er sehe das auch als Beitrag zur künftigen Integration der Flüchtlinge in die deutsche Gesellschaft, erläutert Vorbeter Sanal im Gespräch mit der OP, das Erkan Erdogan dabei in Teilen übersetzte. Denn es gibt unter den Muslimen durchaus auch Sorgen nach den Terroranschlägen von Paris, von denen sich die Gemeinde umgehend und sehr deutlich distanziert hatte (die OP berichtete), unter anderem mit einer spontanen Teilnahme an der Gedenkstunde zum Volkstrauertag. Dem Vorstand sei es wichtig, sich „dagegenzustellen“, wie es in einer Erklärung heißt.

Angst vor negativen Reaktionen

Es gibt die Sorge, dass die Taten von fanatischen Mördern wieder negativ auf das Islambild in Deutschland abfärben. Genau diese Angst hatten die Muslime auch im Januar, nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo artikuliert angesichts mancher Reaktionen in der deutschen Öffentlichkeit.

Aber es gibt auch die Angst, dass Negatives von Flüchtlingen, die in Deutschland aufgenommen wurden, ebenfalls zu Verallgemeinerungen auf alle Muslime führt. Hodscha Anal war bei der Informationsveranstaltung zur Nutzung der Hessen-Kaserne dabei und hat dort auch die Aussagen zur Sicherheitssituation generell gehört. Der Leiter der Polizeistation Stadtallendorf, Heinz Frank, hatte davon gesprochen, dass 95 Prozent der ankommenden Flüchtlinge absolut rechtstreu seien, sich die Polizei um die anderen 5 Prozent aber kümmern müssen. Sanal zieht einen Vergleich. Er spricht von einem Korb reifer Äpfel, in dem leider auch einige faule lägen. Das heiße aber nicht, dass alle Äpfel deshalb ungenießbar seien. „Manches färbt leider ab auf seit Jahrzehnten friedlich in Deutschland lebende Muslime“, formuliert es Erkan Erdogan. Diesen Punkt hatte der Gemeindevorstand auch in einer Erklärung formuliert. Es geht um die Befürchtung, dass etwas, was über Jahrzehnte aufgebaut wurde, zerstört wird.

Kulturfest soll im Mai stattfinden

Ihre Verbundenheit mit der Stadt wollen die Mitglieder der Gemeinde auch im nächsten Jahr wieder mit eigenen Veranstaltungen zeigen: Am 14. und 15. Mai gibt es wieder das Kulturfest im Wupperweg, das bei der Premiere sehr gut ankam.

Erdogan lobt die guten Verbindungen, die es zwischen der Stadt und der Gemeinde gibt, erwähnt exemplarisch den spontanen Besuch von Bürgermeister Christian Somogyi am Samstag nach den Anschlägen von Paris in der Fatih-Moschee.

von Michael Rinde

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