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Diskussion um den Platz entbrennt

Flüchtlinge Diskussion um den Platz entbrennt

Ab Anfang Februar werden in der ehemaligen Gaststätte Nölp und dem angrenzenden Gebäude bis zu 60 Flüchtlinge untergebracht. Etwa 80 Bürger machten sich vorab ein Bild von der Unterkunft.

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Einblick in eine Unterkunft für Flüchtlinge – ein Mann macht während seines Besuchs ein Foto von einem der Zimmer.

Quelle: Yanik Schick

Wohra. Fast den ganzen Vormittag über war Marian Zachow von einer kleinen Menschentraube umgeben. Die Wohraer Bürger überhäuften den Ersten Kreisbeigeordneten mit Fragen zur neuen Flüchtlingsunterkunft. Beharrlich gab Zachow Antworten, nannte Fakten und versuchte, etwaige Sorgen der Anwohner abzuschwächen. „Mein Eindruck ist, dass die Wohraer ausgesprochen offen sind“, bilanzierte er danach.

Das scheint zu stimmen - denn grundsätzliche Kritik daran, dass es ab Februar in Wohra eine zweite Wohnstätte für Flüchtlinge geben wird, war am Samstag nicht zu vernehmen. Wohl aber Bedenken, was die Art der Unterbringung anbetrifft. Gerade nachdem einige Besucher die ehemalige, inzwischen umgebaute Gaststätte Nölp von innen gesehen hatten, äußerten sie diese.

Gut 40 Betten stehen bereit

„Es fehlt der Privatbereich. Die Menschen haben keine Intimsphäre“, befand Susan Bickel aus Langendorf. Ein Wohraer, der namentlich nicht erwähnt werden will, hatte derweil die Betten in der alten Gaststätte gezählt und war lediglich auf „gut 40“ gekommen. Daraus zog er den Schluss: „Es ist überhaupt kein Platz für 50 Flüchtlinge vorhanden. Das wäre eine Überbelegung.“ Gemeinsam mit dem angrenzenden Wohngebäude sollen sogar bis zu 60 Menschen in der Gemündener Straße untergebracht werden.

Ist der Raum dafür tatsächlich zu klein? Mitnichten, betonte Wohratals Bürgermeister Peter Hartmann. In den insgesamt 22 Schlafzimmern, manche davon bis zu 35 Quadratmeter groß, sei vergleichsweise viel Platz. Dort könnten später noch Hochbetten mit je zwei Matratzen aufgestellt werden. Aktuell sind nur Einzelbetten vorhanden, maximal vier in jedem Raum. Hartmann erklärte nochmals, dass das einzige Zimmer im Dachgeschoss aus Brandschutzgründen nicht genutzt werde. Zum Thema Privatsphäre äußerte sich Carsten Prill, der Geschäftsführer der künftigen Betreibergesellschaft Prill Dienstleistungen. „Die Menschen sind es von zu Hause gewohnt, auf engem Raum zu leben. Für sie ist das gar nicht so ein Problem wie für uns.“

Vor allem der ehemalige große Saal der Gaststätte, der nun durch Leichtbauwände auf zwei Etagen dreigeteilt ist, schafft den Platz für die vielen Schlafzimmer, in denen es neben Betten auch Kühlschränke, Tische und Spinde gibt. In der früheren Küche sind sechs Duschen eingebaut worden. Die neue Küchenzeile befindet sich jetzt im Raum neben der Theke und soll von den Flüchtlingen selbst genutzt werden. Der Betreiber sorge laut Prill lediglich in Person des Hausmeisters dafür, dass ein reibungsloser Tagesablauf garantiert ist.

Wer kommt, ist noch ungewiss

Zu der Frage, welche Menschen ab Anfang Februar in Wohra einziehen werden, konnte Zachow noch keine Aussage treffen - ebenso wenig wie zu Herkunft oder Aufenthaltsdauer der Asylbewerber. Der Gemeindevorstand hatte gefordert, dass der neuen Unterkunft überwiegend Familien zugewiesen werden sollen. „Wir können nur in die Glaskugel schauen“, sagte Zachow, wies aber darauf hin, dass aufgrund der aktuellen Bedarfssituation „eine ganze Menge Einzelpersonen“, also vermutlich junge Männer, nach Wohra kommen werden.

Mit der Belegung der alten Gaststätte und des Wohngebäudes läge der Anteil von Asylbewerbern an der Wohraer Einwohnerschaft bei mehr als zehn Prozent. „Dass da das Umfeld Ängste hat, kann man schon verstehen“, sagte Barbara Bach, die sich selbst für die Flüchtlinge in der seit gut 20 Jahren bestehenden Unterkunft in der Straße „Zum Bahnhof“ engagiert. Sie ergänzte, ein Sicherheitsdienst sei deshalb womöglich wichtig. „Das wäre ein absolut falsches Zeichen“, entgegnete Carsten Prill. Sein Unternehmen betreibt auch Unterkünfte in Neustadt, Stadtallendorf und Biedenkopf. Die Erfahrung zeige: „Es gibt keinen Ärger mit Schlägereien oder sonst was. Diese Menschen haben dieselben Probleme wie wir auch.“ Und Peter Hartmann ergänzte: „Wenn es zu Zwischenfällen kommen sollte, dann muss der Landkreis reagieren.“

von Yanik Schick

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