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Diebesgut landet auf der Anklagebank

Nachfolge-Prozess um "Drogen-Oma" Diebesgut landet auf der Anklagebank

Die in den Drogenszene „Oma“ genannte betagte Rauschenberger Drogenhändlerin hat der Justiz schon viel Arbeit gemacht. Ihr Auffliegen löste eine ganze Prozesswelle aus.

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Im Spiegel eines im Zweirad-Unterstand des Stadtallendorfer Bahnhofs abgestellten Rollers zeigt sich die Straße am Bahnhof. Zwei solcher Spiegel stahl ein Angeklagter. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain / Rauschenberg. von Matthias Mayer

Kirchhain / Rauschenberg. Edgar Krug, Direktor des Kirchhainer Amtsgerichts, hatte es bereits zum zweiten Mal mit einem Delinquenten aus dem Umfeld der Seniorin zu tun, die derzeit in Frankfurt-Preungesheim eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten absitzt. Der 45-jährige Angeklagte gehörte zu den Nachbarn der vorsichtigen Drogenhändlerin, die für diese Betäubungsmittel verwahrte und deren Tun schließlich durch eine richterlich angeordnete Telefonüberwachung aufgedeckt wurde.

Haschisch, Amphetamineund ein Butterflymesser

Das Ergebnis dieser Telefonüberwachung bescherte dem Hartz-IV-Bezieher am 16. Oktober 2014 eine Hausdurchsuchung. Bei dieser stellten die Polizei zwei Gramm Haschisch, gut zehn Gramm Amphetamine sowie ein nach dem Waffenrecht verbotenes Butterflymesser sicher. Im Zuge der Ermittlungen war zudem herausgekommen, dass er in zwei Fällen einer Bekannten einen Joint überlassen hatte. Unabhängig von diesem Tatkomplex musste er sich nach den drei Anklagesätzen von Oberamtsanwalt Reinhard Hormel auch noch wegen Diebstahls verantworten.

Die Beweisaufnahme zum Drogenkomplex verlief kurz und schmerzlos, denn nachdem Rechtsanwalt Ralf Luthe ein Geständnis seines Mandanten angekündigt hatte, bestellte Edgar Krug die Zeugen zu diesem Tatvorwurf ab. Die jüngste Rauschenberger Völkerwanderung durch heimische Gerichtssäle fand also keine Fortsetzung.

Der Angeklagte gab dann auch den unerlaubten Besitz des Haschisch und der Ampheta­mine zu. Und er gestand, einer Bekannten zweimal in seiner Wohnung einen Joint gereicht zu haben.

Dagegen war er sich wegen des Besitzes des Butterflymessers keiner Schuld bewusst. Das Messer besitze er schon seit 20 Jahren. Er habe nicht gewusst, dass diese Messer verboten seien. Eine für das Verfahren unerhebliche Aussage, denn Unwissenheit schützt bekanntlich nicht vor Strafe. Das Verbot gibt es in Deutschland seit dem 1. April 2003. Dessen ungeachtet wird diese Messerart noch immer von deutschen Firmen und unter deutschen Markennamen vertrieben. Allerdings werden diese Messer nicht nach Deutschland und auch nicht in die Schweiz ausgeliefert.

Blieb noch der dritte Anklage­vorwurf: Am 14. Oktober um 17.45 Uhr soll der Angeklagte von einem in der Schmal­eicher­torstraße abgestellten Motorroller beide Rückspiegel und die Windschutzscheibe abmontiert haben. Auch zu dieser Tat bekannte sich der Angeklagte und lieferte ein originelles Motiv. Er habe einen Zahnarzt-Besuch des ihm bekannten Rollerfahrers zur Demontage der Gegenstände genutzt, um damit den Geschädigten zur Herausgabe seines Tablet-Computers zu zwingen. Das Tablet habe er seinem ehemaligen Freund als Pfand für geliehene 70 Euro überlassen.

Liebesgabe an Silvester: Spiegel in Geschenkpapier

Ein Mann klaut drei „Pfänder“, um mit diesen die Herausgabe eines eigenen Pfandes zu erreichen, ohne die eigenen Schulden zu tilgen. Ein dreistes Buben­stück, hinter dem zweifellos eine interessante Rechtsauffassung steckt. Warum er denn nicht einfach seinem Gläubiger die 70 Euro gegeben habe, wollte Edgar Krug vom Angeklagten wissen. Der sei nicht gut auf ihn zu sprechen und mit ihm zu verhandeln sei schwierig, antwortete der Angeklagte. Als Zeichen seines guten Willens habe er einen in Geschenkpapier eingepackten Spiegel an Silvester neben dem Roller abgelegt.

Das hat die Gesprächsbereitschaft des Geschädigten nicht gefördert. Er zog es vor, als einziger verbliebener Zeuge der Hauptverhandlung fern zu bleiben, was ihm ein Ordnungsgeld in Höhe von 100 Euro einbrachte. Damit fand der Angeklagte keinen Abnehmer für die verbliebenen Gegenstände, die er auf der Anklagebank ausbreitete. Seine Verteidiger Ralf Luthe erklärte sich bereit, das Diebesgut dem Geschädigten als Treuhänder zu übergeben.

Auf Antrag der Verteidigung stellte das Gericht das den Diebstahl betreffende Verfahren nach § 154 der Strafprozessordnung ein. Wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln, des Überlassens von Betäubungsmitteln und wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilte das Gericht den neunfach vorbestraften Mann zu einer Gesamt-Geldstrafe in Höhe von 65 Tagessätzen à 13 Euro. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

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