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Die zentrale Woche entfällt diesmal

Kulturspektakel Die zentrale Woche entfällt diesmal

Für viele Menschen ist das Kulturspektakel gleichbedeutend mit einer zentralen Woche, in der täglich Veranstaltungen stattfinden. Doch genau die entfällt in diesem Jahr wegen terminlicher Probleme.

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Die erste Kunstausstellung – ein Teil des Kulturspektakels vor zwei Jahren – war ein großer Erfolg. Hier erläutert Elke Willmund (rechts) Marlies und Reinhard Franke ihre „Erde der Zukunft“.

Quelle: Archiv

Amöneburg. „Wir zeigen, dass wir flexibel sind“, sagt Michael Richter-Plettenberg, Bürgermeister und Vorsitzender des Fördervereins Kulturspektakel.

„Das ist situatives Arbeiten“, ergänzt sein Stellvertreter im Verein, Werner Eismann. Die beiden beziehen sich auf die neue Struktur, die das Kulturspektakel in diesem Jahr haben wird. Die Woche mit täglichen Veranstaltungen im Zwinger entfällt aufgrund Terminschwierigkeiten: Fußball-Europameisterschaft, Amöneburger Schlossfestspiele und die Sommerferien schränken Stadt und Verein ein. Die Folge: Das diesjährige Kulturspektakel verteilt sich über das ganze Jahr.

Los geht es am 21. April um 20 Uhr in der Aula der Stiftsschule mit einer Veranstaltung, die in die Criminale 2016 im Landkreis eingebettet ist. Peter Godazgar, Autor aus Halle, hat einen Amöneburg-Krimi geschrieben und wird die Kurzgeschichte „Die Kofferträger von Amöneburg“ bei der Welturaufführung höchstpersönlich vorlesen.

„Ich war überrascht von der Geschichte. Godazgar hat nichts von unseren Vorschlägen umgesetzt, aber sie ist sehr witzig. Er hat mir versprochen, dass es genial wird“, sagt Richter-Plettenberg und kündigt noch einen zweiten Autor an. Geplant sei, die Lesung zu einem echten „Event“ zu machen - mit Sektempfang, einem Unplugged-Auftritt von Softeis und „Krimi-Häppchen“ im Anschluss.

Kinder-Veranstaltungen finden im „Zwinger“ statt

Am 11. Juni steht dann eine Veranstaltung in Kooperation mit der Volkshochschule (Vhs) des Landkreises an: Gerhard Kranke nimmt seine Gäste mit auf einen literarischen Spaziergang, der von der Waschbach zum ehemaligen Kloppwerk führt und wohl mit einem Picknick endet.

„Magische Orte wie diese eignen sich vortrefflich, Dichter wie Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Theodor Storm, Wilhelm Raabe und andere in jeweils eindrucksvollen Textpassagen vorzustellen“, heißt es in der Ankündigung der Vhs (die bereits Anmeldungen entgegennimmt unter Telefon 06421/4056710).

Nur wenige Tage später geht‘s dann doch kurzzeitig in den Zwinger, wo wenigstens das Kinder-Kulturspektakel (als Teil des Jungen Kultursommers Mittelhessen - ehemals Kinderkultursommer) stattfindet: Am 15. Juni führt das Figurentheater Laku Paka - das beim Hessischen Kinder- und Jugendfestival den Preis als beste Inszenierung abstaubte - für Grundschüler das Stück „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf. Kindergartenkinder bekommen am 21. Juni „Oh, wie schön ist Panama“ zu sehen. Manfred Küster bringt das Stück von Janosch als Figurentheater auf die Bühne. Bei beiden Veranstaltungen ist die Zahl der Zuschauer auf 120 begrenzt.

Vom 10. bis 31. Juli wird dann die vom Betreiber kostenlos zur Verfügung gestellte Tennishalle zur Kunstausstellung. „Diese wurde vor zwei Jahren so gut angenommen, dass wir sie unbedingt wiederholen wollten“, sagt Eismann und betont: „Hatten wir bei der Premiere den Fokus auf den Ostkreis gelegt, so kommen in diesem Jahr auch Künstler aus Marburg und der Umgebung hinzu.“ Das Thema lautet „Art Amöneburg - Africa“ - eine Folge der Bestrebungen der Stadt, die Pate der „Amöneburg Dining Hall“ an einer Schule in Uganda werden will (die OP berichtete ausführlich über das Projekt).

Kunst-Aktion für „Amöneburg Dining Hall“

Da diese Patenschaft keine Kosten verursachen soll, die Amöneburger das Projekt aber trotzdem finanziell unterstützen wollen, planen Stadt und Kulturspektakel-Förderverein eine Auktion. Angedacht ist, dass jeder der 25 bis 35 teilnehmenden Künstler ein Bild oder ein Skulptur zur Verfügung stellen und einen Mindestpreis festlegen soll.

Dieser Betrag geht dann an den Künstler, der Rest fließt in das Schulprojekt. „Afrika ist ein riesiger Kontinent, der sehr unterschiedlich ist. Entsprechend vielfältig kann auch die Kunst sein - Farben, Formen oder Muster können der Bezug sein“, kommentiert Richter-Plettenberg die Tatsache, dass nicht unbedingt jeder Künstler ein Ausstellungsstück mit einem direkten Bezug zu Afrika in petto hat.

Die Nacht der Keller findet in diesem Jahr am 9. September statt - einem Freitag, auf den die Organisatoren ausweichen, um Rücksicht auf die zahlreichen Samstagstermine in den Stadtteilen in dieser Zeit zu nehmen. Vorgesehen ist, wieder die Kellerbesitzer anzusprechen, ob sie an dem Termin teilnehmen und eventuell auch die evangelische Kapelle und den Burgkeller miteinzubeziehen.

Zum Abschluss gibt es dann am 19. November das traditionelle Softeis-Konzert - diesmal in Raabs Saal in Mardorf, wo Gerhard und Werner Eismann einst als Zwölfjährige vor 200 Zuschauern ihr Bühnendebüt bei einem Beat-Abend gaben.

Kulturspektakel bleibt Thema der lokalen Politik

„Es muss furchtbar gewesen sein“, gibt Werner Eismann heute zu. Weitaus besser dürfte dann ihr Konzert 40 Jahre später gewesen sein, das sie anlässlich des Bühnenjubiläums gaben. Mit dabei sollen dann auch die Mardorfer Bands Glassbowstones und Kabitt sein. „Das Konzert ist nicht nur immer ein Höhepunkt des Kulturspektakels, sondern es ist auch stets eine Frage der wirtschaftlichen Betrachtung - daher war klar, dass es auf jeden Fall stattfindet“, sagt Richter-Plettenberg.

Das Kulturspektakel bleibt derweil ein politisches Thema. Vorstandsmitglieder des Vereins waren Ende des vergangenen Jahres auf einer Sitzung der CDU. „Wir liegen gar nicht so weit auseinander“, kommentiert Eismann und berichtet von guten Gesprächen. Die Fraktion will die Veranstaltungsreihe künftig an der „Einbindung der örtlichen Vereine, der Dezentralisierung der Veranstaltungsorte und an der weiteren Senkung des städtischen Personaleinsatzes“ messen. Sie sehe das Kulturspektakel durchaus als sinnvolles Instrument des Stadtmarketings, das über die Stadtgrenzen hinaus wirke und auch den örtlichen Gastronomen nütze.

Härtester Kritiker ist allerdings die FWG, die für die kommende Stadtverordnetenversammlung einmal mehr einen Antrag entworfen hat, mit dem sie die „maximalen Verluste“ begrenzen will - abhängig von der Zahl der Veranstaltungen dürfe maximal ein Minus von 10.000 Euro entstehen.

Im Vorbericht ist unter anderem die Rede davon, dass die Analyse der Geschäftsberichte 2008 bis 2015 ein Gesamtdefizit von fast 200.000 Euro ergeben habe. Richter-Plettenberg wollte den Antrag im Vorfeld der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstag um 19.30 Uhr in den Sternstuben nicht kommentieren. Zum vermeintlichen Defizit ließ er sich nur entlocken: „Die Zahl halte ich für falsch.“

von Florian Lerchbacher

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