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Die magische Zahl ist geknackt

Bioenergie Die magische Zahl ist geknackt

Bis zum Baubeginn von Deutschlands größtem Solarthermiefeld und dem dazugehörigen Nahwärmenetz müssen die Mengsberger zwar noch einige Hürden überwinden, wichtige Schritte sind aber bereits getan.

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Bis zum Baubeginn von Deutschlands größtem Solarthermiefeld und dem dazugehörigen Nahwärmenetz müssen die Mengsberger zwar noch einige Hürden überwinden, wichtige Schritte sind aber bereits getan.

Quelle: Florian Lerchbacher

Mengsberg. Die magische Zahl von 150 ist geknackt - so viele Anmeldungen benötigte die Bioenergiegenossenschaft Mengsberg, damit ihr geplantes Projekt wirtschaftlich ist. Inzwischen haben sich 153 Haushalte für einen Anschluss an ein Nahwärmenetz angemeldet. Das bedeutet: Die Genossen können ihr geplantes, 3500 Quadratmeter großes Solarthermiefeld - das größte Deutschlands - und das dazugehörige, 9,5 Kilometer lange Netz bauen, das die Sonnenwärme in die Haushalte bringen soll.

Einige Hürden müssen noch überwunden werden

Allerdings sind noch einige Hürden zu überwinden, zum Beispiel muss die beantragte Mitgliedschaft im Genossenschaftsverband bestätigt werden. Zudem fehlt noch der Eintrag ins Genossenschaftsregister - ein Notar prüft derzeit die Unterlagen. Vor allem müssen die Stadtverordneten aber noch einer Bürgschaft in Höhe von 4,3 Millionen Euro zustimmen. Aus diesem Grund haben die Genossen die Bürgervertreter zu einem Informationsgespräch eingeladen. „Das Projekt wird im Grunde von der Stadtverordnetenversammlung unterstützt, weil sie die städtischen Gebäude für Anschlüsse an das Nahwärmenetz angemeldet hat“, sagt Bürgermeister Thomas Groll, betont aber gleichzeitig, dass dies nicht gleichbedeutend mit der Übernahme einer Bürgschaft sei. Er persönliche halte das Projekt für eine gute Sache, sonst wäre er auch nicht der Aufforderung gefolgt, Mitglied des Aufsichtsrates zu werden.

Groll will den Stadtverordneten nichts vorschreiben

Die Entscheidung über die Bürgschaft müssten allerdings die Stadtverordneten treffen - und denen wolle er keinesfalls etwas vorgeben.

In anderen Gemeinden des Ostkreises trat immer die Kommune als Bürge auf. Hauptargument war zumeist, dass im unwahrscheinlichen Falle einer Insolvenz der Genossenschaft der Gemeinde ein funktionsfähiges Nahwärmenetz zufalle, und das Risiko entsprechend gering sei.

Besonderheit in Mengsberg ist, dass die Genossen nicht auf eine Biogasanlage setzen, sondern ein 1,8 Hektar großes Modellprojekt aus Solarthermiepark und Heizzentrale, das am Ortsausgang Richtung Wiera in der Gemarkung „In den Beetengärten“ (Foto: Lerchbacher) entstehen soll. Insgesamt könnten 180 Haushalte mit der Nahwärme gespeist werden. Ortsvorsteher Karlheinz Kurz glaubt allerdings nicht, dass diese Zahl erreichbar sei: „Wobei wir genügend Platz zur Verfügung hätten, um das Solarthermiefeld noch zu erweitern und die Kapazität noch erhöhen könnten.“

4000 Euro Einlage pro Genosse

Die gesamten Investitionskosten belaufen sich auf rund 6,3 Millionen Euro - die sich aufteilen in rund 3,95 Millionen Euro für Technik, 1,5 Millionen Euro für Baumaßnahmen, rund 650000 Euro für Ingenieurleistungen und 200000 Euro für sonstiges. Von der Gesamtsumme abziehbar sind Fördermittel in Höhe von 960000 Euro für das Nahwärmenetz und 500000 Euro für die Solarthermie.

Die Einlage pro Genosse beläuft sich auf 4000 Euro - dafür gibt es eine Leitung bis in den Heizungskeller inklusive Übergabestation. „Das Gute bei uns ist: Wenn man irgendwann kein Mitglied der Genossenschaft mehr sein will, bekommt man seine Einlage wieder zurück“, betont Kurz und beziffert den Bruttopreis für die Kilowattstunde auf 13,92 Cent. „Man kann im Vergleich zum Heizöl richtig sparen“, ergänzt er, verweist allerdings darauf, dass sich dies in den ersten Jahren nicht bemerkbar mache: „Das Projekt ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Je länger man dabei ist, um so mehr spart man.“

Für kalte Winter ist vorgesorgt

Sollte die Sonnenenergie nicht ausreichen, um die Haushalte mit Wärme zu speisen, liefern zwei große Wärmepufferspeicher zusätzliche Energie. Bei besonders kalter Witterung stehen zudem drei Spitzenlastkessel bereit, die mit Biomasse betrieben werden: Neben einem Rapsöl-Kessel wird es zwei Holzhackschnitzel-Kessel geben. Die Heizzentrale soll außerdem noch eine Fotovoltaik-anlage bekommen, um Strom zu produzieren, mit dem sich die Pumpen der Anlage betreiben lassen.

Kommen alle Genehmigungen und laufen alle weiteren Planungen wie vorgesehen, so wäre noch in diesem Jahr Baubeginn. Entsprechend gilt es für Mengsberger, die theoretisch Interesse an einem Anschluss, sich aber noch nicht angemeldet haben, sich bald zu entscheiden. Für weitere Informationen stehen die Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates zur Verfügung. Zudem wollen die Mengsberger noch einen Genossenschaftsbeirat gründen, der sich aus sachkundigen Bürgern zusammensetzt, die den Vorstand unterstützen.

Weitere Infos gibt es hier.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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