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Die gefährlichen Bleileitungen kommen weg

Bauarbeiten Die gefährlichen Bleileitungen kommen weg

"In Mardorf gibt es wohl noch Mord und Totschlag", ist sich der Verfasser einer Nachricht an diese Zeitung sicher - der Bürgermeister sieht dies indes anders.

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Während dem Bau des Nahwärmenetzes – hier ein Bild vom Spatenstich – kamen Bleileitungen zu Tage.Archivfoto: Lerchbacher

Mardorf. Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg lässt sich erst gar nicht aus der Ruhe bringen - dabei hätte er allen Grund, sich aufzuregen: Die Stadtverwaltung hat mitgeteilt, dass sie in der Mardorfer Trinkwasserversorgung alte Bleileitungen austauschen lässt. Die Arbeiten seien unabhängig von den Arbeiten der Nahwärmengenossenschaft, die ihr Nahwärmenetz verlegen lässt, zu sehen. So steht es explizit in einer Mitteilung der Stadt.

Nichtsdestotrotz brodelt im Dorf die Gerüchteküche: „Wegen dem Straßenaufriss für eine Fernzentralheizung müssen jetzt rund 150 Familien eine neue Wasserleitung einbauen lassen“, heißt es in einer grammatikalisch holprigen und inhaltlich falschen Botschaft, die diese Zeitung erreichte. „Auf eigene Kosten von je 4000 bis 5000 Euro. Die Stadt will es so. Da gibt es wohl noch Mord und Totschlag“, steht dort weiter.

„Wo sollen denn diese Informationen herkommen?“ wundert sich Richter-Plettenberg und betont, dass er in der vergangenen Woche sowohl mit Ortsvorsteher Heinrich Benner als auch mit Besuchern des Seniorennachmittags in Mardorf gesprochen habe: „Da klang alles unproblematisch. Die Bürger sagten mir, sie würden unser Vorhaben akzeptieren.“

Falsch seien insbesondere die Kosten: „Sie sind abhängig von der Länge der Leitung. Da die Häuser im alten Dorf recht nah an der Straße stehen, sind die Leitungen kurz und die Kosten nicht so erheblich“, betont er und erklärt, wie das Projekt zustande kam: Während der Tiefbauarbeiten, die für den Bau des Nahwärmenetzes unabdingbar sind, kamen Wasserleitungen zutage, die noch aus Blei bestehen. „Blei ist gesundheitsgefährdend und wirkt sich als Nervengift auf das Blutbildungssystem aus“, sagt Richter-Plettenberg - entsprechend sei der Austausch unbedingt notwendig.

Die Stadt als Wasserversorger wird komplette Hausanschlussleitungen von der Sammelstelle in der Straße bis zur Wasseruhr austauschen lassen. Zunächst werde sie die Rechnungen der Fachfirmen begleichen -gemäß Wasserversorgungssatztung müssen ihr die Grundstückseigentümer allerdings die Kosten erstatten. „Da die Kosten in der tatsächlich anfallenden Höhe zu erstatten sind, werden die Arbeiten an jedem Anschluss sauber dokumentiert - auch mit Fotos - um Streitigkeiten über den Umfang der Arbeiten zu vermeiden“, ergänzt der Bürgermeister und stellt heraus, dass er verpflichtet sei, die Leitungen auszutauschen und das Gefährdungsrisiko aus der Welt zu schaffen.

Wo die Straßen nicht aufgerissen werden, sieht er keinen Handlungsbedarf: „Es ist nicht zumutbar, alle Straßen aufzureißen und nach Bleileitungen zu suchen!“ Wohl aber könne jeder Bürger, der die Wasserleitungen ausgetauscht haben will, die Stadt kontaktieren und die Leitungen auf den neuesten Stand bringen lassen: „Natürlich muss der Bürger auch die Kosten tragen“, fasst Richter-Plettenberg zusammen und erläutert, wie Menschen ihre Leitungen überprüfen können: „Ob eine Hausanschlussleitung noch aus Blei besteht, lässt sich recht einfach an der Leitung vor der Wasseruhr erkennen: Eine graue Metallleitung, die sich leicht mit einem Messer ritzen lässt, besteht fast immer aus Blei.“

Bei Rückfragen können Bürger Kontakt zu Volker Lehfeld (Bauamt) aufnehmen. Er erteilt weitere Infos unter Telefon 06422/929525.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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