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Die Zeit drängt: Deadline ist an Ostern

Bioenergiedorf Kleinseelheim? Die Zeit drängt: Deadline ist an Ostern

Kleinseelheim könnte das zweite Bioenergiedorf im Landkreis ohne Biogasanlage werden. Dazu müssen sich die Bürgerallerdings zeitnah zum Vorhaben bekennen.

Kleinseelheim. Das verdeutlichte Ortsvorsteher Professor Rainer Waldhardt, der seine Gemütslage nach einer mehrstündigen Informationsveranstaltung mit „vorsichtig optimistisch“ umschrieb. Unter den Zuhörern hat sich einiges bewegt, so seine Beobachtung. Und Bewegung kann der Ort gut gebrauchen, will er sein lange geplantes Projekt, die Kleinseelheimer Haushalte mit biologisch erzeugter Nahwärme zu versorgen, in die Tat umsetzen. Die Planung befindet sich an einem ganz entscheidenden Punkt. Nach allen theoretischen Vorüberlegungen geht es nun darum, ob sich genügend Anschlusswillige für das Nahwärmenetz finden. Wer zieht also mit auf dem Weg zum Bioenergiedorf?

Etwa 100 Haushalte, das hat die Machbarkeitsstudie ergeben, müssen sich an das neue Netz anschließen lassen - erst dann rentiert sich das Projekt für die Investoren. „Unsere Deadline ist Ostern“, sagt Rainer Waldhardt. Damit der vorgesteckte Zeitplan eingehalten werden kann, muss sich bis dahin die geforderte Anzahl an Hauseigentümern gemeldet haben. Im Zweifelsfall würden, wie Waldhardt ergänzt, wohl auch 90 Zusagen reichen. Wichtig sei eine schnelle Perspektive auf das Erreichen der „magischen Zahl 100“.

Exakt so viele Besucher waren zumindest schon einmal ins Dorfgemeinschaftshaus gekommen, um sich von den Vor- und Nachteilen einen Eindruck verschaffen zu können. Darunter waren allerdings auch mehrere Stadtverordnete aus der Kernstadt und den anderen Stadtteilen.

Ölpreis-Tief spielt Projekt derzeit nicht in die Karten

Ähnlich der Informationsveranstaltung im vergangenen Jahr (die OP berichtete) referierten vier Redner über das Thema Nahwärmeversorgung. Es dominierte - klar - die Kostenfrage. Der Heizölpreis ist derzeit so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Wozu also umsteigen? „Das wird doch wahrscheinlich alles viel zu teuer werden“, wandte auch ein Kleinseelheimer aus dem Auditorium ein.

Peter Momper, der Geschäftsführer der Bioenergie-Region Mittelhessen, hatte Zahlen und Fakten, die für einen möglichen Standort in Kleinseelheim Gegenteiliges belegten. Momentan, rechnete er vor, zahlen Verbraucher mit Ölheizung angesichts des niedrigen Kurses lediglich 11,06 Cent pro Kilowattstunde. Bei 140 Haushalten mit Nahwärmeversorgung würde der Einzelne 11,13 Cent bezahlen, also praktisch denselben Preis. „Wir müssen aber damit rechnen, dass der Ölpreis in Kürze wieder anzieht“, so Momper. In einer Beispielrechnung fügte er daher den Durchschnittspreis für Heizöl der vergangenen zehn Jahre ein - und landete bei 13,56 Cent pro Kilowattstunde.

Diese Zahlen schienen einige Skeptiker von der Idee „Bioenergiedorf“ zu überzeugen. „Ich habe eine 20 Jahre alte Heizung und müsste demnächst sowieso für eine neue investieren. Deshalb bin ich dieser Sache gegenüber positiv gestimmt“, erklärte Helmut Weber. „Mit Nahwärme hätten wir den Vorteil, nicht mehr auf Öl-Multis angewiesen zu sein“, sagte derweil Armin Kreider.

Heckenschnitt undHolzhackschnitzel

Doch auf welche Heizquelle soll ein Bioenergiedorf in Kleinseelheim aufgebaut werden? Eine Biogasanlage gibt‘s im Ort nicht und wird es auch in Ermangelung von weiteren Flächen für den Anbau von Energiemais nicht geben. „Ich würde hier mit der Verbrennung von Holzhackschnitzeln und Heckenschnitt beginnen. Das sind bewährte Brennstoffe“, sagte Dr. Norbert Clement, Fachbereichsleiter Erneuerbare Energien beim Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Heizzentrale könnte in einem befahrbaren Silo am Ortsausgang Richtung Kirchhain eingerichtet werden. Zwar sei die Entscheidung dafür noch nicht gefallen, wegen der logistischen Vorteile wolle man den Ausgangspunkt der Wärme aber definitiv etwas außerhalb der Dorfmitte installieren, betonte der leitende Ingenieur Werner Arnold.

Auch wenn es bis zur Gründung einer Genossenschaft in Kleinseelheim wohl noch ein wenig dauert, informierte Bernd Riehl aus Erfurtshausen schon einmal über die vielen Vorteile. Am Ende sollten alle Zuhörer, die sich an das Nahwärmenetz anschließen lassen möchten, auf einer Karte ihr Haus mit einem grünen Sticker markieren. 25 dieser Art klebten einige Zeit danach auf dem Plakat. Ein Viertel ist also schon geschafft.

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