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Die Verpflichtung zur Verfüllung besteht

Auskiesung in Niederwald Die Verpflichtung zur Verfüllung besteht

Die Informationsveranstaltung zum geplanten Kiesabbau in Niederwald endete erwartungsgemäß ohne Konsens. Dafür wurde das Forum genutzt, Ängste und Sorgen offen anzusprechen.

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Zahlreiche Mandatsträger mischten sich unter die Niederwälder Bürger beim Infoabend zum Kiesabbau im Dorfgemeinschaftshaus Niederwald. Foto: Maik Drossel

Niederwald. Der Informationsabend des Ortsbeirats war nicht sonderlich gut besucht. Unter den 100 Teilnehmern befanden sich rund 60 Niederwälder. Die Bürgerinitiative gegen die weitere Auskiesung war so gut wie nicht vertreten. Der Grund dafür liegt auf der Hand: An diesem Abend ging es nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie die neue Auskiesung in nordwestlicher Richtung erfolgen soll. Details dafür finden sich im Rahmenbetriebsplan, der sich derzeit in der Offenlage befindet.

Der neue Baggersee soll bis auf 200 Meter an das Dorf heranreichen. Die Pläne beförderten die Besorgnis im Ort, irgendwann ganz von Wasserlöchern umzingelt zu sein. Von den bisherigen Kiesseen ist noch keiner verfüllt worden. Lediglich in einen See wird Erdaushub eingebracht.

Thilo Orgis, der das Kieswerk Herrmann vertrat, versuchte, dieser Angst zu begegnen, indem er zu Beginn das bergbaurechtliche Planfeststellungsverfahren zur Erweiterung der Kiesgewinnungsfläche vorstellte. Dieser Plan sieht eine anschließende Verfüllung und Rekultivierung der Fläche vor. „Wir sind verpflichtet, zu verfüllen“, sagte Orgis, konnte aber für die Umsetzung dieser Verpflichtung keinen Zeitrahmen nennen.

Dass es an diesem Abend keine Auskünfte zu Details und Antworten auf die Fragen von Niederwälder Bürgern gab, sorgte für eine gewisse Verunsicherung unter den Besuchern. Ortsvorsteherin Christina Krantz bat darum, auf diese Ängste und Fragen einzugehen.

Zu diesen gehören die Sorgen der Eltern um die Sicherheit ihrer spielenden Kinder. Bislang ist keiner der Kiesseen eingezäunt. Auch der Verbleib des jetzigen Ohmtal-Radweges, der nah den Planungen weggebaggert wird, trieb die Anwesenden um, die zudem Zweifel an der Aussage des Kieswerks artikulierten, dass dies der letzte Antrag für eine Kiesgewinnungsfläche sein wird.

Der Radweg soll verlegt werden und für den neuen Kiessee sei ein Schutz im Gespräch, sagte ein Vertreter des Regierungspräsidiums Gießen, das die zuständige Genehmigungsbehörde ist.

Auch nach dieser Aussage dominierte das Misstrauen im Saal - auch gegenüber Gutachten zum Rahmenvertrag, das zu einem positiven Ergebnis für das Vorhaben kommt. Dieses Gutachten wird vom RP noch auf Plausibilität geprüft.

Ein Besucher hielt die Ängste und die Kritik an der weiteren Auskiesung für überzogen. „Die Kuh melken statt totschlagen“, sagte er und verwies auf die finanzielle Unterstützung zukünftiger Niederwälder Projekten durch das Kieswerk. Christina Krantz versuchte, beiden Seiten gerecht zu werden. „Es ist kein Argument zu sagen, ich möchte das nicht“, erklärte sie nach der Veranstaltung, aber es sei wichtig, auf die Wünsche und Ängste der Bürger einzugehen. Mehrfach wies sie die Anwesenden darauf hin, die Möglichkeit wahrzunehmen und die offengelegten Unterlagen des Rahmenbetriebsplans zu begutachten. Bis zum 30. Mai kann dieser im Verwaltungsgebäude „Blauer Löwe“, Borngasse 20, Zimmer 25, eingesehen werden. Einwände können bis zum 13. Juni eingereicht werden.

In den nächsten Wochen soll ein Städtebaulicher Vertrag mit dem Kieswerk Herrmann geschlossen werden, der der Stadt mehr Einfluss auf die Gestaltung der Auskiesung geben soll, sagte der Kirchhainer SPD-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Geil aus Niederwald.

Wie geht es weiter? Nach vorsichtigen Schätzungen des RP könnte der Erörterungstermin im August oder September erfolgen. Die Entscheidung könnte Anfang 2017 folgen.

von Maik Drossel

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