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Die Strafe folgt auf dem Fuß: Führerschein weg

Fahrschüler verunglückt im Kreisel Die Strafe folgt auf dem Fuß: Führerschein weg

Ein Angeklagter aus dem Ostkreis kam bei einer Verhandlung vor dem Kirchhainer Jugendgericht glimpflich davon. Er muss ein Verkehrsseminar besuchen und drei Monate auf seinen Führerschein verzichten.

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Nach einer Unfallfahrt muss ein Schüler ein Verkehrsseminar besuchen und drei Monate auf seinen Führerschein verzichten.

Quelle: Archivfoto

Kirchhain. Der junge Mann besaß noch keinen Führerschein, als er am 19. November 2014 gegen 21.10 Uhr auf der Landesstraße zwischen Hachborn und Wittelsberg im Heskemer Kreisel am Steuer eines Autos verunglückte. „Die Umstände am Unfallort waren etwas nebulös“, wie sich Jugendrichter Joachim Filmer während der Urteilsverkündung ausdrückte.

An der Unfallstelle fanden sich zunächst das beschädigte Auto und der laut Polizei volltrunkene und auf seinen Führerschein aus beruflichen Gründen angewiesenen Vater des zur Tatzeit 19,2 Jahre alten Angeklagten. Dieser war damals noch Fahrschüler. Die Führerscheinprüfung legte er erst später ab.

Abendschüler bekennt sich zur Tat

Trotz der fragwürdigen Begleitumstände bekannte sich der Abendschüler zu dem von Staatsanwalt Oliver Rust vorgetragenen Anklagevorwurf. „Das Warten auf den Führerschein hat mir zu lange gedauert. Deshalb bin ich losgefahren. Ich hatte damals schon einige Fahrstunden genommen“, berichtete der Angeklagte auf Nachfragen Filmers.

Der Angeklagte habe sich nach seinem Hauptschulabschluss 2012 drei Jahre lang vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht. Deshalb arbeite er jetzt auf den Realschulabschluss hin, berichtete Barbara Weber von der Jugendgerichtshilfe. Der junge Mann lebe noch bei seinen Eltern, habe sich noch nicht verselbstständigt.

Angeklagter wird nach Jugendrecht verurteilt

Deshalb empfahl sie die Anwendung von Jugendstrafrecht und die Teilnahme an einem Verkehrsseminar. Staatsanwalt Oliver Rust verschloss sich dem Vorschlag der Jugendgerichtshilfe nicht, auch wenn bei Verkehrsdelikten üblicherweise Erwachsenenrecht angewandt werde.

Da in der derzeitigen Situation des Angeklagten weder Arbeitsauflage noch Geldstrafe hilfreich seien, beantragte Oliver Rust, den Schüler nach Jugendrecht wegen Fahrens ohne Führerschein zur Teilnahme an einem Verkehrsseminar zu verurteilen. Zugleich beantragte er dreimonatiges Fahrverbot ohne die Entziehung der Fahrerlaubnis. Die Verteidigung schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft sehr gern an, und der Angeklagte zeigte sich in seinem Schlusswort reumütig: „Es tut mir leid. Ich weiß, dass ich nicht hätte fahren dürfen.“

Jugendrichter Joachim Filmer setzte im Urteil das von Anklage und Verteidigung beantragte Strafmaß gegen den nicht vorbestraften Schüler um. Staatsanwaltschaft und Verteidigung erklärten Rechtsmittelverzicht, so dass das Urteil sofort rechtskräftig wurde. Konsequenz für den Verurteilten: Ein Teil der Strafe folgte auf dem Fuß. Er musste seinen Führerscheinsofort dem Gericht aushändigen.

von Matthias Mayer

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