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Die Stadtmauer - Kirchhains teures Erbe

Die endlose Baustelle Die Stadtmauer - Kirchhains teures Erbe

„Die Mauer muss weg!“, lautete vor 25 Jahren im Wendeherbst der DDReine der populärsten Parolen. In Kirchhain dagegen heißt die Devise: Die Mauer muss bleiben. Für dieses Ziel gründete sich ein Verein.

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Der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Andreas Bartsch (2. von links) und Landrätin Kirsten Fründt (2. von rechts) überreichten gestern an den Förderverein Kirchhainer Kulturdenkmäler einen Spendenscheck über 7 500 Euro. Große Freude beim Vereinsvorsitzenden Klaus Weber (Mitte), der Schriftführerin Dagmar Schmidt (rechts) und bei Stadtrat Peter Ahne (links). Im Hintergrund großflächig sichtbar: der Verwendungszweck.Fotos (4): Matthias Mayer

Kirchhain. Die Kirchhainer Mauer trennt keine Menschen voneinander und sie sperrt auch niemanden ein. Es ist die auf beachtlicher Länge erhaltene Stadtmauer, ein unschätzbar wertvolles Zeugnis alter Baukunst und Kirchhainer Stadtgeschichte, das für die Nachwelt erhalten werden muss. Aber es ist auch ein sehr teures Erbe für Kirchhain, dessen Erhalt die Schutzschirm-Kommune finanziell überfordert. Deshalb gründete sich 2005 der heute rund 120 Mitglieder zählende Förderverein Kirchhainer Kulturdenkmäler, der seitdem hilft, wo er kann. Das Problem: Die Aufgaben sind größer als die eigenen Mittel.

Um so erfreulicher für den Verein, dass Landrätin Kirsten Fründt und Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, dem Förderverein gestern einen Spendenscheck über 7500 Euro überreichten. Die Stiftung will nachhaltige Projekte in Kunst, Kultur und Wissenschaft fördern.

Wie nachhaltig der Förderverein gefordert ist, verdeutlichte Klaus Weber den Überbringern am Beispiel der Stadtmauer im Annapark. Die bis zu zwei Meter starke Stadtmauer bestehe aus einem zweischaligen Mauerwerk. Der Innenraum sei mit Geröll und auch mit Dreck gefüllt worden. Dringe durch die Krone Wasser ins Innere des Bauwerks ein, gefriere dies im Winter und könne die gemauerten Außenhüllen wegsprengen. Das sei mehrfach geschehen.

Damit dies möglichst nicht mehr geschieht, beteiligt sich der Förderverein an der Finanzierung des Saison-Arbeitsplatzes von Helmut Schäfer. Der Fachmann ist außerhalb der Wintermonate ausschließlich damit beschäftigt, die Mauerkrone mit einem speziellen Mörtel abzudichten und die Mauer neu zu verfugen - alles in mühsamer Handarbeit.

„Der Helmut hat noch Arbeit bis zur Rente“, mutmaßt Klaus Weber und hat mit dieser Einschätzung mutmaßlich eher untertrieben. Schließlich verfolgt der Verein ein ehrgeiziges Ziel: Die Stadtmauer soll bis zu ihrem Ende am Amöneburger Tor restauriert werden.

Welch eine Herkulesaufgabe das ist, verdeutlicht Klaus Weber während eines Rundgangs mit der OP. Hier zeigt sich eine Ausbeulung in der Wand, wenige Schritte weiter sind Auswaschungen an der Mauer sichtbar. Übel sehen die Mauerteile aus, die früher mit Zementmörtel ausgebessert wurden. Zementmörtel und die Natursteine altern unterschiedlich schnell, erklärt Klaus Weber die Ursache dieses Übels.

Üppiger Pflanzenbewuchs setzt der Mauer zu

Besorgniserregend ist der Zustand der Mauer entlang der Mühlen-Wohra. Hier neigt sich die Mauer zum Teil dem Weg entgegen. Zudem setzt großflächiger Pflanzenbewuchs Buntsandstein und Mörtel zu. Die Mauer wird wegen der üppigen Vegetation an der Mühlen-Wohra nicht mehr besonnt und kann nicht trocknen. „Die Genehmigung zum Rückschnitt der Bäume und Sträucher liegt vor, aber weder die Stadt noch der Lahn-Ohm-Verband fühlen sich für diese aufwändige Arbeit zuständig“, teilt Klaus Weber mit.

Ansonsten ist er dankbar für die gute Kooperation mit der Stadt, die enge Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein und die erfreuliche Spendenbereitschaft. Damit meint er neben Groß-Spendern wie der Sparkassen-Stiftung auch die Bürgerinnen und Bürger, die den Vereinszweck mit kleineren Spenden unterstützten,oder zum Beispiel zu Gunsten des Vereins auf Geburtstagsgeschenke verzichteten.

Gut 100000 Euro hat der Förderverein seit seiner Gründung für den Erhalt Kirchhainer Kulturdenkmäler bereitgestellt. Die flossen in die Stadtmauer, den Hexenturm und das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Aber die Stadtmauer flüstert jedem Spender zu: Es gibt noch viel zu tun.

von Matthias Mayer

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