Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Die Stadt ist Energiegenosse Nummer 102

Energiewende Die Stadt ist Energiegenosse Nummer 102

Etwa zehn Wochen nach der Gründung trugen die Erfurtshäuser ihre Energiegenossenschaft beim Registergericht ein, machten sie somit rechtsfähig und schlossen am Montag den ersten Vertrag ab.

Voriger Artikel
200 Reifen gestohlen
Nächster Artikel
Auge in Auge mit schuppigen Exoten

Der Augenblick der ersten
Vertragsunterzeichnung war für Energiegenossen und Biogasanlagen-Betreiber ein historischer Moment.
Foto: Florian Lerchbacher

Erfurtshausen. Gleich unter zwei Verträge musste Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg seine Unterschrift setzen: Zum einen gehört die Stadt nun zum Kreis der Energiegenossen - sie ist Mitglied Nummer 102. Zum anderen schlossen Kommune und Genossenschaft den Wegenutzungsvertrag ab, der auch besagt, dass die Erfurtshäuser ein Nahwärmenetz legen dürfen. Da sie dafür unter anderem die Straße öffnen müssen, erhält die Stadt einen „pauschalen Kostenersatz“ und bekommt einen vergünstigten Preis für die Wärme für Bürger- und Feuerwehrgerätehaus - und das bei einem ohnehin niedrigen Bruttowärmepreis von 72 Cent für zehn Kilowattstunden Energie.

Sollten die Stadtverordneten dafür stimmen, dass die Stadt im Notfall bei einer Insolvenz der Genossenschaft mit 800000 Euro bürgt, bekommt die Stadt weitere Vergünstigungen.

Los geht es im März 2013

Geplant ist, dass die Verlegung des Nahwärmenetzes Ende März des kommenden Jahres beginnt. Erfurtshausen wird dann zur Großbaustelle, da auch Kanalarbeiten anstehen. Allerdings können Kanal und Nahwärmenetz nicht gleichzeitig verlegt werden, erklärt der Bürgermeister und betont, daher müssten die Straßen zwischenzeitlich wieder provisorisch verschlossen werden. Während die Arbeiten am Kanal am Ende des Sommers zu Ende gehen sollen, ist die Fertigstellung des Nahwärmenetzes für Anfang Oktober vorgesehen.

Morgen um 19 Uhr findet im Bürgerhaus eine Generalversammlung der Energiegenossenschaft statt. Zwar sind weit mehr Haushalte angemeldet, als die Erfurtshäuser ursprünglich kalkuliert hatten, dennoch sei das Wärmepotenzial der Biogasanlage noch nicht ausgeschöpft, betont Vorstandsmitglied Bernd Riehl. Die Veranstaltung richtet sich also nicht nur an Mitglieder sondern auch noch an interessierte Bürger. Und damit es in Form des Zwischenberichtes nicht nur etwas zu hören, sondern auch etwas zu sehen und fühlen gibt, haben die Erfurtshäuser eine Fachfirma zu Gast, die verschiedene Wärmetauscher-Modelle vorstellt: Das zuständige Planungsbüro hat sich für diese Technik entschieden, um eine strikte Trennung von Nahwärme- und Hausnetz zu sichern. „Dies dient dem Schutz. Die alten Rohre in manchen Häusern könnten unter Umständen mit dem erhöhten Druck nicht zurechtkommen - dem wollen wir vorbeugen“, erklärt Riehl.

Die Wärmezentrale richten die Erfurtshäuser derweil in einer teilweise leer stehenden Maschinenhalle der Eheleute Herbert und Maria Rhiel ein. Während eines Termins mit dem Kreisbauamt sprachen sie über Knackpunkte des Baurechts und sind nun zuversichtlich für die Umsetzung. „Lieber einen Leerstand nutzen als neu bauen“, gab Ortsvorsteher Wolfgang Rhiel als Motto aus.

Auch die Betreiber der Biogasanlage scheinen zufrieden: Während die Genossen Wärme erhalten, bekommen sie für rund zwei Millionen Kilowattstunden Energie einen Kraft-Wärme-Kopplungs-Bonus in Höhe von 60000 Euro. Noch steht die Unterschrift aus, doch beide Seiten sind zuversichtlich, schließlich hatten sie bei den Vertragsverhandlungen in Hans-Jochen Henkel, dem Vorstandssprecher der Energiegenossenschaft Oberrosphe, einen kompetenten Berater, dem Riehl ausgiebig Lob aussprach.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr