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Die Seherin löst den Fall

Criminale Die Seherin löst den Fall

Mit dem Kurzkrimi „Die Seherin von Rauschenberg“ streifte die kreisweite Criminale auch die Stadt Rauschenberg.

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Kratzen, beißen, Haare ausreißen

Autorin Anne Grießer fesselte die Besucher mit ihrem Kurzkrimi. Im Hintergrund: Johann Heinrich Riemenschneider. 

Quelle: Heinz-Dieter Henkel

Rauschenberg. Unvermittelt wird der Zuhörer durch Autorin Anne Grießer auf den Rauschenberger Marktplatz geworfen. Mit ihr stiegen auch die Besucher der Kratz‘schen Scheune aus dem aus Marburg kommenden Bus aus. Die Erzählerin sucht ihre Zwillingsschwester Carla Schuster, und wir suchen mit.

Im Hotel Lindenhof hat sie gewohnt, erfahren wir. Ihr Rucksack findet sich auf Zimmer 12, sie selbst ist unauffindbar. Wegen ihrer mangelnden Ortskenntnisse schließt sich die Autorin auf dem Marktplatz einer Gruppe an, die auf einer Sagenwanderung von der irren Katharina, der „Seherin von Rauschenberg“, geführt wird. Die verspricht „dunkle Geheimnisse“ und macht gegenüber der Autorin immer wieder Anspielungen wie „der Tod umweht dich Kindchen“.

80 Zuhörer lauschen gespannt

Der Weg führt die kleine Gruppe zum Schlosstor und man erfährt hier etwas über einen ungeklärten Mord von 1837, von dem eine Hufeisenspur im Torbogen zeugt. In den unterirdischen Gängen der Burgruine vermutet Katharina neben großen Schätzen auch die Gebeine ihrer Tochter Hilde, die vor langer Zeit verschwunden ist.

Bis dahin waren die gut 80 Zuhörer bereits höchst angespannt und konzentriert. Man hätte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Auf Grund der Beschreibung erschienen die unterirdischen Gänge, von denen wohl jeder Rauschenberger schon einmal etwas gehört hat, vor dem geistigen Auge und je nach eigenem Gusto dürften darin ein Goldschatz oder nur alte Knochen gelegen haben.

„Ihr ahnt, wohin wir jetzt gehen. Bei Dunkelheit nicht ungefährlich“, kündigte die Katharina die letzte Station an und machte erneute Andeutungen in Richtung Autorin. Die Rede war von „Riemenschneiders Loch“, wo es seit 200 Jahren nicht ganz geheuer zugeht.

Hier soll der ehemalige Rauschenberger Amts-Schultheiß Johann Heinrich Riemenschneider einen Mord begangen haben. Und genau hier wird die gesuchte Schwester Carla gefunden.

Auflösung folgt nach Kunstpause

Nach längerer Kunstpause dann die Aufklärung. Bereits drei Tage hat Carla an „Riemenschneiders Loch“ gelegen und überlebt. Ohne die Seherin Katharina wäre sie wohl nie gefunden worden. Was Carla in die missliche Lage gebracht haben mag, bleibt weitgehend ungeklärt.

Ein lange anhaltender Applaus gab Autorin Grießer die Gewissheit, einen guten Krimi geschrieben zu haben. Nicht wenige des zur „Criminale“ herausgegebenen Buches, mit vielen lokalen Kriminalgeschichten, wechselten den Besitzer.

Die bis jetzt eher unbekannte Autorin Anne Grießer stammt aus dem kleinen Odenwaldörtchen Walldürn, woher auch Kabarettist Rolf Miller und Bundestrainerin Silvia Neid kommen. Heute lebt die 49-Jährige in Freiburg. Sie hat ihren Beruf als Diplom-Bibliothekarin über Bord geworfen und bereits fünf Kriminalromane und 50 Kurzkrimis geschrieben.

von Heinz-Dieter Henkel

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