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Die Nervensäge aus der Badewanne

Kolping macht Theater Die Nervensäge aus der Badewanne

Mit ihrer neuen Theateraufführung haben die Laien-Komödianten der Anzefahrer Kolpingsfamilie mit ihrer Jubiläumsinszenierung ein Zeichen gesetzt.

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„Wie kriegen wir Peter (Michael Oelmann) nur wieder aus der Badewanne“, fragten sich Mr. Phips (Winfrid Bauerbach) und Sally Hills (Klara Botthof). Foto: Alfons Wieber

Anzefahr. Mit drei Vorstellungen in der jeweils vollbesetzter Mehrzweckhalle unterhielten sie die Besucher aus Anzefahr und Umgebung wiederum mit bester Laienspielkunst.

Für ihre 25. Produktion seit 1992 hatte sich das Ensemble das Lustspiel „Hexenschuss“ ausgesucht. Diesen fängt sich der bekannte TV-Moderator Peter Raven (Michael Oelmann) in der Wohnung seiner Geliebten Sally Hills (Klara Botthof) von ein. Eingeklemmt in der viel zu kleinen Badewanne macht er dort eine wunderbar jämmerliche Figur. Geschickt hatten Spielleiterin Monika Gutbrod und Bühnenbildner Alfons Kißling das Bad auf der Bühne platziert. So bleibt der vom Hexenschuss Geplagte die ganze Zeit mehr oder weniger präsent.

Doch seine prekäre Lage machte ihn schnell zu einer jammernden Nervensäge. Schließlich ist auch er verheiratet und hat seinen Ruf als Moralapostel zu verlieren. Bekleidet nur mit einer Sonnenbrille hockt er fast die gesamte Spielzeit von rund drei Stunden entzückend hilflos da, schreit abwechselnd nach warmem oder kaltem Wasser sowie seinem Mango Joghurt. Den verzehrt allerdings Mr. Phips. Der schrullige, blinde Klavierstimmer ist Dreh- und Angelpunkt für unzählige Gags und haarsträubende Situationskomik. Eine Paraderolle für Winfried Bauerbach, der mit 25 Auftritten in Folge seit 1992 ebenfalls ein persönliches Jubiläum feiert.

Bei Hühnerbein, Gurke und Tomate mit reichlich Salz macht er es sich vor dem Uralt-Instrument gemütlich und bringt mit seiner naiven Aufdringlichkeit zunächst Sally Hills an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Dann taucht Sallys Ehemann Leonhard (Achim Gutbrod) auf. Der Pilot ist auch nicht ohne Fehl und Tadel. Ständig muss er die betrunkene Stewardess (Jutta Kraus), das „australische Känguru“, verstecken. Ihr hat er die Wohnung für ein Schäferstündchen mit einem Kollegen versprochen.

Als dann auch noch ein schottischer Arzt (Heiko Michel) und Peter Ravens Chefin Jocelyn (Susanne Ziegler-Hänel), Leiterin der TV-PR Abteilung der BBC, auf der Bildfläche auftauchen, wird es langsam eng in der Wohnung der Hills.

Mit Witz und Charme hat das Ensemble die komplizierte Geschichte stes im Griff, sorgt dafür, dass die Zuschauer in dem riesigen Lügengebäude immer den Durchblick behalten und führt die Farce zu einem spritzigen Ende. Ein hinreißendes Stück mit viel Lärm um Nichts, dessen Qualität und ebenso die Leistung der Anzefahrer Laienmimen vom Publikum am Ende mit stürmischem Applaus gefeiert wird.

Eine kleine Ausstellung der Theatergruppe, die von Rosa Kißling und Maria Lather mit viel Liebe zum Detail zusammengestellt worden war, rundete die drei Vorstellungen ab. Zum 25-jährigen Bestehen hatten die beiden ehemaligen Ensemblemitglieder Menge Fotos und alte Requisiten der vergangenen Vorstellungen hervorgekramt und präsentierten diese zur Freude des Publikums in der Mehrzweckhalle.

von Alfons Wieber

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