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Die Natur soll in die Stadt einziehen

Pilotprojekt Kirchhain Die Natur soll in die Stadt einziehen

Nach dem vielfach nachgeahmten Erfolgsprojekt „Kirchhain blüht“ geht die Stadt Kirchhain nun einen Schritt weiter. Sie möchte noch mehr Artenvielfalt und noch mehr Natur ins Stadtinnere holen.

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Bürgermeister Olaf Hausmann (Mitte) moderierte den Abend. Fachvorträge hielten (von links) Melanie Düber, Dr. Gerrit Fokuhl (beide Planungsbüro Fischer), Meike Bonsa vom Stadtbauamt sowie der bundesweite Projektleiter Tobias Herbst.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. Wie das geschehen soll, darüber gab es bei einem Info-Abend im Kirchhainer Bürgerhaus vor rund 60 Besuchern sachkundige Auskunft.

Bürgermeister Olaf Hausmann beschränkte sich an diesem Abend auf seine Rolle als Moderator, erläuterte aber, wo es in Kirchhain künftig mehr Natur und eine artenreichere Vegetation geben solle: entlang der ­Röthestraße, und zwar vom Ortsschild am Abzweig zur Straße auf dem Vogelsang bis zum Jüdischen Friedhof.

Verwirklicht wird das Projekt unter dem Dach der Organisation „Kommunen für biologische Vielfalt“, der Kirchhain seit Jahren angehört und im Rahmen eines Pilotversuchs, für den sich die Stadt erfolgreich beworben hat. Neben Hannover, Frankfurt, Wernigerode und Neu-­Anspach ist Kirchhain die fünfte Stadt, die für das Projekt „Stadtgrün - Artenreich & Vielfältig“ ausgesucht wurde.

Vielleicht fiel die Wahl auf Kirchhain, weil sich die Stadt schon vor acht Jahren ganz ohne Bündnisse, Satzungen, Label und Zielvorgaben aus eigener Kraft den Themen buntes Stadtgrün und Artenreichtum genähert hatte. An die Zeiten von „Kirchhain blüht“, erinnerte Meike Bonsa.

Die Mitarbeiterin des Stadtbauamtes ist so etwas wie der Grüne Daumen der Stadtverwaltung. Sie hatte ihren ökologischen Sachverstand auch in das Projekt „Kirchhain blüht“ eingebracht, das, wie diese Zeitung berichtete, von der Stadt gemeinsam mit dem Bieneninstitut und der BUND-Ortsgruppe entwickelt wurde mit den Zielen, Bienen und anderen Insekten Nahrung und Lebensraum in der Stadt zu schaffen und das mitunter eintönige Stadtgrün in ein farbenprächtiges Blütenmeer zu verwandeln.

Vereinzelte ökologische Inseln

Meike Bonsa erinnerte an die Anfänge dieses Projekts mit einer vom Kirchhainer Bieneninstitut speziell für Kirchhain und den Bienen zusammengestellten Mischung einjähriger Blühpflanzen. Experimente mit mehrjährigen Blühpflanzen seien gefolgt. Später seien Frühblüher wie Krokusse und Narzissen gepflanzt worden, um Insekten schon im zeitigen Frühjahr Nahrung zu bieten. Schließlich seien Staudenbeete dazugekommen, deren Pflanzen vor dem Winter bewusst nicht zurückgeschnitten worden seien. ­Manko des Systems: Die Blühpflanzen wachsen auf vielen einzelnen Flächen, die über das ganze Stadtgebiet verstreut seien, so Meike Bonsa.

Jetzt soll sich die Natur vom Stadtrand aus in einem Stück bis in den Stadtkern entfalten können. Deshalb sei für das neue Projekt nur eine Einfallsstraße denkbar gewesen. Die Wahl sei auf die Röthestraße gefallen, weil diese schon über zahlreiche, sehr unterschiedliche Grünflächen verfüge, die in ihrer Struktur auf andere Flächen übertragbar seien, sagte Meike Bonsa. Das sei wichtig, weil auch Privatleute und Firmen auf ihren Flächen das nachmachen können sollen, was entlang der Röthestraße geschieht.

Die Anpflanzungen im Detail erarbeiten Melanie Düber und Dr. Gerrit Fokuhl vom Planungsbüro Fischer, das die Stadt während der Anlaufphase des auf fünf Jahre festgelegten Pilotprojekts unterstützt. Die grobe Richtung skizzierte indes Meike Bonsa. Es werde entlang der ­Röthestraße Flächen für Beerenobst, Frühblüher, Blumenzwiebelbeete, Sträucher und Stauden geben. Aber auch die Rasenflächen würden nicht vollständig verschwinden. „Amseln und Grünspechte lieben Rasenflächen, weil sie dort genügend Regenwürmer finden“, erklärte sie.

Kirchhain übernimmt als Pilot-Kommune eine Vorreiterrolle für die Einführung eines ökologischen Grünflächen­managements, hat aber neben der Aussicht auf ein Label in Gold, Silber oder Bronze auch einen materiellen Vorteil von der Teilnahme. Die Stadt bekommt eine Förderung, die es erlaubt, spezielle Geräte für die Pflege der aufgewerteten Flächen zu kaufen.

Projektleiter Tobias Herbst erklärte, dass das Hauptziel des Projektes der Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt sei. Dabei sollten unter Berücksichtigung des Arten- und Biotopschutzes innerstädtische Grün- und Freiflächen entstehen.

von Matthias Mayer

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