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Die Miezen von Stadtallendorf

Tigerschau Die Miezen von Stadtallendorf

Die Nachbarn in der Straße Am Scheidfeld kennen Dieter Dittmann teilweise seit Jahrzehnten. Vor 20 Jahren mietete der Tierlehrer Grundstück und Halle als Quartier für seine Tiger.

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Diese vier Tiger haben es sich in der Sonne bequem gemacht.

Stadtallendorf. Temperaturen um die 30 Grad machen auch Tiger träge. Beim Besuch der OP gestern Vormittag nutzten die die Tiger Sita, Brami, Durga, Rudra und Laksmi den Schatten, den ihnen ein Käfigwagen spenden. Ist Tierlehrer Dieter Dittmann nicht vor Ort, sind die Tiere in einer angrenzenden Halle mit großem Innenkäfig untergebracht.

Außen stehen gleich zwei Käfige, in denen sich die Tiere ansonsten bewegen können. Inzwischen sei es im Zirkusalltag normal geworden, dass es eher eine Sommer- als eine Winterpause gebe, sagt Dittmann. Die aktuelle Pause will der Tierlehrer erstmals für eine Tigerschau nutzen. Geld will Dittmann damit nicht verdienen, der Eintritt ist frei. Für ihn ist die Schau an jedem Samstag und Sonntag ein Projekt, bei dem er für die Beschäftigung mit den frei lebenden und bedrohten Tigern animierend wirbt. Zunächst gibt Dittmann einige grundlegende Informationen über die Raubkatze, Anschauungsmaterial steht bereit.

Tiere wollen nicht Theorie, sondern Tiere sehen

Dann gibt er anhand eines einzelnen Tieres, das er in den Käfig holt, etwas „Anschauungsunterricht“ bevor er den ganzen Familienverband vorführt. Zwei Termine gab es bereits. „Für die Kinder dauert die Theorie immer zu lange, sie wollen die Tiger sehen“, so seine erste Erfahrung. Im Gespräch mit der OP weist er auf die bedrohliche Situation für die in Indien und Sibirien vorkommenden Tigerarten besonders hin. Dass es in Stadtallendorf ein Tigerquartier gibt, blieb in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend unbemerkt. Die Aufsichtsbehörden waren allerdings von Anfang im Bilde, schließlich mussten sie das Quartier genehmigen. Dittmann musste seine Fachkunde nachweisen und die Unterbringung der Tiere überprüfen lassen. Zuletzt war das Stadtallendorfer Ordnungsamt vor wenigen Wochen bei ihm. „Ich finde es richtig, dass die Haltung von Wildtieren an enge Auflagen geknüpft ist“, sagt Dittmann.

Seine fünf Tiger sind in Menschenobhut geboren und aufgewachsen. Obwohl Tiger eigentlich eher Einzelgänger sind, stimmt bei Dittmanns Tieren die Harmonie im Familienverband. Die Rangfolge ist auch geklärt: Der Tierlehrer ist „Alphatier“, auch wenn es ihm am heißen Donnerstagmorgen nicht so ganz leicht fällt, seine Tiger dazu zu bringen, sich im Käftig zu bewegen. „Rudra“ räkelt sich lieber auf dem Rasen. „Er fühlt sich als der heimliche Bürgermeister. Doch die anderen tolerieren das“, sagt Dittmann.

Der Tierlehrer käme nicht auf den Gedanken, mit seinen Wildtieren spontan zu „kuscheln. „Wenn eine Katze meint, sie braucht eine Streicheleinheit, dann signalisiert sie mir das selbst“, sagt Dittmann. Zuletzt ist er mit seinen Tieren im Zirkus Probst aufgetreten, sein nächstes Engagement entscheidet sich in den nächsten Wochen. 1972 erlernte er zunächst den Beruf des Tierpflegers, 1986 machte er sich als Tierlehrer schließlich selbstständig.

Tierarzt aus der Region behandelt Tiger

Seit er die Tiere hat, ist Dittmann nicht mehr in Urlaub gefahren, damit kann er aber gut leben. Täglich arbeitet er mit den Tigern, füttert sie. Pro Tiger und Tag sind sechs Kilo Fleisch nötig. Dittmanns Tiger sind stattliche Tiere. Ein bengalisches Tigermännchen wiegt in der Regel rund 180 Kilogramm, ein Weibchen zwischen zwischen 120 und 140 Kilogramm.

Auch Tiger können erkranken, Dittmann arbeitet seit vielen Jahren mit einem Tierarzt aus Ebsdorfergrund zusammen, der die Tiere auch impft, übrigens genauso wie eine Hauskatze gegen Tollwut und ähnliche Tierkrankheiten. „Ohne die Katzen wäre mein Leben ärmer“, beschreibt er seine Beziehung zu seinen Tieren.

  • Die Tigerschau von Dieter Dittmann ist an jedem Samstag und Sonntag ab 15 Uhr auf seinem Gelände Am Scheidfeld 5 zu sehen.
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