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Die Mett-Schubkarre ist Geschichte

Kirmes in Amöneburg Die Mett-Schubkarre ist Geschichte

Hatten sich an den ersten drei Kirmestagen viel zu wenige Menschen ins Festzelt verlaufen, so war wenigstens am Montag die Resonanz so gut, dass die Vereinsgemeinschaft zufrieden war.

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Als die Amöneburgerinnen zur Mittagszeit das traditionelle, kostenlose Frühstück servierten, war das Festzelt ordentlich gefüllt.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Seit mehr als 20 Jahren gibt es am Kirmesmontag kostenloses Frühstück. 15 Laib Brot hatten Amöneburger Frauen geschnitten, mit Käse, Wurst oder Schmalz belegt beziehungsweise bestrichen und dann den hungrigen Festzeltbesuchern serviert. Das ist inzwischen eine Tradition - die auf eine Begebenheit herrührt, die mehr als 20 Jahre zurückliegt. „Biens Walter“ habe damals auf Platt mitgeteilt, er „wollt amoal was stifte“, erinnert sich Herbert Fischer, der scheidende Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft, die die Kirmes ausrichtet. Daraufhin habe der Amöneburger eine Schubkarre voll Mett und einen Sack Brötchen ins Festzelt geschafft, an dem sich die Feiernden laben konnten.

Relativ bald sei das Veto von Behörden mit Blick auf dem Berg eingetroffen. Die Aktion habe sich wohl nicht mit der Hackfleischverordnung vereinbaren lassen, erläutert Fischer amüsiert - aber wenigstens war eine Tradition geboren, schließlich reagierten die Berger einmal mehr charmant-trotzig: „Das lassen wir uns nicht nehmen.“ So gibt es seitdem eben belegte Brote, die statt in einer Schubkarre auf zarten Frauenarmen gebracht werden.

Stimmung top, Resonanz flop

Vielleicht ist das auch der Grund, warum wenigstens am Kirmesmontag im Festzelt etwas los war. Die drei vorigen Tage fassen Fischer und Stellvertreter Felix Schmitz, der Vorsitzende der Burschenschaft, knapp zusammen: „Die Stimmung top, die Resonanz ein Flop.“ Die Bands „Warehouse“ und „Impuls“ hätten am Freitag und Samstag super Auftritte hingelegt, so Schmitz: „Aber es war kaum jemand da. Warum das so war, kann ich mir nicht erklären. Viele von uns fragen sich, was wir verkehrt machen.“ Beim Treffen der Burschen- und Mädchenschaften hätten zum Beispiel einige gefehlt, deren Fest die Berger besucht hatten - und für die dann der Gegenbesuch eigentlich Ehrensache sein müsste. „Es ist scheinbar Zeit für einen Schnitt. Wir müssen dringend etwas anders machen“, betont Fischer, der zum letzten Mal die Fäden in der Hand hatte, da er nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden der Vereinsgemeinschaft kandidieren will. Doch nicht nur die Besucherzahlen seien mau gewesen: Auch als Helfer hätten sich die Amöneburger extrem zurückgehalten. „Es fehlte die Unterstützung. Beim Aufbau des Festzeltes waren wir nur zu dritt“, berichtet Fischer, der in der Nacht auf morgen sogar gemeinsam mit Sohn Tobias die Nachtwache übernehmen musste - weil sich keine Freiwilligen fanden.

Wenigstens das Platzkonzert der Wohrataler Trachtenkapelle am Sonntag sei gut besucht gewesen, fasst der ehemalige Ortsvorsteher zusammen und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass die Amöneburger den sonstigen Negativtrend bei den Besucherzahlen stoppen können. Die Zeiten, in denen ein Discoabend am Freitag noch ziehe und das Festzelt so voll sei, dass ein Hineinkommen schier unmöglich scheint, seien aber wohl vorbei. So müsse die Vereinsgemeinschaft wenigstens hoffen, dass der Kirmesmontag weiterhin gut besucht wird, hebt Fischer hervor: „Der hält uns finanziell über Wasser.“

Die Stimmung jedenfalls war in dem zur Mittagszeit ordentlich gefüllten Festzelt gut - und das nicht nur, als es Essen und von Festwirt und Vereinsgemeinschaft gesponsertes Freibier gab. Übrigens, auch das ist Tradition, untermalt von Musik der Kapelle, von der sich „der Brogle“ (Peter Brogle) die Pauke schnappt, während Pfarrer Marcus Vogler ein anderes Instrument bedient.

von Florian Lerchbacher

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