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Die Liebe ist mal süß, mal salzig

Ferienspiele Die Liebe ist mal süß, mal salzig

Die von der Stadtjugendpflege Stadtallendorf alljährlich organisierte Fahrt nach Bad Kissingen ist mehr als eine Sommerfreizeit: Sie bringt Kinder aus verschiedenen Ländern zusammen.

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Walter Mengel (orangefarbenes Hemd) und sein Team bieten den Kindern auf den Freizeiten immer viel Abwechslung.Privatfoto

Stadtallendorf. Auch nach Ende der Freizeit werden mehr oder weniger intensive länderübergreifende Kontakte gepflegt, berichtet ein „Bad Kissinger“, der die Sommerfreizeit miterlebt und betont, dank modernen Kommunikationsmöglichkeiten sei es ja auch kein Problem mehr, sich Kurzmitteilungen oder Fotos zuzusenden. Viele Teilnehmer seien Jahre später als Betreuer oder Seminargäste wieder auf den Heiligenhof zurückgekehrt und hätten von den Freizeiten geschwärmt, auf denen sie Dinge lernten, von denen sie ihr Leben lang profitierten: interkulturelle Kommunikation, Problemlösungsstrategien oder das Organisieren - also grundlegende Elemente der Persönlichkeitsentwicklung.

Seit über 50 Jahren veranstaltet die Stadtjugendpflege Stadtallendorf die Freizeiten für 8- bis 13-jährige Kinder auf dem Heiligenhof. Seit nahezu 20 Jahren kommen gleichaltrige tschechische Kinder zum gleichen Zeitpunkt nach Bad Kissingen. Was zu Beginn ein Zufall war, ist seit einigen Jahren Absicht.

Die tschechischen Kinder stammen vornehmlich aus den Randgebieten zum deutschsprachigen Raum, dem Sudetenland, und haben vielfach deutsche Wurzeln. In ihren Familien sprechen sie zwar vornehmlich tschechisch, in der Schule lernen sie jedoch ab der vierten Klasse Deutsch. Der Aufenthalt im deutschsprachigen Umfeld ist entsprechend ein erster Praxistest und soll die Jungen und Mädchen motivieren, weiterzulernen.

Doch Kinder können auch ohne perfekte Sprachkenntnisse miteinander kommunizieren, was sie vor allem bei den vielen Spielen und Sportwettkämpfen, die sie in gemischten Gruppen austrugen, unter Beweis stellten. Neben weiteren körperlichen Aktivitäten wie Wanderungen, Kanutouren auf der fränkischen Saale oder Kletterpartien im hauseigenen Klettergarten standen auch Basteltage auf dem Programm. Höhepunkte sind zudem die Auftritte eines Zauberers und ein Discoabend.

Zudem haben Deutsche und Tschechen eine Tradition entwickelt: Jungen und Mädchen können am Abschlussabend Hochzeit spielen. In den Tagen zuvor kommt es entsprechend immer wieder zu herzzerreißenden Szenen: Bringt ein Mädchen einem Jungen (oder umgekehrt) einen Tee an den Tisch, stellt es Salz und Zucker dazu. Wird Salz in das Getränk geschüttet, ist dies ein Zeichen der freundlichen Abweisung. Kommt der Zucker zum Einsatz, hat sich ein „Paar“ gefunden.

Am Abschlussabend putzen sich Braut und Bräutigam dann heraus und werden mit einer Schleife an jeweils einer Hand. So müssen sie dann essen, trinken und tanzen - danach ist es indes ihre Entscheidung, ob sie mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten weiter im Austausch bleiben und ihre „Beziehung“ pflegen.

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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