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„Die Leidenszeit ist nun vorüber“

Sorgenkind „Die Leidenszeit ist nun vorüber“

Ab Montag sind die unteren Säle und Räume des Bürgerhauses in Schweinsberg wieder benutzbar. Im Obergeschoss fehlen noch die bestellten Brandschutztüren.

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Einer der neuen Rauchabzüge im großen Saal.

Quelle: Michael Rinde

Schweinsberg. Adolf Fleischhauer sparte mit scharfen Worten und Spitzen. Es sei ja bald Weihnachten, merkte der Schweinsberger Ortsvorsteher am Donnerstag bei der kleinen Feierstunde im Bürgerhaus an. Genau am 1. Juli 2014 schloss das Bürgerhaus Schweinsberg. Geplant war einmal eine reine Sanierung der elektrischen Anlagen, herausgekommen ist ein zeit- und kostenintensives Bauprojekt. Offiziell endete es am Donnerstag.

Wie sich bei Beginn der Elektroarbeiten herausgestellt hatte, gab es in den Decken und Wänden des Bürgerhauses, einer Versammlungsstätte im baurechtlichen Sinne, erhebliche Brandschutzmängel. „Die Entrauchung fehlte gänzlich“, nannte Bürgermeister Christian Somogyi als Hausherr ein besonders gravierendes Beispiel.

Außerdem fanden sich Löcher an Stellen, an denen im Sinne des Brandschutzes nie hätten welche sein dürfen. Zweite Fluchtwege waren entgegen der in der Gegenwart gültigen Vorschriften nicht vorhanden. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass ein großer Teil dieser Mängel in der Zeit der Aufstockung des Bürgerhauses Mitte der 1990er Jahre entstanden.

Mehr als nur Brandschutz- und Elektrosanierung

Zwischenzeitlich hatte die Stadtverwaltung ein Beweissicherungsverfahren eingeleitet. Allein deshalb ruhten wesentliche Arbeiten über Monate hinweg, damit die Gutachter alles im Originalzustand in Augenschein nehmen konnten. Doch dieses Verfahren endete auf Wunsch der Stadt schließlich im Februar auch wieder (die OP berichtete). Denn plötzlich schienen die Chancen, einen späteren Rechtsstreit über frühere Planungsbüros zu gewinnen, sehr schlecht zu stehen.

Im Schweinsberger Bürgerhaus war allerdings auch noch mehr nötig als eine reine Brandschutz- und Elektrosanierung. Wasser- und Heizungsrohre waren zu ersetzen. Außenwände erwiesen sich als feucht, als Innenverkleidungen entfernt wurden.

Der Jugendraum bekommt künftig den zweiten Rettungsweg. Im Obergeschoss fehlen laut Architekt Christian Stamm derzeit noch Brandschutztüren. Sie seien noch auf dem Weg nach Schweinsberg, sprich bestellt, aber noch nicht geliefert. Dazu kommen noch Durchbrüche. Darum wird sich die Fertigstellung der Räume im Obergeschoss des Bürgerhauses noch einige Wochen hinziehen.

Fluchtweg für die Kegelbahn

An der Kegelbahn entstand eine neue Küche samt Thekenanlage. Noch fehlen die passenden Möbel, weshalb das alte Mobiliar noch einmal aufgestellt wurde, wie Sigrid Waldheim bei einem Rundgang erläuterte. Sie ist Leiterin des städtischen Eigenbetriebs Dienstleistungen und Immobilien und damit im eigentlichen Sinne für das Bürgerhaus in Schweinsberg zuständig.

Der Raum in der Kegelbahn hat jetzt auch einen für jedermann funktionierenden zweiten Fluchtweg falls es dort mal brennen sollte. Niemand wird sich im Notfall mehr durch einen zu engen Lichtschacht nach außen zwängen müssen.

Leidtragende der langen Schließung des Bürgerhauses seien Schule, Kindergarten und Vereine gewesen, lenkte Ortsvorsteher Fleischhauer am Donnerstag den Blick auf die Betroffenen. „Für sie bedeutete das Mitgliederschwund und teilweise hohe Kosten“, sagte Fleischhauer.

Den Vereinen viel zugemutet

Gleich zu Beginn seiner Begrüßung hatte Bürgermeister Somogyi sich an die Vereine gewandt. „Wir haben ihnen einiges zugemutet“, räumte er ein. Doch er erinnerte auch daran, dass das Bürgerhaus aufgrund der jetzt beseitigten Mängel eigentlich keine Betriebsgenehmigung mehr hatte.

„Wir alle können froh sein, dass in all den Jahren nichts passiert ist“, betonte Somogyi. Die Kosten der Sanierung liegen nach derzeitigem Stand, die Schlussrechnungen stehen noch aus, bei rund 650.000 Euro, weit mehr als das Doppelte, als bei Beginn geplant.

Eine Person bekam am Donnerstag doch eine besondere Würdigung. Ortsvorsteher Fleischhauer überreichte Sigrid Waldheim ein Buch über Schweinsberg, auch im Hinblick auf deren näherrückenden Ruhestand. „Sie können sicher sein, da steht nichts über diese Sanierung drin“, sagte Fleischhauer bei der Übergabe.

von Michael Rinde

Ortsvorsteher Adolf Fleischhauer überreichte Betriebsleiterin Sigrid Waldheim ein Abschiedsgeschenk. Foto: Michael Rinde
 
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