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Die Hälfte aller Haushalte hat Interesse

Energiewende Die Hälfte aller Haushalte hat Interesse

Seit September ist die Mardorfer Biogasanlage in Betrieb und produziert Strom - und Wärme: Dreieinhalb Millionen Kilowattstunden sind derzeit noch ein Abfallprodukt und bleiben ungenutzt.

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Peter Hörl (von links), Ortsvorsteher Heinrich Benner, Karl-Heinz Kräling, Bernhard Traulich, Helmut Schick und Martin Schick nahmen die Technik des Blockheizkraftwerkes in Augenschein, ehe sie die Gründung der Nahwärme-Initiative verkündeten.Foto: Lerchb

Mardorf. „Wir müssen vom Öl wegkommen“, sagt Karl-Heinz Kräling. Gemeinsam mit anderen Mardorfern hat er eine Nahwärme-Initiative (NIM) gegründet, schließlich gibt es in dem Amöneburger Stadtteil eine Biogasanlage, die seit September 2012 Strom produziert - und Abwärme. Letztere verpufft momentan noch im Nichts. Geht es nach den Mitgliedern, soll sie bald ihre Häuser heizen und für warmes Wasser sorgen.

„Dreieinhalb Millionen Kilowattstunden sind im Jahr übrig“, betont Martin Schick, der zusammen mit Vater Rudi die Anlage betreibt, und ergänzt: „Das entspricht etwa 350000 Liter Heizöl.“ Also eigentlich barem Geld - und das sollte nicht auf der Straße liegen bleiben.

Sparen und Ressourcen schonen sind also gleich zwei gute Gründe, die einige Bürger motivierten, über ein Nahwärmenetz nachzudenken. Sie sprangen sozusagen für die Stadtwerke Marburg ein, die ursprünglich als Betreiber in der Diskussion waren. Das Netz soll sich über ganz Mardorf erstrecken - eine weitere Veränderung zu alten Plänen, die nur das Alte Dorf umfassten.

17 Mitglieder der NIM waren in den vergangenen Woche unterwegs, befragten ihre Mitbürger zu ihren Heizgewohnheiten und informierten sich, ob Interesse an einem Anschluss an ein Nahwärme-Netz bestehe. Rund 225-mal lautete bisher die Antwort „Ja“ - und das bei etwa 450 Haushalten, die es in Mardorf gibt. Die erhobenen Daten übergab die NIM nun einem Ingenieurbüro, das eine Machbarkeitsstudie erstellen soll. Diese soll die Wirtschaftlichkeit eines Nahwärmenetzes nachweisen - was Voraussetzung für die Gründung einer Bioenergiegenossenschaft ist.

„In sechs Wochen sollte uns das Ergebnis vorliegen. Wenn die Studie grün zeigt, organisieren wir eine Infoveranstaltung für die Bürger“, kündigt Bernhard Traulich an und betont, noch sei es nicht zu spät, Interesse an einem Anschluss zu bekunden: „Wer will, kann sich an die Stadtverwaltung, Ortsvorsteher Heinrich Benner oder unsere Befrager wenden.“

„Wir hoffen, im Jahr 2014 mit dem Bau des Nahwärmenetzes beginnen zu können“, sagt Kräling. Angedacht sei zudem, die Infrastruktur in seiner Heimat zu verbessern und Breitband mitzuverlegen. „Wir planen keine Bauabschnitte, sondern wollen das Projekt in einem durchziehen“, wirft Rudi Schick ein und fügt hinzu: „Interessierte sollten also nicht allzu lange warten. Wenn wir mit dem Bau angefangen haben, wäre der Aufwand größer, nicht eingeplante Anschlüsse noch zu realisieren.“ Die NIM-Mitglieder sind zuversichtlich, eine positive Machbarkeitsstudie zu erhalten. „Wir haben eine gute Zeit gewählt, denn wir können auf die Erfahrungen anderer Ortschaften aufbauen“, sagt Traulich und betont: „Die Energiewende muss vor Ort passieren. Noch dazu würde die Wertschöpfung bei uns in der Region bleiben.“

Die Stadt jedenfalls verspricht Unterstützung: „Wir sind stolz darauf, dass sich bereits der zweite Stadtteil auf dem Weg zum Bioenergiedorf befindet“, kommentiert Stadtrat Peter Hörl und ergänzt: „Wir planen, das Projekt mit der Übernahme einer Bürgschaft wie in Erfurtshausen zu unterstützen.“

von Florian Lerchbacher

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